Hüter der Swatch-Kronjuwelen

Marc Alexander Hayek ist die dritte Hayek-Generation an der Spitze der Swatch Group. Verantwortlich für das Nobeluhren-Segment, steuert er mit diesem auf Rekordkurs.

Will seine Wachstumsgeschichten weiterentwickeln: Marc Alexander Hayek (r.) mit seinem Onkel Nick Hayek.

Will seine Wachstumsgeschichten weiterentwickeln: Marc Alexander Hayek (r.) mit seinem Onkel Nick Hayek. Bild: Keystone

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«Juwelier der Stars» wird Harry Wins­ton oft genannt: Der traditionsreiche Schmuck- und Luxusuhrenhändler aus New York gehört seit 2013 zur Swatch Group. Dem Schweizer Unternehmen gelang mit diesem Kauf die lange angestrebte strategische Ergänzung seines Portefeuilles. Für einen Teil der «Juwelen» im Uhrensortiment, nämlich den Nobelmarken Breguet, Blancpain und Jaquet Droz, ist Marc Alexander Hayek (43) verantwortlich. Er repräsentiert die dritte Hayek-Generation an der Spitze des weltweit grössten Uhrenkonzerns: Sein verstorbener Grossvater Nicolas Hayek hatte das Unternehmen 1983 gegründet. Seine Mutter Nayla Hayek präsidiert den Verwaltungsrat der Swatch Group, Onkel Nick Hayek führt den Konzern.

Marc Hayeks drei Marken haben 2013 eine überdurchschnittlich gute Performance gezeigt: Der kumulierte Umsatz dürfte um runde zehn Prozent auf rekordhohe 1,1 Milliarden Franken gestiegen sein (8,8 Milliarden sind es in der ganzen Gruppe). Gut die Hälfte entfällt auf Breguet, von der mehr als 30 000 Exemplare verkauft wurden, 20 000 sind es bei Blancpain, gegen 5000 bei Jaquet Droz. Marc Hayek ist viel auf Achse. Die Verkaufsboutiquen seiner Marken sind weltweit verstreut. Zweimal im Monat nimmt er in Biel an Konzernleitungssitzungen teil. Produziert werden seine Breguets und Blancpains im Vallée de Joux, die Jaquet Droz in La Chaux-de-Fonds. Am häufigsten hält er sich am Blancpain-Sitz in Paudex bei Lausanne auf.

Von klein auf ein Faible für Uhren

Für Uhren hat Marc Hayek viel mehr als nur ein Faible. Uhren zogen ihn bereits in ihren Bann, als der Grossvater noch nichts wusste von jenem Sanierungsmandat bei den Uhrenkonzernen Asuag und SSIH, das 1983 zur Gründung der Swatch Group führen sollte: «Schon als sechs- oder siebenjähriger Knirps habe ich Uhren bestaunt, weil mich faszinierte, was die alles konnten.» Seine erste Uhr, eine Tissot mit digitaler Anzeige, erhielt er von der Grossmutter, Marianne Hayek, geschenkt.

Marc Hayeks Eltern haben sich früh getrennt. Er ist ab dem dritten Lebensjahr bei den Grosseltern am Hallwilersee aufgewachsen. Mit 13 sah er erstmals eine Uhrenfabrik von innen. Mit 16 durfte er den Grossvater auf eine Asientour begleiten. An der University of Southern California in Los Angeles studierte er «Business & Marketing». Nach der Rekrutenschule (als Artillerie-Fahrer in Frauenfeld) startete Marc Hayek in der Swatch SA als Public-Relations- und Marketingassistent, später wechselte er als Marketing- und Sponsoring-Manager zur Certina SA.

Nach vier Jahren folgte ein Break: 1996 verliess Marc Hayek die Swatch Group, um sich in Zürich als selbstständiger Restaurantbesitzer zu versuchen. «Du kannst nichts Besseres machen als etwas Neues selber auszuprobieren», habe ihm der Grossvater geraten. Fünf Jahre später kehrte der Enkel zurück. Bei Blancpain gab er als Marketingleiter seinen Einstand, ein Jahr später wurde er zum Präsidenten und CEO ernannt. Seit 2010 ist er auch für Breguet und Jaquet Droz verantwortlich.

