Hintergrund

«Ich ging nicht gern in die Ferien»

Was bei US-Banken relativ neu ist, existiert in der Schweiz schon lange: Zwei Wochen Zwangsferien pro Jahr, auch für Händler. Mit der Regel kommen nicht alle Angestellten klar.

Arbeit ist Geld: Angestellter der Credit Suisse in Zürich.

Arbeit ist Geld: Angestellter der Credit Suisse in Zürich. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sehnlichst die Tage bis zum Urlaub herunterzählen – nicht überall ist dies Usus. Zumindest nicht in der Bankenwelt: Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, konnte sich Credit Suisse in den USA erst kürzlich dazu durchringen, die obligatorischen Ferien für Händler von einer auf zwei Wochen am Stück zu erhöhen (siehe Artikel). Offenbar gab es internen Widerstand gegen das Vorhaben, weil Händler nicht mehr als ein paar Tage freinehmen wollen.

Sind Banker etwa arbeitssüchtig? Ein ehemaliger Händler bei der Deutschen Bank relativiert: Die Angestellten in seiner Abteilung hätten sich allgemein nicht gegen Ferien gesträubt – auch wenn mit längeren Ferien oft ein Einkommensverlust einhergegangen sei. «Ich persönlich bin nie gerne in die Ferien gegangen», räumt der Händler ein. Denn bei einer Koppelung des Salärs an den Handelserfolg hätte eine Woche Absenz für ihn jeweils einen um mehrere Tausend Franken geringeren Verdienst zur Folge gehabt.

In der Schweiz ein alter Hut

Die Regel, einmal im Jahr zwei Wochen Ferien am Stück zu beziehen, wird in den USA als «Block Leave» bezeichnet. In der Schweiz besteht sie schon lange. Wie im Gesamtarbeitsvertrag der Bankbranche festgehalten ist, dürfen und sollen Bankangestellte fünf Wochen Ferien im Jahr beziehen. Ab dem sechzigsten Altersjahr sind es sogar deren sechs. Mindestens zwei Ferienwochen sind am Stück zu nehmen, schreibt der Vertrag weiter vor.

Wie UBS, Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigen, wird auf die Durchsetzung dieser Regel intern geachtet. Die Vorgesetzten seien für den fristgerechten Ferienbezug ihrer Mitarbeitenden verantwortlich, gibt die ZKB-Pressestelle zu Protokoll. Als Kontrollinstrument erhielten die Vorgesetzten monatlich von der Personaladministration Listen, die den Feriensaldo der einzelnen Mitarbeiter anzeigen. Auch UBS und Credit Suisse weisen Abteilungschefs auf Mitarbeiter hin, die ihre Ferien noch nicht gemäss Vertrag bezogen haben.

In den USA ist die Lage grundsätzlich anders, weil hier in vielen Unternehmen nicht mehr als zwei Wochen Ferien pro Jahr vertraglich festgelegt sind.

Verdächtige Workaholics

«Block Leaves» machen für die Handelsabteilung von Banken als zusätzliches Kontrollinstrument Sinn. Depots, welche risikofreudige Händler im Stillen angelegt hätten, seien über eine zweiwöchige Zeitspanne hinweg schwieriger zu verbergen, berichtet der ehemalige Händler der Deutschen Bank: Während einer zweiwöchigen Ferienabsenz hätten Risikomanager Zeit, die Positionen eines Händlers sorgfältig zu durchleuchten. Auch deshalb würden «Schubladengeschäfte» vielfach auffliegen, wenn jemand in den Ferien sei. Wehre sich ein Händler gegen Ferien, so mache er sich damit auch verdächtig.

Längere Ferien können indes nicht nur im Handel eine Sicherheitsvorkehrung sein. Muss sich ein Stellvertreter in der Ferienzeit mit den Geschäftsbeziehungen eines Kundenberaters auseinandersetzen, so steigt mit einer längeren Ferienzeit die Chance, dass Unregelmässigkeiten oder gar betrügerische Aktivitäten aufgedeckt werden.

Ferien auch fürs Mobiltelefon

UBS-Mediensprecher Andreas Kern betont, dass der Risikoaspekt nur einer der Gründe für die zweiwöchige Ferienregelung sei. Im Vordergrund stehe die Erholung der Mitarbeiter.

Und um diese Erholung nicht zu stören, bleiben bei vielen Grossbanken auch die Geschäftshandys während des Urlaubs im Schlummermodus. Wie die ZKB schreibt, können Händler während der Ferien prinzipiell nicht auf die Geschäftsapplikationen zugreifen. Auch die UBS nimmt es mit dem mobilen Geschäftemachen genau: Auf den Blackberries der Mitarbeiter laufen prinzipiell nur E-Mail- und Kalenderprogramme. Sogar der Internetzugang ist stark eingeschränkt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.12.2011, 15:08 Uhr

Artikel zum Thema

Banker rechnen mit bitterem Jahresende

Schweizer Banker erhalten deutlich tiefere Boni als in den letzten Jahren. Doch für manche von ihnen kommt es noch schlimmer: Sie werden 2012 ihre Stelle verlieren. Mehr...

CS schickt Händler aus Sicherheitsgründen in die Ferien

Als eine der letzten Grossbanken verordnet die Credit Suisse ihren Händlern längere Pausen ohne Computerzugang und Blackberry. So soll die kriminelle Versuchung gebremst werden. Mehr...

UBS-Händler steht in Japan unter Manipulationsverdacht

Banken Tokio Die UBS steht in Japan wegen versuchter Zinsmanipulation im Visier der Behörden. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Spiel zwischen Mauern: Palästinensische Buben spielen in einem verlassenen Gebäude in Gaza Stadt. (21.Juni 2018)
(Bild: Mohammed Salem) Mehr...