Glaube an gerechtes Lohnsystem schwindet

Nach dem Ja zur Abzockerinitiative zeigen sich die Schweizer ernüchtert. Laut einer Studie glauben noch 42 Prozent daran, dass sich bei den hohen Managerlöhnen etwas tut.

Über 1005 Personen haben sich an der Studie beteiligt: Ein Manager auf dem Zürcher Paradeplatz.

Über 1005 Personen haben sich an der Studie beteiligt: Ein Manager auf dem Zürcher Paradeplatz. Bild: Keystone

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Managerlöhne sorgen ungebrochen für Zündstoff, doch in der Bevölkerung macht sich Ernüchterung breit. Laut einer Umfrage wird nach Annahme der Abzocker-Initiative deren Umsetzung kritisiert, insbesondere die Rolle der Verwaltungsräte.

Nur noch 42 Prozent glauben, dass die Lohnsysteme nach Annahme der Initiative von Thomas Minder gerechter werden, wie die heute Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Beratungsunternehmens hkp bei 1005 Personen zeigt. Vergangenes Jahr, wenige Monate nach der Abstimmung, waren es noch 50 Prozent gewesen.

Die Initiative habe ein Ventil geöffnet, es mehrten sich aber Zweifel, ob sie tatsächlich etwas bringe, sagte Stephan Hostettler, Managing Partner von hkp, an einer Medienkonferenz in Zürich.

Zwar müssten die Effekte noch abgewartet werden und es werde interessant sein, welche Vergütungen den Generalversammlungen künftig beantragt werden. Doch mit der Minder-Initiative seien entgegen gewisser Annahmen ausserordentlich hohe Löhne nicht verboten, sondern die Prozesse zur Festlegung neu geregelt worden.

Vertrauen fehlt

«Die Verwaltungsräte haben ein Vertrauensproblem», stellte Hostettler fest. Denn 60 Prozent der Befragten erklärten, dass die Aufsichtsgremien ihre Verantwortung bei den Topsalären zu wenig wahrnehmen würden.

Den Verwaltungsräten werden zu hohes Eigeninteresse, fehlende Motivation und mangelnde Unabhängigkeit vorgeworfen. Zudem sind überrissene Boni für die Mehrheit (62 Prozent) ein Systemproblem und nicht bloss Einzelfälle.

Abhaken sollten die Unternehmen das emotionale Thema also nicht: 54 Prozent erklärten, die Frage der Managersaläre beschäftige sie weiterhin. Dieser Wert ist seit der ersten Durchführung der Studie vor fünf Jahren ziemlich konstant.

Maximalsumme statt Verhältnis

Praktisch unverändert hoch ist auch die Zustimmung zu einer Lohnobergrenze. 70 Prozent sind für eine Limite. Es herrscht aber keine Einigkeit, wie und wo eine Lohnobergrenze definiert werden soll.

Bei den absoluten Beträgen reichen die Summen von 10'000 bis 20 Millionen Franken. Am meisten wurde eine Obergrenze von 1 Millionen Fr. genannt, häufig sind auch 200'000 Franken, 500'000 Franken und 2 Millionen.

Ziemlich unpopulär sei der Ansatz, eine maximale Lohnspanne festzulegen, wie dies die abgelehnte 1:12-Initiative der Jungsozialisten wollte: Nur 3 Prozent finden es die beste Lösung, wenn der höchste Lohn auf eine fixe Relation zum tiefsten Lohn begrenzt würde.

Staatseingriff weniger populär

Die Resultate der Umfrage sind laut hkp ein Aufruf an die Verwaltungsräte. Denn der Wunsch nach staatlichen Regelungen habe laufend abgenommen. Inzwischen sprechen sich noch 42 Prozent dafür aus, 2010 waren es noch 64 Prozent gewesen.

Auch stützen 78 Prozent grundsätzlich die Annahme, leistungsabhängige Löhne spornten zu besonderem Einsatz an. Und für 57 Prozent sind Firmen mit Boni auf dem Arbeitsmarkt attraktiver und können bessere Mitarbeitende binden.

Die Kriterien und die Entscheidprozesse für die Vergütungen müssten aber erläutert und transparent gemacht werden, sagte Hostettler. Schliesslich meinen 50 Prozent, dass Arbeitgeber die Leistung der Mitarbeitenden zuverlässig messen können. 41 Prozent sehen das umgekehrt. (wid/sda)

Erstellt: 27.08.2014, 17:00 Uhr

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