Hohmeisters Powerplay

Harter Kampf zwischen Airline-Management und Airbus-Piloten: Sieben Gründe, weshalb Swiss-Konzernchef Harry Hohmeister im Moment die Oberhand hat.

Rückenwind trotz vieler Turbulenzen: Swiss-Chef hat in der Auseinandersetzung mit den Airbus-Piloten im Moment die Oberhand.

Rückenwind trotz vieler Turbulenzen: Swiss-Chef hat in der Auseinandersetzung mit den Airbus-Piloten im Moment die Oberhand. Bild: Keystone

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Gutes Timing der Swiss: Zuerst hat Konzernchef Harry Hohmeister am Montag via Schweizer Fernsehen SRF sein warnendes Mantra zum wiederholten Mal abgespult. Die bösen Airlines vom Golf. Die aggressiven Billigflieger in Europa. Die schwierigen Standortbedingungen. Und heute hat sein erster Mann für den Flugbetrieb, Rainer Hiltebrand, den neuen Gesamtarbeitsvertrag GAV14+ für die Piloten präsentiert.

Das Ziel ist klar: Der neue Vertrag soll helfen, Personalkosten zu sparen, und alte Zöpfe abschneiden, die noch aus Swissair-Zeiten stammen. Von einem jährlichen Sparpotenzial im Umfang eines zweistelligen Millionenbetrages sprach Hiltebrand. Verhandlungspartner der Swiss war die Gewerkschaft IPG der Jumbolino-Piloten.

Der Vertrag soll aber auch Piloten offenstehen, die aktuell über den mit der Gewerkschaft Aeropers ausgehandelten Gesamtarbeitsvertrag angestellt sind, der noch bis Ende 2016 gültig ist. Aeropers vertritt gegenüber der Swiss die Airbus-Piloten mit Swissair-Vergangenheit. Die wichtigste Veränderung für diese Gruppe: Einbussen bei Lohn und höhere Verfügbarkeit bei den Einsätzen.

Mögliche Lohneinbussen bezifferten die Swiss-Verantwortlichen mit 5 bis 10 Prozent. Konkret: Ein Langstreckenpilot verdient aktuell in der höchsten Lohnstufe 211'000 Franken pro Jahr. Neu wären es maximal 200'000 Franken pro Jahr. Eine Einbusse von 5,2 Prozent.

Der Vertrag geht jetzt in die Vernehmlassung und muss zuerst noch unterzeichnet werden. Doch es ist davon auszugehen, dass die Piloten der Jumbolinos mit Crossair-Vergangenheit den Vertrag bei der Abstimmung Mitte Juni akzeptieren werden.

Die Aeropers-Mitglieder haben sich bisher gegen einen neuen Gesamtarbeitsvertrag gewehrt. Jetzt will die Gewerkschaftsleitung das Vertragswerk zuerst einmal prüfen: «Wir werden Ende Juli unsere Position zum GAV14+ bekannt geben», sagt Geschäftsführer Henning Hoffmann auf Anfrage.

Der Vertrag droht die starke Gewerkschaft Aeropers zu entzweien: Er ist so angelegt, dass er Piloten dazu verführen kann, das Lager zu wechseln. Hier die 7 Gründe, weshalb Swiss-Chef Hohmeister im Streit mit den Airbus-Piloten die Oberhand hat. Im Moment zumindest.

  • Der früher ausgehandelte GAV14 wurde zwar von den 1000 Aeropers-Piloten wuchtig verworfen. Über 78 Prozent lehnten ihn ab. Dennoch wird die Swiss wohl genügend Airbus-Piloten finden, die auf die Boeing 777 (Triple Seven) umsatteln wollen. Schliesslich ersetzt der Langstreckenjet die alternden Airbusse A340, die von den Aeropers-Piloten geflogen werden.

  • Wer mit der Triple Seven fliegen will, muss den neuen Vertrag unterzeichnen.

  • Für die Airbus-Piloten bedeutet der Vertrag Einbussen bei Lohn und weiteren Arbeitsbedingungen. Doch die Swiss hat auch Zückerchen eingebaut: So wird das Dienstalter voll angerechnet. Das macht für die Airbus-Piloten den Wechsel auf die neuen Boeing Triple Seven attraktiv.

  • Bei anderen Airlines seien die Arbeitsbedingungen nicht besser, sagte Hiltebrand heute Vormittag. «Ich würde mich schämen, unsere Leute zu Bedingungen wie bei den Golf-Airlines anzustellen.»

  • Wer als Airbus-Pilot die Perspektive hat, noch jahrelangen Dienst als Co-Pilot auf der Kurzstrecke verrichten zu müssen, dem kann sich der Vertrag als Karriereturbo erweisen.

  • Die Macht und die Bedeutung der Airbus-Piloten innerhalb des Korps werden über die nächsten Jahre schrittweise abgebaut.

  • Die Zeit läuft für die Swiss. Ab Mitte 2015 soll die Schulung der Piloten für die neuen Triple Seven beginnen. Der aktuell noch gültige GAV mit den Aeropers-Piloten läuft Ende 2016 aus. Das erzeugt Druck.

Die Pilotengewerkschaft Aeropers kennt den genauen Inhalt des Vertrages noch nicht und reagierte empfindlich auf das neuste Manöver der Swiss: «Es ist befremdlich, dass die Swiss die Öffentlichkeit vor den Sozialpartnern informiert.» Man stelle sich die Frage, wie ernst die Swiss ihre vertraglichen Verpflichtungen überhaupt noch nehme. An eine totale Eskalation will man beim Verband aber noch nicht denken: «Arbeitskampfmassnahmen sind weder jetzt noch künftig ein Thema. Dabei gibt es nur Verlierer, deshalb ist unser Ziel eine gemeinsame Lösung durch Verhandlungen.»

Erstellt: 04.06.2014, 18:56 Uhr

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