Greenpeace soll nicht spekulieren

Wo die Risikobereitschaft der Umweltorganisation aufhören müsste.

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Die Umweltaktivisten von Greenpeace scheuen das ­­Risiko nicht. Viele ihrer Aktionen beweisen Mut, oft zeigen sie auf spektakuläre Weise, wo etwas schief­läuft. Dafür wird die Organisation weit über den Kreis ihrer Anhänger hinaus bewundert. Und es fliesst ihr Spendengeld zu – zeitweilig offenbar mehr, als für die Aktionen benötigt werden. Das Geld muss folglich ­angelegt werden.

Hier freilich müsste die Risikobereitschaft ­aufhören. Es ist nicht einzusehen, weshalb ein ­Mitarbeiter der Finanzabteilung Termingeschäfte mit Devisen tätigt und dabei einen Millionenverlust ­verursacht, wie das offenbar in der internationalen Zentrale in Amsterdam geschah. Selbst wenn seine Spekulation auf einen sinkenden Eurokurs gut ­gegangen wäre und er das Vermögen von Greenpeace vermehrt hätte: Das Image der Krisengewinnlerin stände dieser Organisation nicht besser an.

Altes Denken

Wer Greenpeace spendet, erwartet nicht, dass sich sein Geld vermehrt, sondern einzig, dass es im Sinn der Ziele dieser Organisation ausgegeben wird. Kommt mehr herein, als für geplante Kampagnen ­ausgegeben werden soll, soll das Geld wertbeständig angelegt werden. Gäbe es eine Inflation, könnte das ­schwierig sein – in der aktuellen Situation gehört es zu den weniger anspruchsvollen Aufgaben.

Warum nicht auch aus der Aktion dieses Greenpeace-Finanzaktivisten etwas lernen? Gemeinnützige oder der Zukunft des Planeten verpflichtete Organisationen haben auf den spekulativen Finanzmärkten nichts verloren. Hier dürften die Anlagerichtlinien ­ruhig noch etwas strenger sein. Selbst die Zewo, in der Schweiz Gütesiegel für vernünftigen Umgang mit Spendengeldern, spricht in ihren Anlagerichtlinien von 2009 vom Ziel einer maximalen Gesamtrendite.

Solche Vorgaben beruhen auf dem alten Denken, wonach sich gute Taten aus den Erträgen eines ­Stiftervermögens finanzieren müssen. Das muss in ­einer Zeit der bescheideneren Kapitalrenditen nicht sein. Lieber ein Stiftungsvermögen, das sich durch die Finanzierung guter Taten vermindert als durch Fehlspekulationen auf den Finanzmärkten.

Erstellt: 16.06.2014, 23:52 Uhr

Res Strehle, Chefredaktor, über den Millionenverlust bei der Umweltorganisation.

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