Hello again – das Comeback der Banken im US-Geschäft

Einige Privatbanken entdecken das Geschäft mit reichen Amerikanern neu.

Unter Aufsicht: Vontobel gründete eine spezielle Tochtergesellschaft in Zürich, die Vermögen von US-Kunden betreut.

Unter Aufsicht: Vontobel gründete eine spezielle Tochtergesellschaft in Zürich, die Vermögen von US-Kunden betreut. Bild: Keystone

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Nicht weniger als einen «Abschied aus Amerika» propagierte Privatbankier Konrad Hummler letzten Sommer. Verschiedene Finanzinstitute kündigten zu dieser Zeit den Rückzug aus dem US-Privatkundengeschäft an, darunter die Bank Julius Bär und die Zürcher Kantonalbank. Sie wollten nicht dasselbe durchmachen wie die UBS. Abgeschreckt von den neuen US-Gesetzen gegen Steuerschlupflöcher und dem damit verbundenen administrativen Aufwand, stellten sie die US-Kunden mehr oder weniger resolut vor die Tür.

Tochtergesellschaft für US-Kunden

Doch in ihrem Windschatten haben andere Banken nun eine Marktlücke im US-Privatkundengeschäft entdeckt. Dies aber nur unter einer Voraussetzung: Die Gelder müssen beim amerikanischen Fiskus deklariert sein. So gründete Vontobel eine spezielle Tochtergesellschaft mit Sitz in Zürich, die ab August Vermögen von US-Kunden betreut. Um nicht in der juristischen Grauzone zu operieren, untersteht die Bank der US-Aufsicht SEC. Vontobel glaubt, dass verlässliche ausländische Vermögensverwalter dort gesucht sind: Schliesslich könnten die US-Banken die wachsende Nachfrage nach Investitionen ausserhalb der USA nicht decken. Auch die Genfer Privatbank Franck Galland eröffnete im Juni eine Abteilung für amerikanische Kunden.

Einen ähnlichen Weg geht die Zürcher Bank Valartis: Sie baut derzeit ihr US-Geschäft im Private Banking aus – und das ohne SEC-Lizenz. Ihre Vermögensverwalter arbeiten unter schwierigen Bedingungen: Sie dürfen nicht aktiv beraten – Telefongespräche über Bankgeschäfte und Besprechungen mit den Kunden innerhalb der USA untersagt das Gesetz. Trotz der strikten Auflagen operiert Valartis offenbar mit einigem Erfolg: In den letzten zwölf Monaten ist der Kundenanteil aus den USA innerhalb der Bank am stärksten gewachsen.

Grossbanken gehen «onshore»

Selbst die UBS, die im Juni 2008 unter grossem Getöse den Rückzug aus dem US-Offshoregeschäft bekannt gab, bedient schon länger über eine gesonderte Gesellschaft US-Kunden, die ihre Vermögen dem Fiskus offenlegen. Laut der Westschweizer Zeitung «Le Temps» verzeichnete auch sie 2009 einen Neugeldzufluss. Mittlerweile zählt die Abteilung 50 Beschäftigte. Ähnlich geht die CS vor, die ihre Aktivitäten aber vor allem «onshore» in den USA ausbauen will.

Schon heute zeichnet sich jedoch ab, dass die Banken mit einem explodierenden Aufwand zur Datenverarbeitung rechnen müssen. Ab 2013 sollen ausländische Finanzgesellschaften auf all ihren Transaktionen mit US-Wertschriften eine Quellensteuer von 30 Prozent abliefern. Umgehen können sie diese nur, wenn sie der US-Steuerbehörde alle Details über ihre Kontoinhaber melden. Ob sich das Geschäft mit den US-Kunden dann noch lohnen wird, ist fraglich. René Hermann, Private-Banking-Chef Zürich von Valartis, hält die Abwehrhaltung der Branche gegenüber amerikanischen Kunden trotzdem für kontraproduktiv: «Die Banken tun gut daran, sich an die administrativen Erfordernisse aus den USA zu gewöhnen.»

Erstellt: 13.07.2010, 22:42 Uhr

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