Frauen verdienen 23,6 Prozent weniger als Männer

Die Lohndifferenz zwischen Mann und Frau hat im Jahr 2010 zwar leicht abgenommen, sie ist aber immer noch bedeutend. Dabei gilt: Je höher in der Hierarchiestufe, desto grösser sind die Unterschiede.

Je höher der Lohn, desto kleiner der Frauenanteil: Geschäftsfrauen und -männer unterhalten sich. (Archivbild)

Je höher der Lohn, desto kleiner der Frauenanteil: Geschäftsfrauen und -männer unterhalten sich. (Archivbild) Bild: Keystone

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Obwohl die Verfassung Lohngleichheit verlangt, haben Frauen 2010 bei Privatunternehmen knapp ein Viertel weniger verdient als die Männer. Die Löhne von Frauen und Männern bewegten sich in den Jahren davor nur in geringem Masse aufeinander zu.

Im Jahr 2010 betrug die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern in der Privatwirtschaft 23,6 Prozent, 2008 war es mit 25,0 Prozent etwas mehr. Dies geht aus den heute publizierten Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor. Die Lohndifferenzen nehmen laut BFS zu, je höher die Anforderungen an die Stelle oder die Kaderposition ist.

Die Einkommen variieren auch je nach Branche stark: Im Gastgewerbe beträgt die Differenz im Mittel 8,2 Prozent, im Detailhandel 20,9 Prozent, in der Textilindustrie 31,8 Prozent und im Kredit- und Versicherungssektor satte 38,8 Prozent. Bei der öffentlichen Hand hinken die Löhne für Frauen 14,7 Prozent hinter jenen der Männer her.

Diskriminierung etwa verringert

Die Unterschiede liessen sich teilweise durch strukturelle Faktoren erklären, schreibt das BFS. Gemeint sind etwa Differenzen bei den Dienstjahren, im Bildungsstand oder in der Funktion innerhalb des Unternehmens. Ein Teil der Lohnunterschiede lässt sich aber nicht an solchen Merkmalen festmachen – hier spricht das Statistikamt von Lohndiskriminierung.

Die Zahlen bestätigten hier immerhin einen positiven Trend, der Anfang des letzten Jahrzehnts eingesetzt hatte: Die vom BFS als Lohndiskriminierung georteten Unterschiede bei den Monatsgehältern gingen in der Privatwirtschaft von 2008 auf 2010 weiter zurück. Sie sanken um 68 Franken auf 677 Franken. Spitzenreiter sind auch hier die Versicherer mit Lohnungleichheiten von knapp 1400 Franken.

Weiter stellte das BFS fest, dass Frauen in Niedriglohnjobs viel stärker vertreten sind. Zwei von drei Jobs mit weniger als 3500 Franken Monatslohn sind mit Frauen besetzt. Je höher der Lohn, desto kleiner der Frauenanteil: Weniger als jede siebte Arbeitsstelle mit einem Lohn über 16'000 Franken pro Monat hat eine Frau inne. (rbi/sda)

Erstellt: 21.12.2012, 11:50 Uhr

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