Die Rechte an Blancpain, der ältesten Schweizer Uhrenmarke, gehörten bereits der SSIH. In den frühen 80er-Jahren wurden sie vom damaligen Omega-Marketingleiter Jean-Claude Biver erworben und das Produkt danach reanimiert. 1992 holte Nicolas Hayek Blancpain in die Swatch Group zurück. Ebenfalls in den 90er-Jahren erwarb der damalige Patron von einer Finanzgesellschaft die Luxusmarke Breguet, 1775 in Paris gegründet und seit 1976 im Vallée de Joux angesiedelt. Hayek senior persönlich kümmerte sich um die Repositionierung dieses Juwels aus der Haute Horlogerie. Seit 2000 gehört mit dem Luxuslabel Jaquet Droz eine weitere Uhrenmanufaktur mit langer Tradition zur Firmengruppe – die spektakuläre «Bird Repeater» mit dem Vogelnest auf dem Zifferblatt hat mit 486 480 Franken ihren Preis. Neben seinen drei Prestigelabels ist Marc Hayek für eine Reihe von Komponenten­herstellern verantwortlich, ebenso für die Konzernregion Mittlerer Osten, Zentral- und Südamerika.

Vom Rückschlag längst erholt

Im Sog der internationalen Finanzkrise 2008/2009 musste Marc Hayek erfahren, dass es mit seinem Segment keineswegs immer nur aufwärtsgeht. Während andere Marken boomten, musste er teilweise massive Absatzeinbrüche registrieren. Aber weder verfiel man damals in Panik, noch wurden Entwicklungsprojekte gestoppt. Schneller als erwartet kam der Wiederaufschwung und seither brummt das Geschäft. Marc Hayek sieht für alle drei Labels noch viel Potenzial, auch über die Hauptmärkte China, Hongkong, Schweiz und Russland hinaus. Er will seine Wachstumsgeschichten weiterentwickeln.

Bei Blancpain ist die Belegschaft innert elf Jahren von 80 auf 800 gestiegen. Breguet zählt heute 900 Beschäftigte, rund 100 sind es bei Jaquet Droz. «Die Zukunft der Schweizer Uhren­industrie liegt in der Innovation, im steten Investieren in die technische Weiterentwicklung», sagt Marc Hayek bestimmt. In den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts habe man gesehen, «was passiert, wenn man sich mit der Befriedigung zurücklehnt, zu den Besten zu gehören, und dabei die Konkurrenz ignoriert». Daher halte man bei Breguet und Blancpain den Entwicklungsrhythmus hoch, um – im Idealfall – jedes Jahr ein neues Kaliber lancieren zu können.

Noch steht der Onkel im Zentrum

Die Swatch Group, so hat man den Eindruck, werde im Stil eines Familienunternehmens geführt. Effektiv kontrolliert der Hayek-Pool gut 40 Prozent am Unternehmen. «Wir sind zusammengeschweisst, jeder ist stark eingebunden», sagt Marc Hayek. Könnte er es sich vorstellen, gewissermassen als Hayek III. dereinst die Gruppe zu führen? Heute stellt sich diese Frage nicht, da hat er recht. Und dass wohl noch geraume Zeit sein Onkel Nick (59) als Konzernchef ungleich stärker im Rampenlicht stehen dürfte, braucht für ihn nicht nachteilig zu sein.

Marc Hayek ist verheiratet mit einer gebürtigen Kubanerin und Vater eines Buben, der im Sommer fünf wird. Cully (VD) ist zur zweiten Heimat geworden. Er ist leidenschaftlicher Taucher, hat auch eine besondere Passion für Motorräder und schnelle Autos. Auch in der Saison 2014 möchte er mit seinem Lamborghini mindestens ein halbes Dutzend Langstreckenrennen in den Blancpain Endurance Series bestreiten. Mehr Einsätze lässt die Agenda nicht zu. Neben der Leidenschaft für Technik und einem Flair für Zahlen scheint auch die Freude an Zigarren zum Hayek’schen Erbgut zu gehören.

Erstellt: 19.03.2014, 09:50 Uhr

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