Heute stimmen die Aktionäre über Glasenbergs Lebenstraum ab

Segnen die Aktionäre von Glencore und Xstrata den Zusammenschluss ab, entsteht der viertgrösste Rohstoffkonzern weltweit. Dank Integration von Handel und Förderung hat dieser auch mehr Preismacht.

Leidenschaftlicher Händler: Glencore-Chef Ivan Glasenberg am Hauptsitz der Rohstoffhändler in Baar.

Leidenschaftlicher Händler: Glencore-Chef Ivan Glasenberg am Hauptsitz der Rohstoffhändler in Baar. Bild: Nicola Pitaro

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Schiesst nicht in letzter Minute ein Xstrata-Grossaktionär quer, ist Ivan Glasenberg heute am Ziel seiner Träume: der Geburt des ersten integrierten Rohstoffriesen, der vom Abbau über den Handel bis zu Lagerung und Transport die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt. Stimmen heute im Theater Casino in Zug genügend Aktionäre zu, verschmelzen der weltgrösste Rohstoffhändler, Glencore, und der Minenkonzern Xstrata zum viertgrössten Rohstoffkonzern weltweit.

Hartnäckig hat Ivan Glasenberg, Chef und mit 15,7 Prozent grösster Aktionär von Glencore, in einem neunmonatigen Poker um Geld und Macht Hindernis um Hindernis weggeräumt. Letzte Woche sicherte selbst der Staatsfonds von Katar ein Ja zu, der mit 12 Prozent Anteil an Xstrata eine entscheidende Rolle spielt. Nervös wird Glasenberg allemal sein. Kippt Katar oder ein anderer Grossaktionär, den er mühsam auf Linie gebracht hat, doch wieder um, wird es eng, im schlimmsten Fall kippt der Deal.

So schwarz sehen indes die wenigsten Beobachter. Die Chancen, dass der im Februar angekündigte Deal des Jahres gelingt, stünden sehr gut, heisst es. Bekommt Glasenberg, der 1984 noch unter Marc Rich zu Glencore kam, seinen Willen, steigt er zu einem der mächtigsten Männer im Rohstoffgeschäft auf.

Erst trennen, dann fusionieren

Anders als die Chefs noch grösserer Konkurrenten wie BHP Billiton und Vale ist der gebürtige Südafrikaner auch im Fusionsprodukt Glenstrata mit 8,8 Prozent grösster Aktionär. Ein halbes Dutzend langjährige Glencore-Partner halten weitere 12,8 Prozent. Ihr Anteil ist gesunken, da Glasenberg das Angebot an die Xstrata-Eigner von 2,8 auf 3,05 Glencore-Aktien pro Xstrata-Titel aufbessern musste, um sie an Bord zu holen.

Trotz dem Zugeständnis bleiben Glasenberg und seine Crew weitaus mächtigste Aktionärsgruppe von Glenstrata. Sie profitieren vom Zusammenschluss am stärksten, sind aber gleichzeitig unter Druck. Glasenberg muss den Nachweis antreten, dass Glencore eine Wachstumsstory bleibt. Vor zehn Jahren trennte er die von Rich gekaufte Südelektra ab und brachte sie als Xstrata an die Börse, da er das Minengeschäft als Hemmschuh für die Händlerin Glencore sah, die ihren Wert seit 1994 von 1,2 auf 36 Milliarden Dollar steigern konnte.

Börsengang mit Verlust

Das funktionierte, bis die Expansion für die von 485 Partnern gehaltene Privatfirma immer schwieriger finanzierbar wurde, weshalb Glencore 2011 an die Börse ging. Seither verlor die Aktie 40 Prozent, ist für Anleger keine Verlockung mehr. Das Problem soll nun die Heirat mit Xstrata lösen, deren Börsenwert der auch aus Südafrika stammende Mick Davis über Zukäufe von 500 Millionen auf 45 Milliarden Dollar steigerte.

In dem sich rasch verdüsternden konjunkturellen Umfeld hätte der Deal längst scheitern können. Glasenberg vereinbarte mit Davis aber einen reinen Aktientausch, brauchte also keine Banken zu überzeugen. Und Glencores Sperrminorität von 34 Prozent an Xstrata schreckte andere Kaufinteressenten ab, was wiederum institutionelle Aktionäre zum Kompromiss bereit machte. Schon vor der Abstimmung entschieden ist auch der Kampf um die Macht. Davis, als Glenstrata-Chef designiert, wird mit einer Abfindung ausgeladen, ans Ruder geht Glasenberg selbst. Er will nun das Kunststück vollbringen, mittels der Integration von Exploration, Förderung, Verarbeitung, Lagerung, Handel und Transport unter einem Dach für die Aktionäre einen Mehrwert zu schaffen.

Mehr Grösse, mehr Preismacht

Glasenberg macht kein Geheimnis daraus, dass mehr Grösse mehr Preismacht bringt, speziell in der Kombination von Förderung und Handel. Grosskunden in Asien beklagten sich bereits 2011, Glencore drücke überhöhte Preise für hochwertige Kohle durch. Glenstratas «Verkaufsmacht» werde noch grösser, fürchten Händler in China und Japan.

Sehen Chinas Wettbewerbshüter das auch so, könnten sie den Deal blockieren oder nur unter strengen Auflagen zulassen. In Europa machte Glasenberg den EU-Wettbewerbshütern vorbeugend Konzessionen: Glenstrata löse den Vermarktungsvertrag mit Nyrstar auf und die Nyrstar-Anteile, um ihre dominante Stellung bei Zink so zu reduzieren, dass sich ein EU-Eingriff nicht mehr lohnt. Ob das der EU reicht, ist noch offen.

Hat Glasenberg nötige Geduld?

Glasenberg liess durchblicken, er werde als Chef von Glenstrata mehr als die von Davis in Aussicht gestellten Synergien von 500 Millionen Dollar im ersten Jahr herausholen. Das trauen ihm die meisten zu, ebenso, dass er die Karte Preismacht gekonnt ausspielen wird. Und dass er mit Übernahmen Wachstum sucht, etwa von Anglo American, global die Nummer 5 im Rohstoffgeschäft.

Zweifel äussern einzelne Grossanleger dagegen, ob der leidenschaftliche Händler Glasenberg die nötige Geduld hat, um das Minengeschäft, das 60 Prozent der Gewinne bringt, längerfristig wertsteigernd weiterzuentwickeln. Manche fürchten, die Abtrennung des Minengeschäfts werde rasch wieder zum Thema, wenn Glenstrata sich nicht als Wachstumsrenner entpuppen sollte.

Erstellt: 20.11.2012, 06:16 Uhr

Vom Abbau zur Vermarktung – alles aus einer Hand. Für Detailansicht auf Bild klicken. (Bild: TA-Grafik)

Grösste Bergbau- und Minenkonzerne.
Für Detailansicht auf Bild klicken. (Bild: TA-Grafik)

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