«Für einen Heiratswilligen ist dies eine sehr nüchterne Formulierung»

Droht die Fusion zwischen den Zementkonzernen Holcim und Lafarge zu scheitern? Die Schweizer wollen die finanziellen Bedingungen des Deals neu verhandeln.

Sie werden sich wieder an den Verhandlungstisch setzen: Holcim-Präsident Rolf Soiron (links) und Lafarge-Chef Bruno Lafont gaben vergangenen April die Fusion in Zürich bekannt.

Sie werden sich wieder an den Verhandlungstisch setzen: Holcim-Präsident Rolf Soiron (links) und Lafarge-Chef Bruno Lafont gaben vergangenen April die Fusion in Zürich bekannt. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Angekündigt wurde eine Fusion unter Gleichen. Knapp ein Jahr ist es her, als die beiden Zementkonzerne Holcim und Lafarge ihren Zusammenschluss verkündeten. Dabei hätten die Aktionäre der beiden Firmen zu gleichen Teilen am fusionierten Unternehmen beteiligt werden sollen. Der Fusionsvertrag sah vor, dass die Lafarge-Aktionäre pro eigenem Titel eine Aktie des neuen Konzerns erhalten werden.

In den vergangenen Wochen haben sich jedoch zahlreiche Holcim-Aktionäre gegen das Austauschverhältnis von 1:1 ausgesprochen, weil die Börse Holcim höher bewertet als Lafarge. Neben der Genfer Anlagestiftung Ethos, die über 200 Pensionskassen vertritt, und dem Fondsanbieter Swisscanto hat laut der «SonntagsZeitung» auch Thomas Schmidheiny als grösster Aktionär von Holcim eine Anpassung des Austauschverhältnisses gefordert. Zudem soll der Oligarch Filaret Galchev Druck gemacht haben.

Zusammen halten Schmidheiny und Galchev knapp 31 Prozent aller Holcim-Aktien. Damit die Fusion zustande kommt, müssen zwei Drittel aller Aktionäre dem Vorhaben zustimmen. Angesichts dieser Verhältnisse war die heutige Ankündigung Holcims zu erwarten. Der Zementkonzern will mit Lafarge nochmals über das Austauschverhältnis verhandeln.

Lafarge will nicht über künftiges Management diskutieren

Überraschend ist jedoch der Umstand, dass die Schweizer auch über «Fragen der Governance» reden wollen. Konkret stellt sich Holcim offenbar gegen Bruno Lafont, den designierten Chef des fusionierten Unternehmens, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Der Franzose Lafont ist seit 2006 Konzernchef von Lafarge. Das Unternehmen mit Sitz in Paris will allerdings von solchen Diskussionen nichts wissen. Man sei lediglich bereit, über das Austauschverhältnis zu verhandeln. Die Gespräche sollen bereits heute aufgenommen werden, wie Bloomberg berichtet.

Bemerkenswert ist auch der Ton, welchen Holcim in seinem Communiqué anschlägt. Der Verwaltungsrat sei zum Schluss gekommen, dass der Fusionsvertrag mit Lafarge in der vorliegenden Form nicht vollzogen werden könne. «Für einen Heiratswilligen ist dies eine sehr nüchterne Formulierung», sagt Martin Hüsler, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Lafarge dagegen schreibt, man sei dem Ziel einer Fusion weiterhin verpflichtet.

Nun stellt sich die Frage, auf welches Austauschverhältnis sich die beiden Firmen einigen können. Gemessen an den aktuellen Börsenkursen sei Holcim rund 14 Prozent höher bewertet als Lafarge, sagt Hüsler. Die Börsenkapitalisierungen entsprechen einem Austauschverhältnis von rund 53:47, womit die bisherigen Holcim-Aktionäre eine komfortable Mehrheit am fusionierten Unternehmen halten würden.

Holcim in besserer Form

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg liegen die beiden Unternehmen mit ihren Vorstellungen noch ein gutes Stück auseinander. Holcim fordere, dass die Lafarge-Aktionäre 0,875 Titel des fusionierten Unternehmens erhielten, Lafarge schwebe ein Austauschverhältnis von 0,93 Aktien vor.

Ob sich die beiden Zementkonzerne einigen können, ist offen. Die meisten Beobachter sind sich jedoch einig, dass Lafarge deutlich stärker unter Zugzwang ist als Holcim. Das Geschäft der Franzosen hat sich zuletzt weit weniger gut entwickelt als jenes der Schweizer. Zudem ist Lafarge in mehreren instabilen Ländern Afrikas und des Nahen Ostens weit stärker exponiert. Schliesslich ist Lafarge stärker verschuldet.

Dabei drängt die Zeit. Um die Auflagen der Kartellbehörden zu erfüllen, wollen die beiden Konzerne dem irischen Baumaterialhersteller CRH Zementwerke im Wert von 6,5 Milliarden Euro verkaufen. Bereits nächsten Donnerstag werden die Aktionäre von CRH an einer ausserordentlichen Generalversammlung über den Kauf abstimmen.

Die Fusion könnte nicht nur aufgrund des Austauschverhältnisses platzen. «Sollte sich Holcim bei der Diskussion um die Struktur des künftigen Managements allzu stur verhalten, könnte auch dies den Deal infrage stellen», sagt ZKB-Analyst Hüsler. Kommt die Heirat der beiden Firmen tatsächlich nicht zustande, so wird gemäss Fusionsverträg eine Gebühr von 350 Millionen Euro für jene Firma fällig, welche den Zusammenschluss scheitern lässt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2015, 18:04 Uhr

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