Google überwacht jetzt auch das Schlafzimmer

Erst Autos, dann Drohnen und jetzt Überwachungskameras: Der Internetkonzern Google verkündet seinen nächsten Coup. Wie handhabt er den Schutz der Privatsphäre?

Entdeckt sie etwas Auffälliges, wird der Hausbesitzer informiert: eine Überwachungskamera von Dropcam.

Entdeckt sie etwas Auffälliges, wird der Hausbesitzer informiert: eine Überwachungskamera von Dropcam. Bild: www.businessinsider.com.au

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Es sei keine schwierige Entscheidung gewesen, schreibt Matt Rogers in einem Blogeintrag über den neusten Coup von Google – aber eine wichtige. Die Google-Tochter Nest, die Rogers mitbegründet hat, übernimmt die Firma Dropcam. Das Unternehmen bietet vernetzte Kameras und Sensoren zur Überwachung von Wohnungen an. Oder wie es Matt Rogers ausdrückt: «Dropcam lets you check in on your home, no matter where you are in the world.»

Wie das Wall Street Journal berichtet, können die Videoüberwachungssysteme von Dropcam Bilder per Internet auf Apps übertragen. Entdecken die Kameras etwas Auffälliges, werden die Kunden informiert. Meist dienen die Kameras als Sicherheitssysteme.

Der Deal ist gemäss dem Technik-Blog Re/code 555 Millionen Dollar wert, umgerechnet rund 500 Millionen Franken. Dropcam habe bisher nie Verkaufszahlen kommuniziert, doch die Kameras gehören laut dem Blog zu den am meisten verkauften Überwachungskameras bei Amazon. Das neuste Modell von Dropcam kostet 199 Dollar, eine etwas günstigere Variante ist für 149 Dollar erhältlich.

Wo bleibt der Datenschutz?

Der Internetriese Google, der wegen seiner aggressiven Marketingstrategien immer wieder in der Kritik steht, muss sich mit dem Einstieg in das Überwachungskamera-Business die Frage nach dem Schutz der Privatsphäre gefallen lassen. Nest-Mitbegründer Matt Rogers beschwichtigt in seinem Blog: Dropcam werde die Datenschutzbestimmungen von Nest übernehmen, was bedeute, dass keine Kundendaten ohne Einwilligung weitergegeben würden – auch nicht an Google. Werbung gehöre nicht zum Geschäftsmodell von Nest, und das gelte auch für Dropcam.

Das Unternehmen Nest Labs wurde von den früheren Apple-Designern Matt Rogers und Tony Fadell gegründet und Anfang Jahr von Google für 3,2 Milliarden Dollar aufgekauft. Die Firma stellt intelligente Thermostate sowie Rauchmelder her.

Mit dem Dropcam-Deal dringt Google bereits zum vierten Mal innerhalb von kurzer Zeit in ein neues Geschäftsfeld vor: Mitte April wurde bekannt, dass Google den Drohnen-Hersteller Titan Aerospace kauft, Ende Mai stellte das Unternehmen seinen ersten eigenen Prototyp eines selbstlenkenden Autos vor und Mitte Juni kommunizierte es die Übernahme der Satellitenfirma Skybox Imaging. (thu)

Erstellt: 21.06.2014, 16:25 Uhr

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