Globus wird ins Ausland verkauft

Der Deal ist perfekt: Jetzt ist klar, wer die Warenhausgruppe übernehmen wird.

Wird zum Luxuswarenhaus: Globus an der Zürcher Bahnhofstrasse. Foto: Marc Dahinden

Wird zum Luxuswarenhaus: Globus an der Zürcher Bahnhofstrasse. Foto: Marc Dahinden

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Derzeit wird noch am Mediencommuniqué gefeilt, doch der Entscheid der Migros ist diese Woche gefallen und sickert nun langsam durch: Der orange Riese hat einen Käufer für die Warenhauskette Globus gefunden. Es ist, wie schon länger vermutet, die Signa-Gruppe des österreichischen Investors René Benko. Sie wird Globus zusammen mit ihrem Partner, der thailändischen Central Group, übernehmen – zu je 50 Prozent. Dieses Verhältnis gilt offenbar sowohl für das Retailgeschäft als auch für den Immobilienteil, der sieben Liegenschaften – darunter die an der Zürcher Bahnhofstrasse – beinhaltet. Der Immobilienteil ist es auch, der den grössten Teil des Kaufpreises ausmacht. Er wird auf rund eine Milliarde Franken veranschlagt. Das eigentliche Warenhausgeschäft ist laut Insidern nicht mehr viel wert.

Umso erstaunlicher ist, dass im Zuge des Deals laut Recherchen auch Globus-Chef Thomas Herbert noch einen Millionenbetrag erhalten soll. Er hält einen Anteil von 2,7 Prozent am Globus-Retailgeschäft, und nun sah sich die Migros dazu genötigt, den Manager auszubezahlen.

Dabei ist Globus alles andere als in einem guten Zustand. Der Umsatz schrumpfte 2019 auf 763 Millionen Franken (–5,6 Prozent), das Ergebnis soll im Umfang eines zweistelligen Millionenbetrags rot sein. Die Gruppe steckt weiterhin in einer Restrukturierung, erst gerade wurde die Schliessung von zwei weiteren Filialen in Bern bekannt gegeben, mehr als ein Dutzend weitere sollen auf der Schliessungsliste des aktuellen Managements stehen. Die Aufwertung der ehemaligen Schild-Filialen ins höhere Segment unter dem Namen Globus, die von McKinsey definiert wurde, funktioniert ganz offensichtlich nicht. Auch das Onlinegeschäft läuft nicht, wie es sollte.

Thomas Herbert brachte sich, schon kurz nachdem die Migros angekündigt hatte, Globus zu verkaufen, als möglicher Käufer ins Spiel. Doch sein Plan, das Unternehmen zusammen mit dem Management und privaten Investoren zu kaufen, scheiterte. Er soll bereits seit einiger Zeit aus dem Bieterrennen sein. Ob er unter dem Dach der neuen Gruppe noch CEO sein wird, ist unklar. Offen ist auch, welche Rolle Franco Savastano, der ehemalige Jelmoli-Chef, der vor kurzem zu Globus wechselte, haben wird.

Neue Eigentümer müssen viel investieren

Es wird nun Aufgabe der neuen Besitzer sein, den Ab- und Umbau weiter voranzutreiben. Die Migros allein hätte das kaum geschafft, und es hätte ihr noch einmal gewaltige Investitionen abverlangt – Ausgang ungewiss. Nun bleibt die unangenehme Aufgabe der Restrukturierung an den neuen Besitzern hängen. Klar ist: Um ihre Vision der führenden europäischen Warenhausgruppe zu verwirklichen und die Schweiz zu einem erfolgreichen Teil ihres Portfolios zu machen, müssen die neuen Eigentümer ziemlich viel Geld in die Hand nehmen.

Die Restrukturierung und der Umbau der insgesamt 48 Globus-Warenhäuser und -Filialen dürften weitere Beträge in dreistelliger Millionenhöhe verschlingen. Die Warenhäuser in den grossen Städten wie Zürich, Basel und St. Gallen werden dann wohl in eigentliche Luxuswarenhäuser nach dem Vorbild der Deutschen KaDeWe-Gruppe oder in eine Mischform zwischen KaDeWe und La Rinascente umgewandelt werden.

Zukunft der mittelgrossen Standorte unklar

Die italienische Warenhauskette La Rinascente gehört zur Central Group. An KaDeWe mit Standorten in Berlin, Hamburg oder München hält Signa 49,9 Prozent, Central Group 50,1 Prozent. Bei Globus sind die Aktienverhältnisse dem Vernehmen nach gleichwertig. Ausserdem gehört die deutsche Warenhausgruppe Galeria Karstadt Kaufhof zu Signa. Es ist zu vermuten, dass das Schweizer Geschäft unter die Aufsicht von Vittorio Radice kommen wird, dem Europa-Chef der Central Group.

Gespannt darf man auch sein, welche Rolle Dieter Berninghaus, der frühere Handelschef der Migros, der bei Signa das Executive Board präsidiert und das Unternehmen mit René Benko zusammen führt, haben wird. Unter Ex-Migros-Mann Berninghaus wurde 2013 auch das Modehaus Schild akquiriert. Später ging die Marke auf Geheiss von McKinsey in Globus auf.

Was nun mit den Globus-Standorten in mittelgrossen Orten wie Baden, Aarau oder Schaffhausen passieren wird, ist nicht klar. Die Central Group und Signa dürften wohl nochmals jeden Standort genau prüfen, bevor sie über die Zukunft des Filialnetzes entscheiden.

Exklusive Marken dürften ins Angebot kommen

Durch den Verkauf kommt Globus jedenfalls in ein Umfeld, das weit weg von der Migros-Kultur ist und das über beträchtliche finanzielle Potenz und Know-how im Warenhausgeschäft verfügt. Globus wird durch die Einbindung in die Gruppe Zugang zu Luxusmarken haben, die für das Schweizer Unternehmen bis dato nicht erreichbar waren. Denn im obersten Segment des Warenhausgeschäftes diktieren die grossen Marken, wo und wie sie verkaufen wollen. Kumuliert setzen Signa und Central Group rund 18 Milliarden Schweizer Franken um. Der Retail-Arm der thailändischen Central Group steht gerade vor dem Börsengang.



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Erstellt: 01.02.2020, 22:00 Uhr

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