Höchste Zeit, die Rechte der Anleger zu stärken

Wirtschaftsredaktor Bruno Schletti über die scheinheilige Empörung der Banken.

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Die Empörung der Banker ist gross. Da wollen ihnen einmal mehr die bösen Regulatoren mit neuen Gesetzesparagrafen ins Handwerk pfuschen. Ausgerechnet ihnen, die doch nur das Beste für die Kundschaft anstreben. Man sei noch nie wegen Falschberatung eingeklagt worden, sagt etwa der Chef der Basellandschaftlichen Kantonalbank. Mag sein. Doch ist das ein Grund, die Machenschaften auf dem Schweizer Finanzplatz schönzureden?

Praktisch in Sichtweite der Basellandschaftlichen Kantonalbank, im aargauischen Frick, zog ein mutmasslicher Betrüger im ASE-Skandalfall die Fäden, assistiert von der Basler Kantonalbank als Depotbank. Ein kleiner Fall gemessen an den Verlusten, den die Credit-Suisse-Gruppe mit dem Vertrieb sogenannt kapitalgeschützter Lehman-Papiere vielen Kunden eingebrockt hatte. Es gibt die Vertriebsentschädigungen, die den Kunden über Jahre vorenthalten wurden. Es gibt all die Banken, die im grenzüberschreitenden Geschäft erst Schwarzgeldkunden anlockten, um sie am Ende fallen zu lassen. Wie nur können Banker so tun, als ob kein Handlungsbedarf bestünde?

Gut möglich, dass im Baselbiet die Finanzwelt noch heil ist. Mit Sicherheit machen viele Kundenberater – nicht nur ennet dem Belchen – einen korrekten Job. Nur ist es leider wie in allen andern Bereichen so, dass es Gesetze nicht braucht, um die anständigen Menschen in Schach zu halten. Es braucht sie, um den Schlitzohren und Halunken die Grenzen aufzuzeigen.

Der Hinweis darauf, dass es kaum Klagen gegen Banken gibt, mag ein weisses Licht auf die Finanzwelt werfen. Viel eher ist es ein Zeichen dafür, dass Anlegerinnen und Anleger im Streitfall gegen die Macht der Banken rechtlich keinen Stich haben. Es ist höchste Zeit, ihre Rechte zu stärken.

Erstellt: 17.10.2014, 21:34 Uhr

Bruno Schletti, Wirtschaftsredaktor

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