Hoffnungsträger für Anleger

An den Aktienmärkten setzt man darauf, dass Tidjane Thiam das Investmentbanking deutlicher abspeckt, als es sein Vorgänger getan hat. Das würde auch die Kapitalsituation der CS entlasten.

Der scheidende Credit-Suisse-Chef Brady Dougan (rechts) gibt seinem Nachfolger Tidjane Thiam nach der Pressekonferenz die Hand. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

Der scheidende Credit-Suisse-Chef Brady Dougan (rechts) gibt seinem Nachfolger Tidjane Thiam nach der Pressekonferenz die Hand. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

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An der Strategie der Credit Suisse werde sich nichts Wesentliches ändern. Das betonte Urs Rohner gestern an der Pressekonferenz bei der Vorstellung des neuen CEO der Bank, Tidjane Thiam. Für den scheidenden Bankchef Brady Dougan gibt es dazu auch keinen Grund. Tidjane Thiam meinte zu entsprechenden Fragen nur, er werde dazu Stellung nehmen, wenn er den Posten übernehme.

Die Reaktion der Börse auf die Bekanntgabe des Führungswechsels zeugt dagegen klar von der Erwartung einer strategischen Neuausrichtung, die mit dem Führungswechsel verbunden ist. Die Titel der Credit Suisse schlossen den Tag mit 7,8 Prozent im Plus.

Dass mit Tidjane Thiam kein Banker zum Chef erkoren wurde, war offenbar ein wichtiger Grund für die Euphorie: «Hauptsache, kein Investmentbanker – diese Erleichterung zeigt sich in der Kursreaktion», erklärt Andreas Brun, Bankenanalyst der Zürcher Kantonalbank. Die Investmentbank nimmt bei der Credit Suisse mit einem Anteil von rund 50 Prozent an den Erträgen noch immer einen deutlich grösseren Anteil ein als bei der lokalen Konkurrentin UBS, wo der Anteil mit 30 Prozent deutlich tiefer liegt. Dieser Geschäftsbereich birgt deutlich höhere Risiken als die Vermögensverwaltung, das andere Standbein der Schweizer Grossbanken. Das gilt ganz besonders für den Teilbereich der sogenannten Festverzinslichen (FICC), der unterschiedliche Anleihengeschäfte umfasst. Bei der Credit Suisse liegt dessen Anteil an den gesamten Erträgen bei 20 Prozent, jener der UBS nur bei rund 6 Prozent.

Aufs falsche Pferd gesetzt

Die Credit Suisse hat dieses Geschäft nach der Finanzkrise unter Brady Dougan – von Haus aus selbst Investmentbanker – sogar noch ausgebaut. «Man hat auf das falsche Pferd gesetzt», meint dazu ZKB-Analyst Andreas Brun. Anders als die CS hat die UBS nach ihrem Beinahezusammenbruch im Jahr 2009 und der Rettung durch den Schweizer Staat den Bereich radikal verkleinert. Nun wird erwartet, dass Tidjane Thiam weniger Skrupel als sein Vorgänger haben wird, den Anteil dieses Geschäfts stärker zu reduzieren, als es Dougan inzwischen selbst eingeleitet hat.

Mit dem Investmentbanking hängt schliesslich das andere grosse Problem der Credit Suisse zusammen, die Eigenkapitalerfordernisse: Das Investmentbanking bindet zu viel Kapital. «Bei der harten Kernkapitalquote befindet sich die CS an der regulatorischen Limite von 10 Prozent», sagt Andreas Venditti, Bankenanalyst der Bank Vontobel. Tatsächlich liegt der Anteil des Eigenkapitals (CET 1) gemessen an den risikogewichteten Anlagen der Bank nach den 2019 gültigen Regeln bei 10,2 Prozent. Lässt man die Risikogewichtung weg, beträgt der Anteil des Eigenkapitals an den Gesamtanlagen (die sogenannte Leverage Ratio) noch mickrige 2,4 Prozent.

Die Regeln werden strenger

Bei der Credit Suisse argumentiert man stets mit den in der Schweiz zum Eigenkapital anrechenbaren besonderen Anleihen, die im Krisenfall in Eigenkapital umgerechnet werden müssen (sogenannten Coco). Mit ihnen sehen die Kapitalquoten der Grossbank deutlich besser aus. Doch das interessiert immer weniger: «Der Fokus geht international immer mehr in Richtung der weniger komplexen Leverage Ratio», sagt Andreas Brun von der ZKB. Das bestätigt sich bei einem Blick in Analystenberichte anderer weltweiter Institute. Kommt dazu, dass auch in der Schweiz mit einem Anstieg der Mindestanforderungen an die Leverage Ratio gerechnet wird.

Neben einem entschiedeneren weiteren Rückbau des Investmentbanking bleibt der Credit Suisse offen, ihr Eigenkapital weiter aufzustocken, um die Lage zu verbessern. «Brady Dougan hat eine Kapitalerhöhung stets ausgeschlossen und hätte deshalb mit einem solchen Schritt seine Glaubwürdigkeit riskiert», sagt dazu Andreas Venditti von Vontobel. Er gibt zu bedenken, dass sein Nachfolger Tidjane Thiam hier nicht belastet ist. Eine Kapitalerhöhung könnte Thiam gut mit Expansionsplänen für das Vermögensverwaltungsgeschäft in Asien begründen. Immerhin ruhen in einer weiteren Stärkung des Auftritts in dieser Region besonders hohe Hoffnungen auf dem neuen CEO, der dort schon in seiner Tätigkeit als Chef der Prudential grosse Erfolge erzielt hat.

Erstellt: 10.03.2015, 22:47 Uhr

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Bankenkenner Markus Diem Meier über Brady Dougan.

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