Interview

«Frauen auf Managementebene sind nicht unser primäres Ziel»

Rolando Benedick, VR-Präsident des Kiosk-Betreibers Valora, zum Abgang seines CEOs Thomas Vollmoeller und über Kioskfrauen, die nun Unternehmerinnen werden sollen.

Rolando Benedick wird Interimschef der Valora: Der Verwaltungsratspräsident beim Mediengespräch.

Rolando Benedick wird Interimschef der Valora: Der Verwaltungsratspräsident beim Mediengespräch. Bild: Keystone

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Herr Benedick, was ist an dem Gerücht dran, dass Valora-Geschäftsleiter Thomas Vollmoeller nicht auf eigenen Wunsch geht, sondern auf Druck des Verwaltungsrats? Im Kader seien seine strategischen Entscheidungen umstritten und unter den Aktionären habe sich ein gewisser Unmut ob seiner Performance breitgemacht.
Das ist eine rein private Entscheidung von Herrn Vollmoeller. Einen speziellen Druck vom Verwaltungsrat gab es nicht. Nur den, dass man in der Schweiz offenbar rund um die Uhr im Einsatz sein muss, um die entsprechenden Resultate zu bringen (lacht). Bis Ende Juli wird Herr Vollmoeller von Hamburg aus für Valora weiterhin beratend zur Seite stehen.

Sie haben Herrn Vollmoeller stets die Stange gehalten. Führt diese Verbindung bald auch zu Ihrem Abgang, möglicherweise auf Druck aus dem Aktionariat?
Nein, ich denke nicht und ich habe keinen Grund dazu. Die Situation ist ruhig und die Mannschaft zusammengeschweisst.

Wie lange werden Sie Interimschef bleiben?
Ich bin 66 Jahre alt und kann das nicht die nächsten zehn Jahre machen. In drei bis vier Monaten hoffen wir einen Nachfolger gefunden haben.

Valora kündigte an, sich für Frauen auf Managementebene einzusetzen. Wäre das die Gelegenheit?
Das ist nicht das primäre Ziel, wir machen die Neubesetzung an der Qualifikation fest. Der Kandidat muss etwas vom Retailgeschäft und von börsenkotierten Unternehmen verstehen und idealerweise Deutsch sprechen. Es kann aber auch eine Frau sein.

Valora setzt offenbar nicht massenhaft Leute auf die Strasse. Laut Geschäftsbericht waren es 2011 um rund 650 weniger als im Jahr davor. Dennoch wird Ihnen zumindest ein schleichender Stellenabbau durch Auslagerungen vorgeworfen? Wird das fortgesetzt?
Ja, das Agentursystem verfolgen wir weiter. Der Stellenrückgang im Geschäftsbericht erklärt sich durch die Verlagerung der Mitarbeitenden in diese Agenturen. Rund 650 Stellenabgänge lassen sich durch die Umstellung auf das Agenturmodell erklären. Die Kioskleiter werden zu Unternehmern und führen ihren Kiosk in Eigenregie. Die Mitarbeiter der einzelnen Verkaufsstellen werden von der jeweiligen GmbH der zwischenzeitlich rund 180 Agenturen übernommen. Pro Kiosk bzw. GmbH sind es zirka drei bis sechs Mitarbeiter, das erklärt die Differenz beim Mitarbeiterstand im Geschäftsbericht. Wir haben derzeit in unserem Verkaufsnetz in der Schweiz nur einen Anteil von 15 bis 20 Prozent Agenturen. Die norwegische Reitan Gruppe, die ebenfalls im Detailhandel- und Kioskgeschäft aktiv ist, hat einen Anteil von 100 Prozent. In Deutschland und Luxemburg haben wir ebenfalls das Agenturmodell. Dass die Gewerkschaften über so ein System nicht glücklich sind, kann ich verstehen. Das kostet sie nämlich Mitglieder.

Es heisst, Valora brauche in Europa eine kritische Grösse, um im Markt langfristig bestehen zu können. Wie schreitet die Expansion in Deutschland und Österreich voran?
Wir haben 1300 Convenience Stores von Lekkerland in Deutschland übernommen. Das müssen wir jetzt erst einmal integrieren. Wenn aber an einzelnen deutschen Bahnhöfen einige Standorte zum Verkauf stehen, werden wir gerne zuschlagen. In Österreich haben wir derzeit zwölf Standorte. Dort müssen wir unser P&B-Konzept (Buchhandel, Zeitungen, Zeitschriften) erst implementieren. Vorerst werden wir in Österreich nicht weiter expandieren. Sollten die Renditen stimmen, dann bauen wir die Kooperation mit den Österreichischen Bundesbahnen aus.

Die Panini-Bilder sollten im Sportjahr 2012 ein Umsatzbringer werden. Discounter und Detailhändler machen Ihnen dieses Geschäft aber bereits streitig.
Wir erwarten uns davon drei bis vier Millionen zusätzliche Erträge für das operative Ergebnis. Derzeit sind wir mit den Verkäufen im Plan. In Österreich haben wir vor zwei Wochen mit dem Verkauf begonnen, in der Schweiz leider etwas zu früh, schon vor fünf Wochen. Aber ich bin sicher, dass wir die Planzahlen erreichen werden.

Wie soll das rückgängige Pressegeschäft kompensiert werden?
Zum Beispiel mit unseren neuen Logistikdienstleistungen, wie der Paketzustellung, das wir Ende 2011 in der Schweiz lanciert haben. Wir stellen beispielsweise Pakete von Optics Swiss oder Sunrise zu. So können wir die Kosten unter Kontrolle halten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.05.2012, 16:30 Uhr

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