Frankreichs Wirtschaft entdeckt Russland

Nicolas Sarkozy ist zusammen mit 40 französischen Konzernchefs zu Besuch in Moskau. Frankreich will zu einem der grössten Handelspartner Russlands werden.

Neue Freundschaft: Dmitri Medwedew (links) und Nicolas Sarkozy letzten Monat in Paris.

Neue Freundschaft: Dmitri Medwedew (links) und Nicolas Sarkozy letzten Monat in Paris. Bild: Keystone

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Kurz vor Nicolas Sarkozys Besuch in Russland hat am Freitag der französische Lebensmittelkonzern Danone die Übernahme des russischen Milchkonzern Unimilk vereinbart. Im Beisein Sarkozys sollen am Wochenende in St. Petersburg rund 20 wichtige Wirtschaftsverträge unterzeichnet werden.

Danone und Unimilk führen ihre Geschäfte mit frischen Milchprodukten in Russland, der Ukraine, Weissrussland und in Kasachstan zusammen, wie beide Unternehmen mitteilten. Danone werde mit 57,5 Prozent die Mehrheit an dem Gemeinschaftskonzern halten. Danone-Unimilk erwirtschaftet demnach einen Umsatz von jährlich 1,5 Milliarden Euro.

Zu den Wirtschaftsverträgen, die bei Sarkozys Besuch unterzeichnet werden sollen, zählt eine Vereinbarung über einen Einstieg des französischen Gaskonzerns GDF-Suez bei der Gaspipeline Nord Stream in der Ostsee. Gasprom ist mit einem Anteil von 51 Prozent federführend bei der Pipeline. Beteiligt sind zudem - mit jeweils 20 Prozent - Eon Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall sowie mit neun Prozent die niederländische Gasunie.

Geschäft von rund einer Milliarde Euro

Der französische Energiekonzern EDF will wiederum in das andere grosse Gasprojekt in Russland einsteigen, den Bau der Gaspipeline South Stream durch das Schwarze Meer und Bulgarien nach Westeuropa. Bereits angekündigt war eine Zusammenarbeit des französischen Industriekonzerns Alstom mit dem russischen Zugbauer Transmashholding (TMH) zur Lieferung von 200 Lokomotiven für das russische und 200 weiteren für das kasachische Bahnnetz.

Der französische Präsidialamt geht von einem Volumen des Geschäfts von rund einer Milliarde Euro aus. Darüber hinaus stehen Verträge im Bereich Raumfahrt und Lebensmittel auf der Tagesordnung. In Paris wird darauf verwiesen, dass es Frankreich in den vergangenen Jahren gelungen sei, seine Marktposition in Russland bedeutend auszubauen. So sei Frankreich zum fünftwichtigsten Lieferanten aufgerückt, noch vor den USA und Italien. Deutschland ist für Russland aber nach wie vor der wichtigste Handelspartner.

«Russland ändert sich»

Sarkozy wird am Samstag in St. Petersburg erwartet; der französische Präsident wird von den Chefs 40 grosser französischer Unternehmen begleitet. In der vergangenen Woche war der russische Regierungschef Wladimir Putin in Paris zu Gast.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew rief die westlichen Partner am Freitag auf, in seinem Land verstärkt zu investieren. «Russland ändert sich», sagte er zur Eröffnung eines Wirtschaftsforums in St. Petersburg. Um die Modernisierung zu schaffen, brauche Russland aber «einen wirklichen Boom bei den Investitionen». Medwedew kündigte Erleichterungen für ausländische Handelspartner an, darunter den Verzicht ab 2011 auf eine Besteuerung von langfristigen Direktinvestitionen. (jak/afp)

Erstellt: 18.06.2010, 14:12 Uhr

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