Für den Ferrari die Pensionskasse geplündert

Zwei in Zürich lebende Italiener gründeten kurzerhand eine Pensionskasse – und veruntreuten Vorsorgegelder in Höhe von 6 Millionen Franken. Nun wurden sie vom Bezirksgericht Dietikon verurteilt.

Eine Schwäche für ausgefallene Autos: Mit den PK-Geldern finanzierten T. und B. einen Fuhrpark mit Luxusautos. Foto: iStock

Eine Schwäche für ausgefallene Autos: Mit den PK-Geldern finanzierten T. und B. einen Fuhrpark mit Luxusautos. Foto: iStock

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Die beiden im Kanton Zürich geborenen und lebenden Italiener R. T. und D. B.* hatten eine kleine Schwäche für ausgefallene Autos. Mit ehrlicher Arbeit hätten sie sich die vier Ferrari, die beiden teuren Geländewagen, den Porsche und den Bentley, die Luxusuhren sowie die Autorennsportkurse aber nie leisten können. Um schnell an viel Geld zu kommen, gründeten der Versicherungsberater und der Informatiker 2007 kurzerhand eine eigene Pensionskasse – nur um sie später zu plündern.

Dafür wurden die beiden gestern vom Bezirksgericht Dietikon unter anderem wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung, mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfachen Erschleichens einer falschen Beurkundung zu ­einer Freiheitsstrafe von je drei Jahren verurteilt. Gleichzeitig sind T. und B. verpflichtet, ihre illegalen Bezüge von knapp 6 Millionen Franken zurückzuzahlen. Ob ihnen das je gelingen wird, steht allerdings in den Sternen.

Kompliziertes Firmengeflecht

Auf dem Papier war die Geschäftsidee gar nicht schlecht. Die hohe Fluktuation in der Temporär- und Gastrobranche verursacht einen hohen Verwaltungsaufwand, weshalb viele grosse Versicherer diesen Markt meiden. Deshalb gelang es der im zürcherischen Weiningen domizilierten Fortius Pension Found bald, 4000 Versicherte von 80 Hotels und Restaurants zu gewinnen. Zuletzt waren der 45- und der 46-Jährige für ein Alters­gut­haben in der Höhe von 25 Millionen verantwortlich.

Um die illegale Entnahme von Geldern zu verschleiern, errichteten sie ein komplexes Geflecht von Firmen, die alle ihren Sitz im gleichen Gebäude wie Fortius hatten. Einerseits wurde die technische Verwaltung an die Tochterfirma Antares Business Consulting AG ausgelagert. Die wiederum stellte für die Registrierung der Ein- und Austritte sowie die Buchhaltung horrende Honorarforderungen. Gemäss einem Bericht zuhanden der Ostschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht war von den 4 Millionen Franken ein Viertel gerechtfertigt. Die Ostschweizer sind auch für Stiftungen im Tessin zuständig; die Fortius wurde 2007 im Kanton Tessin gegründet und hatte dort ihren Rechtssitz.

Andererseits investierten T. und B. 75 Prozent der Vorsorgegelder über die beiden Tochtergesellschaften Fortius Capital Management AG und Fortius Asset Management AG in spekulative Immobiliengeschäfte schweizweit, darunter auch in ein Basler Bordell. Gemäss Bundesgesetz sind aber Altersguthaben risikoverteilt in Aktien, Obligationen und Immobilien anzulegen. Aus Sicherheitsgründen ist nur eine Immobilienquote von 30 Prozent erlaubt, und ausser­dem dürfen Vorsorgeeinrichtungen aus Transparenzgründen keine Tochterfirmen halten. Vielleicht wäre die Rechnung der beiden, heimlich mit den Vorsorgegeldern zu spekulieren und einen Teil der Rendite für sich abzuschöpfen, angesichts des boomenden Immobilienmarkts aufgegangen.

Wortkarge Angeklagte

Letztes Jahr deckte Tagesanzeiger.ch/Newsnet auf, dass die Italiener seit März 2013 in Untersuchungshaft sassen. Frühere Recherchen über krumme Geschäfte in der Immobilienbranche veranlassten die Ostschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht bereits im Juni 2012, eine Untersuchung gegen die Fortius Pension Found einzuleiten. Darauf wurden die beiden Stiftungsräte von den Aufsichtsbehörden vorsorglich ihres Amtes enthoben, ein kommissarischer Verwalter wurde eingesetzt. Kurz darauf brachte T. 1,8 Millionen Franken nach Monaco in Sicherheit. Der Verwalter liess die Pensionskasse in Fortius Vorsorgestiftung umbenennen und reichte Klage ein. Wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr sassen T. und B. 270 Tage in Untersuchungshaft und mussten bis zum gestrigen Gerichtstermin ihre italienischen Pässe hinterlegen.

Auf die Frage des Richters nach dem Warum, antwortete T.: «Ich habe keine Absicht gehabt, mehr habe ich dazu nicht zu sagen.» Sein Geschäftspartner B. fasste sich ebenfalls knapp: «Kann ich so nicht erklären, es tut mir leid.» Die beiden sind heute arbeitslos und leben nach eigenen Angaben von der Unterstützung ihrer Eltern und Partnerinnen. Die Staatsanwaltschaft konnte das Geld auf der monegassischen Bank sicherstellen und mit der Verwertung der verbliebenen Autos stehen noch rund 2 Millionen Franken zur Rückzahlung an Fortius zur Verfügung. Die Untersuchungshaft wird an die Freiheitsstrafen angerechnet und der Rest bedingt aufgeschoben unter Ansetzung von drei respektive vier Jahren.

Bei der Urteilsbegründung sprach der Richter von einem «schweren Verschulden» und «planmässigen wie raffinierten Vorgehen». Die Fortius-Pen­sions­kasse habe einzig der Finanzierung eines luxuriösen Lebensstils gedient. Und: «Besonders schwer wiegt, dass es sich um eine Bereicherung mittels Vorsorgegelder handelt.»

*Namen der Redaktion bekannt

Erstellt: 10.07.2014, 22:57 Uhr

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