Geheimes Treffen, suspendierte Händler

Die UBS kämpft an vielen Fronten, derzeit speziell gegen den Verdacht, an Devisenspekulationen beteiligt gewesen zu sein. Die Bank handelt – deren Spitzen pilgerten jüngst nach Asien.

Auch hier soll ein Devisenhändler suspendiert worden sein: UBS-Sitz in New York.

Auch hier soll ein Devisenhändler suspendiert worden sein: UBS-Sitz in New York. Bild: Keystone

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Der UBS könnte die nächste Krise ins Haus stehen. Heute meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass der Schweizer Finanzmulti weitere Devisenhändler suspendiert habe. Mindestens vier Mitarbeiter in New York, Zürich und Singapur wurden gemäss der Agentur sanktioniert. Bereits letzten Herbst war ein hoher Kadermann in Zürich abgestraft worden.

Bei Bloomberg handelt es sich um jenes Medium, das letzten Frühsommer die Manipulationen bei den Fremdwährungen publik gemacht und damit weltweite Ermittlungen ausgelöst hatte. Eine Sprecherin der UBS Investmentbank in London wollte die Nachricht von heute mit den Weiterungen im Devisenfall nicht kommentieren.

Interner Bericht besprochen

Der Skandal um manipulierte Devisenkurse hält die oberste Führung der Bank auf Trab. In ihrem Geschäftsbericht, der vor zwei Wochen publiziert wurde, hielt die UBS fest, dass sie «unverzüglich eine interne Prüfung ihres Devisengeschäfts veranlasst» habe, nachdem die Vorwürfe publik geworden seien. Ihre internen Ermittlungen würden sich inzwischen «auch auf ihr Edelmetallgeschäft» beziehen.

Ein Insider berichtet von einem Meeting auf oberster Stufe, das kurz vor der Publikation des Rechenschaftsberichts stattgefunden habe und sich speziell um die interne UBS-Untersuchung rund um den Devisenfall gedreht habe. Demnach soll der Verwaltungsrat der Grossbank vor Monatsfrist in Asien zusammengekommen sein und einen internen Bericht zu den Vorkommnissen besprochen haben. Die UBS gibt auch dazu keinen Kommentar ab.

Grosse Nummer im Devisenhandel

Das Geheimmeeting in Fernost würde zur Entwicklung der letzten Wochen passen. Zuerst gab die UBS Mitte März die Ausweitung der eigenen Untersuchungen auf den Gold- und Silberhandel bekannt, dann kam es zu weiteren Disziplinarmassnahmen gegen Händler.

Die UBS zählt im Geschäft mit Fremdwährungen hinter der Deutschen Bank zu den grössten Marktteilnehmern. Die Schweizer Grossbank unterhält rund um den Globus grosse Devisenhandelskapazitäten und stellt ihre Plattform und Services sowohl vermögenden Privatkunden und grossen Firmenkunden als auch anderen Banken und spezialisierten Tradern zur Verfügung.

Grosse Volumina

Bei den Devisen handelt es sich mit einem täglichen Volumen von über fünf Billionen Dollar Umsatz um den grössten Markt der Welt. Lange waren die Regulatoren überzeugt, dass angesichts dieses Umfangs die Kurse der verschiedenen Währungen nicht von Banken respektive deren Händlern beeinflusst werden könnten.

Umso grösser war der Aufschrei, als klar wurde, dass ein Netzwerk von Devisenleuten aus verschiedenen Finanzhäusern und Brokern sich in virtuellen «Chat»-Räumen mit verräterischen Namen austauschten. Die Hinweise verdichteten sich, dass die Spezialisten vor allem den sogenannten London Fix seit Jahren manipuliert haben könnten. Täglich werden im Londoner Devisenhandel zu bestimmten Zeiten Währungskurse bestimmt, die dann weltweit für Kundengeschäfte gelten. Mit geschicktem Frontrunning und Eigenhandel kann ein Händler sichere Gewinne einfahren, falls es gelingt, den Kurs eines Währungspaars für kurze Zeit in die gewünschte Richtung zu treiben.

«Zero tolerance»

Die vermuteten Devisenbetrügereien haben gemäss dem Chef der englischen Aufsichtsbehörde das Potenzial, so gross wie der Liborfall zu werden. Bei den Zinsmanipulationen musste die UBS Ende 2012 eine Rekordbusse bezahlen. Für UBS-CEO Sergio Ermotti und den Präsidenten der Bank, Axel Weber, war der Liborfall persönlich kein Problem. Beide Topmanager konnten sich vom Fall distanzieren, da die Betrügereien in die Zeit ihrer Vorgänger fielen.

Beim Devisenskandal liegt die Sache anders. Die Manipulationen reichen bis fast in die Gegenwart und flogen nur dank den Berichten von Bloomberg auf. Entsprechend nervös soll Konzernchef Ermotti und sein engstes Umfeld rund um die Devisenaufarbeitung reagieren, sagt eine Quelle mit Bezug auf den UBS-Devisenhandel. Seit Monaten würde den Tradern die Devise «Zero tolerance» wiederholt, fehlbare Angestellte müssten mit harten Massnahmen rechnen. «Zero tolerance» laute das Schlagwort, mit dem Ermotti die Verantwortlichen unter Leitung des Griechen George Athanasopoulos zu absolut korrektem Verhalten anhalten wolle.

Erstellt: 27.03.2014, 14:14 Uhr

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