Holcim-Aktionäre in Zürich mit Demo empfangen

Sie fürchten bei einer Fusion um ihre Jobs: Arbeitnehmer tauchten vor der Holcim-Generalversammlung im Hallenstadion auf und stellten Forderungen. VR-Präsident Wolfgang Reitzle versuchte zu beschwichtigen.

«Keine Fusion ohne Rechte für die Arbeiter»: Demonstrant vor der GV in Zürich Oerlikon. (13. April 2015)

«Keine Fusion ohne Rechte für die Arbeiter»: Demonstrant vor der GV in Zürich Oerlikon. (13. April 2015) Bild: Keystone

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Die ordentliche Generalversammlung des Zementkonzerns Holcim am Dienstag ging trotz der geplanten aber umstrittenen Fusion mit dem französischen Konkurrenten Lafarge in gewohntem Rahmen über die Bühne. Die Aktionäre stimmten allen Anträgen des Verwaltungsrates zu.

Die für die Fusion entscheidende ausserordentliche Generalversammlung findet erst am 8. Mai statt. Der Aufmarsch der Aktionäre und vor allem der Kleinaktionäre hielt sich darum am Dienstag im Hallenstadion in Zürich in Grenzen. Gemäss dem Konzern haben sich nicht mehr Teilhaber eingefunden als in den Vorjahren.

Dennoch war das geplante Zusammengehen mit dem französischen Konkurrenten ein allgegenwärtiges Thema. Das begann bereits vor dem Hallenstadion. Rund 50 Vertreter der Arbeitnehmerschaft der zwei Konzerne forderten mit Plakaten und Flugblättern die Aktionäre auf, die soziale Verantwortung wahrzunehmen. Insbesondere sollen die zwei Konzerne den Erhalt der Arbeitsplätze für mindestens zwei Jahre garantieren.

Präsident zerstreute Bedenken

Diese Forderung wurde auch von zwei Aktionären und Arbeitnehmervertretern an der Generalversammlung im Hallenstadion wiederholt. Holcim-Präsident Wolfgang Reitzle erklärte dazu, dass sämtliche Arbeitsverträge auch bei einer Fusion unverändert fortgeführt würden.

Das gelte selbst für diejenigen Unternehmensteile, die Lafarge und Holcim aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen wollen. «In der Summe muss man sich keine Gedanken über die Mitarbeiter machen», sagte er.

Reitzle, der in seinen einleitenden Worten erneut für die Fusion warb, trat auch Befürchtungen entgegen, wonach die Unternehmenskulturen der Fusionspartner nicht zusammen passten. Weil Holcim und Lafarge personalmässig sehr dezentralisierte Unternehmen seien, würde sich für den Grossteil der Angestellten mit der Fusion gar nichts ändern. «Einen Kulturkampf kann es allerhöchstens für ein paar hundert Mitarbeiter in den zwei Konzernzentralen geben», sagte er. Dieses Problem sei jedoch lösbar.

Der Holcim-Präsident sieht in der Fusion zudem eine Möglichkeit, Veränderungen einzuleiten, die sonst nicht vorgenommen werden könnten. «Wir sehen die Fusion als eine Chance, sich selbst zu erneuern», sagte er.

Zwei Aktionäre nutzen die Generalversammlung zudem, um auf ein Thema aufmerksam zu machen, das Holcim bereits seit Jahren begleitet. So forderte ein Aktionärsvertreter von Actares und eine Gewerkschafterin Holcim auf, die Arbeitsbedingungen in einem Werk in Indien zu verbessern. Seit zehn Jahren habe das Unternehmen bei diesem Thema keine Fortschritte erzielt, sagten sie. Reitzle versprach darauf, sich dem Thema anzunehmen, wenn auch das Problem sehr komplex sei.

Keine höhere Dividende

Bei den anschliessenden Abstimmungen über die Anträge des Verwaltungsrates forderte ein Aktionär mit Hinweis auf die erhöhte Ausschüttung bei Lafarge eine Erhöhung auch der Holcim-Dividende. So sollten anstatt den beantragten 1,50 Franken 4 Franken ausgeschüttet werden. Die Aktionäre lehnten diesen Antrag jedoch ab.

Der Verwaltungsrat konnte sich mit seinen Anträgen auch bei allen anderen Traktanden durchsetzten. Auch die deutlich erhöhte Vergütung für die Geschäftsleitung fand mit 78 Prozent Ja-Stimmen den Segen der Aktionäre. (sda)

Erstellt: 13.04.2015, 14:04 Uhr

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