Für HSBC-Tochter spitzt sich die Lage in Frankreich zu

Unerlaubte Akquisition von Kunden und Geldwäsche sind die Hauptvorwürfe gegen die Privatbank mit Sitz in Genf.

«Die Banken wussten, dass die Kunden mit ihrem Geld in die Schweiz kamen, um der Steuerbehörde zu entkommen»: Gegen die Privatbank HSBC läuft ein Verfahren. Foto: Andy Rain / Keystone

«Die Banken wussten, dass die Kunden mit ihrem Geld in die Schweiz kamen, um der Steuerbehörde zu entkommen»: Gegen die Privatbank HSBC läuft ein Verfahren. Foto: Andy Rain / Keystone

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Nach Belgien geht jetzt auch Frankreich gegen die HSBC Private Bank vor – die Schweizer HSBC-Tochter. Die Bank gab gestern bekannt, dass die fran­zösischen Behörden eine formelle Untersuchung gegen sie eingeleitet hätten. Sie bestätigte damit einen Bericht von «Le Monde». Die französische Zeitung schrieb, dass die Behörden wegen des Verdachts auf unerlaubte Akquisition von Kunden und Geldwäsche gegen die Bank vorgingen.

Der Fall geht zurück auf die Datensätze, die der ehemalige HSBC-Informatiker Hervé Falciani im Jahr 2008 gestohlen und dem französischen Geheimdienst übergeben hatte. Unter den Tausenden Bankkundendaten fanden sich nicht nur solche von mutmasslichen französischen Steuersündern, sondern auch von Bürgern anderer Staaten. Frankreich bediente in der Folge die Behörden verschiedener Staaten mit den Datensätzen ihrer Landsleute.

Gemäss «Le Monde» haben die Untersuchungsbehörden neue Hinweise darauf, dass Kundenberater oft die schweizerisch-französische Grenze überschritten hätten. Zweck sei gewesen, französischen Kunden Offshore-Konstrukte zu empfehlen, um die Steuerbehörden auszutricksen. Sie seien von ihren Vorgesetzten dazu angestiftet worden.

Bankkader wusste Bescheid

Die Zeitung, die Einblick in Unterlagen der laufenden Untersuchung hatte, gibt auch Zitate von Zeugen zum Besten. Ein ehemaliger Kadermann der Bank soll zu Protokoll gegeben haben: «Die Banken wussten, dass die Kunden mit ihrem Geld in die Schweiz kamen, um der Steuerbehörde zu entkommen.» Eine ehemalige Mitarbeiterin der HSBC Private Bank soll gesagt haben: «Unsere Hierarchie war genau auf dem Laufenden über alles, was sich ereignete.» Die französischen Behörden stützen sich offenbar auf über 80 Zeugen – HSBC-Kunden, aber auch Kundenberater.

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Jahre 2006 und 2007. Die mutmasslichen Steuersünder sollen über die HSBC mehr als 5 Milliarden Euro versteckt haben – vor allem über Strohfirmen in Panama und auf den britischen Jungfern-Inseln. HSBC ist von Frankreich aufgefordert worden, eine Kaution von 50 Millionen Euro zu hinterlegen. Man werde mit den französischen Behörden weiterhin so weit wie möglich zusammenarbeiten, liess die Bank verlauten.

Auch ein Verfahren gegen UBS

Frankreich geht auch gegen die UBS vor. Paris wirft der Grossbank nicht nur Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor, sondern hat ein Verfahren wegen Geldwäscherei eingeleitet. Die UBS musste, obwohl sie sich dagegen zur Wehr setzte, eine Kaution von 1,1 Milliarden Euro hinterlegen. Nach Meinung ihrer Vertreter ist sie Opfer ­eines «hochpolitisierten Prozesses», in dem rechtsstaatliche Prinzipien übergangen werden.

Ähnlich wie in Frankreich wird die HSBC Private Bank auch in Belgien beschuldigt, reichen Kunden mit Scheingesellschaften in Panama und den Jungfern-Inseln geholfen zu haben, Geld vor dem Fiskus zu verstecken. Der Schaden für den belgischen Staat wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.11.2014, 00:38 Uhr

Hervé Falciani, Ex-HSBC-Informatiker

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