Hintergrund

«Griechenland gehört zu den Top-Destinationen»

Der Run auf den Inselurlaub ist in der Schweiz trotz der drohenden Staatspleite ungebrochen. Rund eine halbe Million Schweizer pro Jahr macht Ferien in Griechenland. Noch.

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So mancher Griechenland-Tourist stellt sich unter Ferien etwas anderes vor. Strassendemos, Rauchschwaden, eingeschlagene Fensterscheiben und Wasserwerfer gehören gemeinhin nicht zur erholsamen Freizeitgestaltung. Die Griechen gehen auf die Strasse, weil diese von der Regierung zum Sparen gezwungen werden. Und die Schweizer bleiben zu Hause, weil sie den Zirkus in ihrer Freizeit lieber nicht mitmachen?

Mitnichten. Die Darstellungen wutentbrannter Demonstranten beschränken sich nur aufs Festland. Und die Buchungen für das beliebte Inselhüpfen gehen gut: «Wir sehen keine Änderung bei den Buchungen», sagt der Geschäftsführer von Kefalos Reisen, George Avgoustatos, im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Annullierungen haben wir bis jetzt keine. Obwohl wir damit gerechnet haben.» Auch von Anikas Reisen in Luzern heisst es: «Wir merken von den Aufständen momentan nicht viel. Festland wird weniger gebucht, aber bei Inseln ist die Buchungslage unverändert.»

Die Reiseveranstalter sind bemüht, keine schlechte Stimmung aufkommen zu lassen. Kuoni-Sprecher Peter Brun: «Griechenland läuft bei uns sehr gut.» Aus einem simplen Grund: «Die wirtschaftliche Situation hat mit dem Tourismus kaum etwas zu tun. Die Schweizer Touristen können das auseinanderhalten. Mehr als 90 Prozent der Schweizer Griechenland-Touristen gehen auf die Inseln. Und das sind meist Direktflüge aus der Schweiz. Die Ausschreitungen in Griechenland haben sich nur auf einzelne Plätze in Athen konzentriert.» Ähnlich sieht das TUI-Sprecher Roland Schmid: «Griechenland gehört zu den Top-Destinationen. Weil die Gäste deutlich unterscheiden können zwischen Staatsverschuldung und privatem Urlaub. Die Berichte, die man sieht und hört, stammen aus den Städten und nicht aus den Urlaubsorten.»

Griechenland statt Ägypten

Hakt man nach, zeigt sich ein differenzierteres Bild. Die Mitarbeiter von Argo Reisen etwa sind sich der schwierigen Lage sehr wohl bewusst: «Die Griechen müssen spuren, sonst kriegen sie kein Geld.» Wegen der Demonstrationen gebe es sehr wohl die eine oder andere Stornierung, «aber leider traut sich keiner, die Wahrheit sagen». Sogar Kuoni-Chef Brun gibt zu: «Um die Gäste zurückzuholen, werden die Preise teilweise um 30 Prozent gesenkt.» Und man schaut darauf, dass es in der Infrastruktur so wenige Unterbrechungen wie möglich gibt. Denn im Fährbetrieb und beim beliebten Inselhüpfen «könnten Streiks zu Verzögerungen führen». Auch bei Kuoni verzeichne man bei den Buchungen für die Kanaren ein zweistelliges Plus. Der Grund für die stabile Buchungslage: «Viele, die Ägypten gebucht haben, fahren jetzt nach Griechenland.»

Wirtschaftsfaktor Tourismus

Das Land ist mehr denn je auf einen florierenden Tourismus angewiesen. Rund eine Million Menschen hat mit dem Fremdenverkehr zu tun. Allein im Tourismus wird ein Viertel des gesamten Bruttosozialprodukts (BSP) erwirtschaftet. Das BSP sind alle im Inland beanspruchten Güter und Dienstleistungen, gleichgültig ob die Lieferanten Inländer oder Ausländer sind. Zudem ist Griechenland für die Schweizer das siebtwichtigste Reiseland. Auf den vorderen Plätzen rangieren Deutschland, Frankreich und Italien. Allein nach Griechenland fahren rund eine halbe Million Schweizer pro Jahr.

Erstellt: 15.07.2011, 13:34 Uhr

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