Hintergrund

Glencore-Chef erhält 109 Millionen Dollar steuerfrei

Dem Staat entgehen beim Rohstoffkonzern insgesamt Hunderte Millionen Franken an Steuergeldern. Möglich macht dies eine Steuerpraxis, die auch von vielen anderen Firmen angewendet wird.

Erhält eine Dividenden-Tranche von 109 Millionen Dollar: Glencore-Konzernchef Ivan Glasenberg.

Erhält eine Dividenden-Tranche von 109 Millionen Dollar: Glencore-Konzernchef Ivan Glasenberg. Bild: Keystone

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Glencore nutzt die Vorteile der Anfang 2011 eingeführten Unternehmenssteuerreform II, wonach aus Kapitalreserven bezahlte Dividenden für in der Schweiz ansässige Personen steuerfrei sind. Glencores zweite Tranche Dividenden für 2011 in der Höhe von 692 Millionen Dollar wird in der Schweiz also keine Steuern abwerfen. Von dieser Summe stehen Konzernchef Ivan Glasenberg, der 15,8 Prozent am Rohstoffhändler mit Sitz in Baar ZG hält, 109 Millionen Dollar zu (rund 99 Millionen Franken).

Davon werden Glasenbergs Heimatgemeinde Rüschlikon, der Kanton Zürich und der Bund nichts sehen. Seine Glencore-Beteiligung ist über 7 Milliarden Dollar wert. Neben Glasenberg werden weitere, ebenfalls in der Schweiz wohnhafte Manager und Grossaktionäre von Glencore je 8 bis 15 Millionen Dollar als zweite Dividenden-Tranche steuerfrei kassieren. Profitieren werden auch Schweizer Kleinaktionäre. Der Steuerverlust wäre noch grösser, wenn Glencore die Steuerreform II auch für die erste, im September ausgezahlte Dividenden-Tranche von 346 Millionen Franken genutzt hätte. Der Rohstoffkonzern ist in bester Gesellschaft: Auch ABB, Holcim, Georg Fischer, Oerlikon und Hunderte andere Firmen mit Sitz in der Schweiz nutzen die neuen Regeln für steuerfreie Dividenden.

264 Millionen Steuergutschrift

Durchgedrückt hatte die Steuersparregeln Bundesrat Hans-Rudolf Merz, trotz Warnungen vor Ausfällen. Die Angaben über Steuerverluste sind widersprüchlich. Allein für 2011 betrage der Einnahmeausfall bei der Verrechnungssteuer 1,2 Milliarden Franken, steht in der Antwort des Bundesrats auf eine SP-Anfrage im Nationalrat. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf dagegen sprach gestern bloss von 200 bis 300 Millionen Franken Mindereinnahmen für das Jahr 2011.

Das Hilfswerk Swissaid ärgert, dass Glencore trotz 4 Milliarden Dollar Gewinn 2011 eine Steuergutschrift von 264 Millionen Dollar erhält – dank einer Reorganisation vor dem Börsengang von letztem Frühling. 2010 hatte Glencore 234 Millionen Dollar Steuern bezahlt – eine halbe Milliarde Dollar Differenz zulasten des Steueraufkommens.

Erstellt: 05.03.2012, 22:33 Uhr

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