Gift im Schuh und im Trikot

Greenpeace wirft den Sportartikelherstellern Adidas, Nike und Puma vor, Sportartikel auf den Markt zu bringen, die mit gesundheitsgefährdenden Chemikalien versetzt sind.

Greenpeace schlägt kurz vor der Fussball-WM Alarm. Im Bild ein Testspiel in Curitiba in Brasilien. Foto: Getty Images

Greenpeace schlägt kurz vor der Fussball-WM Alarm. Im Bild ein Testspiel in Curitiba in Brasilien. Foto: Getty Images

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Die Fussballweltmeisterschaft steht vor der Türe. Adidas, Nike und Puma fluten die Läden mit ihren Produkten – neue Schuhe, neue Trikots, neue Bälle. Mit ­ihnen wollen die Sportartikelhersteller während der WM Milliarden verdienen.

Diese eigens für die WM fabrizierten Produkte hat die Umweltschutzorga­nisation Green­peace nun genauer an­geschaut und in einem Labor an der eng­lischen Universität Exeter auf giftige Chemikalien getestet. Die 33 geprüften Fussballschuhe, Trikots, Bälle und Torhüterhandschuhe kaufte Greenpeace in 16 Ländern ein — darunter auch in der Schweiz. Eine Vielzahl dieser Produkte wies laut der Umweltorganisation «hohe» Werte auf.

So auch der Predator-Fussballschuh von Adidas, hergestellt in Indonesien, gekauft im Warenhaus Jelmoli in Zürich. Der Predator enthielt mit 14,5 Mikrogramm pro Quadratmeter Perfluor­oktansäure (PFOA) rund das 14-fache des firmeneigenen Grenzwerts von ­Adidas. Geprüft wurden Sohle und Oberfläche des Schuhs. Die Substanz PFOA ist eine synthetische Säure und kann das Immunsystem stören sowie die ­Geschlechtsorgane angreifen.

Neben dem Predator-Schuh fielen zwölf weitere von insgesamt 21 getesteten Fussballschuhen mit einem hohen PFOA-Wert auf. Darunter war auch der Nike-Kinderfussballschuh Mercurial Victory, welcher bei Ochsner Sport an der Zürcher Bahnhofstrasse gekauft wurde.

Nur schwer abbaubar

Muss der Fussball spielende Konsument also nun um seine Gesundheit fürchten? Nein, sagt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). PFOA sei für den Menschen vor allem in Lebensmitteln gefährlich, bei Textilien habe der Fussballspieler nichts zu befürchten. In die ­gleiche Richtung zielt der Kommentar des Bundesamts für Umwelt (Bafu): Der von Greenpeace zur Orientierung angeführte EU-Grenzwert von 1 Mikrogramm pro Quadratmeter sage nicht aus, ob die Substanz zum Risiko wird. Denn Grenzwertfestlegungen sagen im Chemikalienrecht in der Regel lediglich aus, ab wann ein Stoff in einem Material als vor­handen gilt.

Greenpeace stellt dies nicht in Abrede: Miriam Kopp, Chemie-Expertin der Umweltorganisation, sagt, man wollte mit der Studie aufzeigen, «dass die grossen Sportartikelhersteller noch immer mit gefährlichen Substanzen arbeiten – trotz Ermahnungen». Dies habe zwar keine direkten Auswirkungen auf den Konsumenten, sehr wohl aber bei der Produktion, die vorwiegend in Asien stattfinde: «Einerseits müssen die Angestellten mit den giftigen Substanzen arbeiten, anderseits wandern die Giftstoffe oftmals ungefiltert ins Abwasser und schaden der Umwelt», sagt Kopp. Die Substanzen seien langlebig und würden sich in der Umwelt nur schwer abbauen.

Neben PFOA wurden in den Schuhen, Trikots und Handschuhen auch Phtalate gefunden. Das lasse darauf schliessen, so die Studie, dass Weichmacher verwendet wurden – was wiederum im ­Widerspruch zu den firmeninternen Richtlinien von Nike und Adidas stehe.

Marketing von Greenpeace

Nike wollte gegenüber dem TA keine Auskunft geben. Adidas stellte klar, dass der Konsument durch die Produkte in keiner Weise gefährdet sei und alle ­gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden. So sei beispielsweise der Adidas-interne PFOA-Richtwert vom Unternehmen bewusst ambitiös gesetzt worden, sagt Sprecherin Katja Schreiber. Dass er überschritten wurde, habe mit den bereits «verunreinigten» Produkten der Zu­lieferer zu tun. Es sei zudem festzuhalten, so Schreiber, dass die festgestellte Konzentration «sehr gering» sei.

Auf die Testresultate angesprochen, ­gehen Brancheninsider davon aus, dass Greenpeace — analog zu den Sportartikelherstellern — von der WM profitieren will. Die Testresultate gehören zur Detox-Kampagne, die Greenpeace seit 2011 führt. Die Umweltorganisation fordert von den Unternehmen umwelt­schonende Produktionsbedingungen. 20 internationale Firmen wie Zara, Mango, aber auch Coop haben sich verpflichtet, ihre Produktion umzustellen. Zu ihnen zählen auch Nike, Puma und Adidas. Die Firmen sollen bis 2020 auf die Chemikalien verzichten. Doch die Sportartikelriesen hätten gemäss Greenpeace bisher nur leere Versprechen abgegeben. Noch immer warte man beispielsweise bei Adidas auf transparente Abwasserdaten sowie eine Zusicherung, ab wann man auf die giftigen Produktionsstoffe verzichten werde. Bei Adidas heisst es hierzu: «Wir arbeiten mit Materiallieferanten und der chemischen Industrie zusammen, um die Freisetzung gefährlicher Chemikalien weitestgehend zu eliminieren und zu reduzieren.»

Bisher hat europaweit nur Norwegen reagiert: Ab Juni dürfen im skandina­vischen Land keine Textilien mehr verkauft werden, die mehr als ein Mikrogramm PFOA enthalten.

Erstellt: 18.05.2014, 23:37 Uhr

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Brazuca-Fussball von Adidas.

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