Fipronil-Spuren in M-Budget-Eiern gefunden

Auch die Schweiz ist vom Insektizid-Skandal betroffen. Detailhändler ziehen Konsequenzen.

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Bei Eier-Lieferungen aus den Niederlanden in die Schweiz sind Rückstände des Insektizids Fipronil festgestellt worden, meldete das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) am Freitagabend. Migros hat in M-Budget-Eiern Spuren von Fipronil gefunden.

Bei weiterführenden Abklärungen stellte die Migros fest, «dass ein Teil ihrer importierten M-Budget-Eier mit Spuren des Insektizids Fipronil verunreinigt sind», heisst es in einer Mitteilung. Vorsorglich zieht der Detailhändler die betroffenen Eier mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum bis zum 26. August sofort aus dem Verkauf zurück.

Kundinnen und Kunden, die diese Eier gekauft haben, können diese in die Filialen zurückbringen. Der Verkaufspreis werde ihnen erstattet, verspricht die Migros. Alle M-Budget-Eier ab dem Mindesthaltbarkeitsdatum 27. August seien nicht betroffen.

Coop hat vorsorglich importierte Eier, die sie unter der Marke Prix-Garantie anbietet, für den Verkauf gesperrt. Doch: «Nach dem aktuellsten Kenntnisstand sind diese importierten Eier nicht betroffen», sagte Sprecher Ramón Gander auf Anfrage. Im Sortiment von Coop stammen nach eigenen Angaben knapp 95 Prozent der Eier zum Konsum aus der Schweiz.

Ausmass für die Schweiz noch unklar

In der Schweiz wurden laut BLV die Rückstände des Insektizids im Rahmen von Selbstkontrollen von Schweizer Eier-Importeuren gefunden. Das Ausmass klärt die Behörde mit den kantonalen Vollzugsorganen und den Importeuren ab.

Fest steht, dass Eier aus sieben niederländischen Betrieben auch in Verkaufsregale von hiesigen Detailhändlern gelangt seien, schreibt das BLV. Es empfiehlt, die betroffenen Eier aus dem Verkauf zurückzuziehen.

Bereits im Verlauf des Tages hatte der Detailhändler Aldi Schweiz vorsorglich alle Importeier aus dem Verkauf genommen. Die Massnahmen von Aldi erfolgten im Einklang mit dem deutschen Mutterkonzern. Dieser ist aber noch weiter gegangen: er nahm in Deutschland sämtliche Eier aus dem Verkauf. Dem Discounter dürfen künftig nur noch Importeier geliefert werden, für die ein negativer Fipronil-Nachweis vorliegt.

Aufgrund der bisher gefundenen Werte sei für Konsumentinnen und Konsumenten «nicht von einer Gesundheitsgefährdung auszugehen», heisst es beim BLV. Auch bei der Migros heisst es, es bestehe keine Gefahr für die Gesundheit.

Fipronil in der Schweiz seit 2014 verboten

Der Einsatz des Insektizids Fipronil ist in der Schweizer Landwirtschaft seit 2014 verboten. Es gebe keine Hinweise, dass das Insektizid in Schweizer Hühnerbetrieben eingesetzt worden sei.

Der Skandal mit den verseuchten Eiern hatte sich seit Anfang Woche von Belgien und den Niederlanden aus zunächst auf Deutschland ausgeweitet.

Zudem wurde am Freitagabend bekannt, dass belastete Eier auch nach Schweden geliefert worden sind. Die schwedische Lebensmittelaufsicht teilte mit, dass sie darüber von der EU-Kommission informiert worden sei, schreibt die Nachrichtenagentur dpa. Demnach hatte ein Grosshändler die Eier aus den Niederlanden importiert.

Fipronil wird unter anderem gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Milben eingesetzt. Dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge besteht durch den Verzehr belasteter Eier «keine konkrete» Gesundheitsgefährdung. Nach Angaben des deutschen Landwirtschaftsministeriums ist ein gesundheitliches Risiko für Kinder aber nicht völlig auszuschliessen.

Dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» zufolge rückte ein Chemikalienhändler aus dem belgischen Weelde ins Zentrum der Ermittlungen. Dieser soll um den Jahreswechsel in einer Fabrik in Rumänien grosse Mengen des Tiermedikaments Fiprocid geordert haben, das den gefährlichen Wirkstoff Fipronil enthält, berichtete das Magazin. Das Kontaktgift war offenbar einer Flüssigkeit namens «Dega 16» beigemischt, die der Säuberung von Geflügelställen dienen sollte.

Supermarktketten ziehen Konsequenzen aus Eier-Skandal. Video: Reuters (mch/afp/sda)

Erstellt: 04.08.2017, 09:30 Uhr

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