HSBC-Datendieb will Gericht als Plattform nutzen

Fakten ins rechte Licht rücken und selber so wenig Unrecht wie möglich erleiden: Hervé Falciani will sich vor Bundesstrafgericht äussern.

«Schweizer Gesetze schützen die Interessen ein paar weniger Financiers»: Hervé Falciani, hier bei einer Auslielferungsanhörung in Spanien (2013).

«Schweizer Gesetze schützen die Interessen ein paar weniger Financiers»: Hervé Falciani, hier bei einer Auslielferungsanhörung in Spanien (2013). Bild: Keystone

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Der ehemalige HSBC-Angestellte und Bankdatendieb Hervé Falciani will am Prozess vor Bundesstrafgericht persönlich dabei sein. Im Interview mit «10vor10» von Fernsehen SRF sagte er erstmals im Deutschschweizer Fernsehen, was er vor Wochenfrist im Westschweizer Fernsehen RTS angekündigt hatte.

«Es geht mir darum zu zeigen, dass die Schweizer Gesetze die Interessen ein paar weniger Financiers schützen und nicht jene der Schweizer Bürger», sagte Falciani in «10vor10». Um dies darzulegen würde er sehr gerne am Prozess in der Schweiz teilnehmen. Ob dies möglich sein werde, klärten seine Anwälte derzeit ab.

Als Held gefeiert

Es gehe ihm darum, die Fakten ins rechte Licht zu rücken und selber so wenig Unrecht wie möglich zu erleiden, sagte der ausserhalb der Schweiz weitherum als Held gefeierte französisch-italienische Doppelbürger weiter. Sein genauer Aufenthaltsort ist derzeit nicht bekannt; vermutet wird Falciani aber in Italien.

Bereits vor einer Woche hatte Falciani in der Sendung «19h30» im Westschweizer Fernsehen den Wunsch nach einer Teilnahme am Prozess in Bellinzona geäussert. Vorher war allgemein von einem Prozess in Abwesenheit des Angeklagten ausgegangen worden.

Vor Bundesstrafgericht in Bellinzona angeklagt ist Falciani wegen qualifizierten wirtschaftlichen Nachrichtendienstes, unbefugter Datenbeschaffung, Verletzung des Geschäftsgeheimnisses und Bankgeheimnisverletzung.

Terrorfinanzierung, Drogen- und Waffenhandel

Falciani hatte 2007 Daten zu mehr als 100'000 Kunden den französischen Steuerbehörden übergeben. Damit steht er am Anfang der «Swissleaks«-Recherche von Journalisten in über 40 Ländern aus. Die Auswertungen der Daten sollen zeigen, dass Kunden des Schweizer HSBC-Ablegers in Steuerhinterziehung, Terrorfinanzierung, Drogen- und Waffenhandel involviert waren.

Falciani habe den Europäern und auch den Schweizern einen grossen Dienst erwiesen, sagte dessen Anwalt William Bourdon in «10vor10».

Wann der Prozess in Bellinzona stattfindet, ist noch offen. Bei einer Verurteilung droht Falciani eine mehrjährige Haftstrafe. (spu/sda)

Erstellt: 25.02.2015, 23:49 Uhr

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