Fixer Preis pro Fahrt: Zürcher Taxizentrale kontert Uber

Uber macht Schweizer Taxiunternehmern Konkurrenz. Die Zürcher Zentrale 7x7 bietet jetzt fixe Fahrpreise für die Kunden – und überträgt das Risiko auf ihre Fahrer.

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Wer als Fahrgast im Taxi sitzt, hat eines meist fest im Blick: den Taxameter. Vielleicht hat man sich ja verschätzt, und die Fahrt kostet am Ende 10 Franken mehr als gedacht. Oder vielleicht hat sich der Taxifahrer verkalkuliert, den man vor der Abfahrt nach dem ungefähren Preis gefragt hatte. Unterwegs sind dann die Strassen verstopft, und die Ampeln schalten zuverlässig auf Rot – der Preis steigt und steigt.

Die Zürcher Taxizentrale 7x7 Fahrdienste AG möchte dieser Unsicherheit ein Ende bereiten – zumindest teilweise. Wer auf der Website des Unternehmens eine Fahrt bucht, sieht, wie viel sie kostet. Und kann sich darauf verlassen, nicht mehr bezahlen zu müssen. Bestellt man ein Taxi vom Zürcher Stauffacher nach Wallisellen zeigt die Homepage an, dass die Fahrt etwa 15 Minuten dauern und genau 53 Franken kosten wird. Dieser Preis wird sich auch nach drei roten Ampeln und einem Stau am Milchbucktunnel nicht erhöhen.

Der Dienst ist seit Mai verfügbar, 7x7 verzichtete bisher auf Werbung. «Trotzdem hatten wir vom ersten Tag an mehrere Buchungen solcher Fahrten», sagt André Küttel, Geschäftsführer von 7x7, «das stimmt positiv für die Zukunft.» Buchen kann man eine Fahrt mit Preisgarantie über die Website von 7x7 vom Computer oder via Browser auch vom Smartphone aus. Die Fahrt kann direkt per Kreditkarte bezahlt werden, muss aber 15 Minuten im Voraus gebucht werden. Bei Bestellungen per Telefon oder App gibt es das Angebot noch nicht. Laut Küttel arbeitet man daran, den Service auszuweiten.

Der Fahrer trägt das Risiko

Die Vorteile für den Kunden liegen auf der Hand, das Risiko trägt der Taxifahrer. Steckt er mit seinem Fahrgast im Stau, arbeitet er länger, bekommt aber trotzdem nur den garantierten Preis. Wie das bei den Fahrern ankommt, kann Küttel noch nicht sagen: «Im August werden wir beim Halter-Meeting Feedback einholen.» Vom Angebot könnten jedoch auch die Fahrer profitieren, indem generell mehr Fahrten gebucht würden. Zudem müsse der Fahrer keine Fehlfahrten befürchten sondern könne davon ausgehen, dass der Kunde vor Ort ist.

Um das Risiko durch Staus und andere Verzögerungen abzuschwächen, wird laut Küttel eine minime Wartezeit, zum Beispiel vor einem Rotlicht in den Preis mit eingerechnet. «Wir sind bemüht, uns dem Durschnittspreis des Taxameters anzunähern»; wie genau kalkuliert wird, möchte Küttel nicht im Detail erläutern.

Konkurrenzverbot im Arbeitsvertrag

Das Konzept erinnert an Uber: die amerikanische Firma Uber mischt derzeit den Zürcher Taximarkt auf. Der Uber-Kunde bestellt per App einen Fahrer für eine bestimmte Strecke. Er wird über den ungefähren Fahrpreis informiert, eine Preisgarantie gibt es allerdings nicht, denn die Zeit, die der Fahrer für die Strecke benötigt, schlägt sich über den Minutentarif im Preis nieder. Die registrierte Kreditkarte wird erst nach der Fahrt belastet. Die Preise sind bei Uber tiefer, auch weil die Fahrer im Moment von Uber subventioniert werden. André Küttel betont aber, dass es die Idee der Preisgarantie bei 7x7 schon länger gebe und nichts mit der Konkurrenz von Uber zu tun habe.

Zumindest spitzt sich der Konkurrenzkampf zu. Immer wieder werden Fahrgäste, die einen Uber-Fahrer bestellt hatten, von Fahrern in Autos mit dem 7x7 Logo abgeholt. Dabei dürften Fahrer, die für 7x7 arbeiten, eigentlich nicht auch für Uber fahren. «Die Taxifahrer sind selbstständige Unternehmer», sagt André Küttel, «aber wenn sie bei uns den Anschlussvertrag unterschrieben haben, dürfen sie sich keinen anderen Vermittlungszentralen anschliessen.» Rechtlich könne man also dagegen vorgehen. Man werde in solchen Fällen aber immer zuerst das Gespräch suchen und versuchen, dem Fahrer klar zu machen, dass er mit 7x7 besser dran sei. Einen konkreten Fall, bei dem sich ein Fahrer zwischen Uber und 7x7 hätte entscheiden müssen, habe es aber noch nicht gegeben.

Bei Uber hält man dieses Konkurrenzverbot für «völlig überflüssig». Rasoul Jalali von Uber sagt, mehrere Fahrer seien wegen der rechtlichen Situation unsicher gewesen. Laut Uber sind die Fahrer selbstständig und sollten frei entscheiden können, mit wem sie zusammenarbeiten.

Das Konkurrenzunternehmen Taxi 444 bietet keine Preisgarantie, nur einen Tarifrechner, mit dem man eine «unverbindliche Empfehlung erhält, die auf idealen Verkehrs- und Wetterbedingungen» basiert.

Erstellt: 30.07.2014, 17:29 Uhr

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