Finma-Chef Raaflaub tritt zurück

Der Chef der Schweizer Finanzmarktaufsicht tritt zurück. In seinen fünf Jahren als oberster Aufseher über den Finanzplatz erlebte der 49-Jährige historisch turbulente Zeiten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Patrick Raaflaub tritt als Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma zurück. Er wird sein Amt auf eigenen Wunsch Ende Januar 2014 niederlegen», so die Medienmitteilung. Raaflaub hatte gut fünf Jahre die operative Führung der Behörde inne und war für die Zusammenführung der Vorgängerbehörden (Eidgenössische Bankenkommission EBK, Bundesamt für Privatversicherungen BPV und Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei) verantwortlich. «Der Finma-Verwaltungsrat bedauert die Entscheidung und dankt Raaflaub für seinen Einsatz und das Erreichte», heisst es weiter.

«Dass die Finma nach der akuten Krisenbewältigung zielstrebig und konsequent Lehren aus den Erfahrungen der Krise zog, ist nicht zuletzt der Verdienst von Raaflaub», wird Anne Héritier Lachat, Präsidentin des Finma-Verwaltungsrats, im Communiqué zitiert.

Er habe «intensive Jahre» als Finma-Chef erlebt, so Raaflaub. «Nun ist für mich jedoch die Zeit gekommen, eine neue Herausforderung zu suchen.»

Die operative Führung der Finma wird ab Februar 2014 bis auf Weiteres der stellvertretende Direktor Mark Branson übernehmen. Branson war früher im Management der UBS tätig. Seine Position war im Zusammenhang mit der Libor-Affäre in die Kritik geraten. Er leitete einen Japan-Ableger der Schweizer Grossbank. Auch bei der UBS Japan war es zu Ungereimtheiten gekommen.

Der Verwaltungsrat der Finma hat den Prozess für die Wahl des neuen Finma-Direktors bereits eingeleitet.

Verschwiegener Finanzdompteur

Raaflaub war erster Direktor der aus Fusion verschiedener Aufsichtsbehörden entstandenen Finma. In seinen fünf Jahren als oberster Aufseher über den Schweizer Finanzplatz erlebte der 49-Jährige historisch turbulente Zeiten.

Raaflaub wurde am 8. Mai 2008 zum neuen Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) gewählt. Somit wurde Raaflaub mitten in eine der schlimmsten Bankenkrisen geworfen.

Ein Fall wie die UBS, die vom Staat und der Nationalbank gerettet werden musste, sollte sich nie mehr wiederholen. In seiner Funktion war Raaflaub gefordert, die Banken und auch die Versicherungen in die Schranken zu weisen und die Regulation zu verschärfen.

Vater zweier Söhne

Intern war Raaflaub bei der Zusammenführung der drei Vorgängerbehörden (Eidgenössische Bankenkommission EBK, Bundesamt für Privatversicherungen BPV und Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei) zu einer Organisation gefordert. Und zum Ende seiner nun gut fünfjährigen Amtszeit dominierte der US-Steuerstreit die Schlagzeilen.

Was das Privatleben betrifft, gibt sich Raaflaub bedeckt. Nur wenig gelangt an die Öffentlichkeit. Der 49-Jährige ist verheiratet und Vater zweier Söhne. Er wohnt in der Nähe von Bern. (cpm/bru/sda)

Erstellt: 15.01.2014, 14:42 Uhr

«Der Rücktritt kommt zur Unzeit»

Der Rücktritt von Patrick Raaflaub als Finma-Direktor führte zu unterschiedlichen Reaktionen. Während die Bankiervereinigung die Nachricht kühl entgegennahm, kritisiert der Professor für Wirtschaftsrecht, Peter V. Kunz, den Zeitpunkt des Abgangs.

«Der Rücktritt kommt zur Unzeit», sagte Peter V. Kunz am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Zwar sei verständlich, dass Raaflaub nach fünf Jahren etwas Neues machen wolle, aber noch sei der Steuerstreit mit den USA nicht gelöst und auch in der Diskussion über die Eigenkapitalausstattung der Banken stünden wichtige Entscheide an. Der Abgang des Chefs sei ein Kompetenzverlust für die Behörde.

Bedauern äusserte der Bundesrat über den Rücktritt des Finma-Direktors, die Landesregierung schaut aber bereits vorwärts. Der Prozess für die Nachfolge von Patrick Raaflaub laufe, hiess es auf Anfrage. Der vom Verwaltungsrat vorgeschlagene Kandidat für den Posten als Finma-Direktor muss jeweils vom Bundesrat genehmigt werden.

Eher kühl nahm die Schweizerische Bankiervereinigung die Nachricht entgegen: «Wir nehmen den Rücktritt von Herrn Raaflaub zur Kenntnis», sagte Mediensprecherin Sindy Schmiegel zur Nachrichtenagentur sda.

Es sei bekannt, dass die Banken und die Finma nicht immer einer Meinung gewesen seien. Allerdings müsse anerkannt werden, dass Raaflaub auch in schwierigen Zeiten viel für den Schweizer Finanzplatz getan habe. (sda)

Artikel zum Thema

Ein Mann unter Dauerbeschuss

Patrick Raaflaub war als Finma-Chef für die Aufsicht der Banken verantwortlich. Recht machen kann man es in diesem Job keinem – manchmal sorgte er auch selber für Fragezeichen. Mehr...

Warum schweigt Finma-Chef Raaflaub?

Bankjuristen rätseln über Patrick Raaflaubs Zeitungsartikel, in dem der Direktor der Finanzmarktaufsicht den Banken die Teilnahme am US-Programm nahelegte. Mehr...

Sieben Kantonalbanken trotzen der Finma

Hintergrund Kategorie 2, 3 oder 4 im Steuerprogramm? Einige Kantonalbanken wollen ungeschoren aus dem Streit mit der US-Justiz davonkommen – und handeln entgegen einer Empfehlung der Finanzmarktaufsicht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Willkommen auf dem E-Bauernhof

Im Jahr 2050 gilt es, 9,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Somit muss bis dann die Nahrungsmittelproduktion weltweit um 70 Prozent erhöht werden.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Winzig: Die Hand des Babyschimpansen Quebo (geboren am 6. Oktober 2019) im Zoo Basel. (13. November 2019)
(Bild: Georgios Kefalas) Mehr...