Hoeness' Vontobel-Banker verhaftet

In Warschau wurde der langjährige Betreuer des verurteilten Ex-Bayern-Präsidenten festgenommen. Fahnder hatten ein Verfahren gegen den Schweizer eröffnet.

Bisher galt die Bank Vontobel nicht als Ziel der deutschen Steuerfahnder: Vontobel-Logo am Bürogebäude in Zürich.

Bisher galt die Bank Vontobel nicht als Ziel der deutschen Steuerfahnder: Vontobel-Logo am Bürogebäude in Zürich. Bild: Arnd Wiegmann /Reuters

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Die Affäre um Steuerhinterzieher Uli Hoeness schlägt auf die Zürcher Bank Vontobel durch. Polnische Beamte haben Hoeness' langjährigen Vertrauensbanker bei Vontobel, soeben verhaftet, nachdem dieser von deutschen Fahndern in Wiesbaden international zur Festnahme ausgeschrieben worden war. Dies berichtete heute früh der «Wiesbadener Kurier» mit Verweis auf die Behörden, die dem Vertrauten «Beihilfe zur Steuerhinterziehung» vorwerfen würden.

Der Name des Bankers war im Prozess gegen Uli Hoeness von diesem Frühling mehrfach gefallen. Zeitweise hatte der prominente Ex-Fussballer und langjährige Präsident des Nobelclubs FC Bayern München täglich Dutzende von Devisendeals über den Vertrauten in Auftrag gegeben. Selbst über Nacht, wenn der Vontobel-Devisenhandel geschlossen war, kaufte und verkaufte Hoeness Fremdwährungen, nachdem ihm sein Vontobel-Mann bei Julius Bär einen Zugang zu deren Nachthandel verschafft hatte.

Hoeness sei auf reiner Auftragsbasis betreut worden

Die Bank Vontobel stellte sich im Prozess von Hoeness im März stets auf den Standpunkt, dass weder sie noch ihre Mitarbeiter dem deutschen Kunden Hilfe zur Steuerhinterziehung geleistet hätten. Kunde Hoeness sei auf reiner Auftragsbasis betreut worden. Zudem sei das Kapital, mit dem Hoeness spekuliert hätte, versteuert gewesen. Einzig die Gewinne und Verluste oder sonstigen Erträge aus seinen Deals seien von Hoeness dem Steueramt vorenthalten worden.

Ein Sprecher der Bank Vontobel wollte sich heute Morgen nicht zur Verhaftung des langjährigen Managers der bekannten Privatbank äussern. Der Banker leitete bis vor einigen Jahren den Devisenhandel der Bank und ist heute immer noch als Senior für die Bank tätig.

Verschärfte Gangart der deutschen Behörden

Die Verhaftung in Warschau verschärft die Gangart der deutschen Behörden gegen den Schweizer Finanzplatz. Zum ersten Mal greifen die Deutschen zur gleichen Methode wie US-Justizleute, die ebenfalls den Druck auf die einzelnen Banken und Swiss Banking insgesamt erhöhten, indem sie Schweizer Banker festsetzten.

Ein Insider sagt, die Deutschen würden mit dem Verhafteten vor allem auf Vontobel zielen. Bereits zuvor hatten sich die CS und die Julius Bär mit zwei- bis dreistelligen Millionensummen von alten Schwarzgeldvergehen in Deutschland freigekauft. Im Sommer hatte sich die UBS mit 300 Millionen Euro mit den deutschen Behörden geeinigt.

Umso erstaunlicher ist die Verhaftung des Bankers. Erstens galt die Bank Vontobel bisher nicht als Ziel der deutschen Steuerfahnder, zweitens wurden die Deutschen als weniger aggressiv als die Amerikaner eingestuft. Ein solches Vorgehen hätte man eher von den Franzosen und den Belgiern erwartet, die im Ruf stehen, mit unzimperlichen Methoden zu ihren Zielen zu kommen. Die belgischen Behörden hatten vor ein paar Monaten den Chef der UBS Belgien zwangsvorführen lassen, die Franzosen verurteilten kürzlich die UBS zu einer Milliardenkaution.

Dass die Deutschen einen gestandenen Schweizer Banker verhaften lassen, könnte eine Verschärfung bei der Bereinigung der Schwarzgeld-Ära bedeuten. Jedenfalls machen die deutschen Behörden damit klar, dass für sie das Thema Steuerbeihilfe noch lange nicht zu Ende ist.

Erstellt: 23.10.2014, 13:31 Uhr

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