«Ich war kein Migros-Kind»

Urs Peter Naef, seines Zeichens «Mister Migros», geht Ende Jahr in Pension. Der Mediensprecher des orangen Riesen über sein Berufsrezept – und die beiden Groundings in der Karriere.

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Per Dezember 2014 gehen Sie in Pension. Auf welche Höhepunkte blicken Sie in Ihrer Karriere zurück?
Spannend war der Wechsel vom Journalismus auf die andere Seite, die Unternehmensommunikation. Ich kannte bereits viele Leute in der Medienbranche, und dies war für meine neue Tätigkeit sehr nützlich. Interessant war, dass während meiner Zeit bei Jelmoli die Lokalfernseh-Stationen aufkamen. Und als ich bei der Swissair war, wurde die Krisenkommunikation salonfähig.

An welche Rückschläge erinnern Sie sich besonders gut?
Hauptsächlich an zwei Groundings. Das eine war der Verkauf von Jelmoli. Als ich deshalb den Job in der Unternehmenskommunikation verlor, zog dies mir den Boden unter den Füssen weg, denn ich fand Jelmoli ein tolles Unternehmen. Dann kam ich zur Swissair, wo ich das zweite Grounding erlebte. Dabei war ich davon ausgegangen, dass ich dort pensioniert werden würde. Ich war erneut am Boden zerstört, denn ich identifizierte mich stark mit dem Job, der Airline und den Leuten.

Und dann kamen Sie zur Migros.
Genau, das war vor 13 Jahren, und ich hatte eine sehr schöne Zeit hier. Die Migros ist wie die damalige Swissair eine Ikone der Schweizer Wirtschaft. Auch heute noch spürt man den Geist von Gründer Gottlieb Duttweiler. Die Migros ist ein spannendes Unternehmen. Man ahnt als Aussenstehender kaum, was hinter den Kulissen geschieht. Mir wurde es hier nie langweilig, und ich konnte mich rasch mit dem Unternehmen identifizieren – auch wenn ich ursprünglich kein Migros-Kind war. Aber das lag eher daran, dass es in meiner Kindheit keine Migros in der Nähe gab.

Sie meisterten in Ihrer Migros-Karriere diverse Krisen, etwa den Giftskandal um die Outdoor-Jacken vor einigen Jahren. Was ist Ihr Rezept für gute Kommunikation?
Wenn man eine Haltung hat, kann und muss man sie zeigen. Wichtig ist eine Kopf-hoch-Mentalität, die man nicht ablegt. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, muss man das offen zugeben und das Problem angehen. Ist man unehrlich, wird man ohnehin ertappt, besonders in der heutigen Zeit der Vernetzung. Dann steht die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, die das A und O eines Unternehmens, aber auch eines Mediensprechers, ist.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Medien- und Kommunikationsbranche verändert in den letzten Jahren?
Auf der journalistischen Seite kamen Produkte auf, die weniger Tiefe und Qualität haben als klassische Medien – sei es aus finanziellen oder zeitlichen Gründen. Das Tempo ist viel höher geworden, vor allem durch das Aufkommen der Online- und sozialen Medien. Immerhin kann man dank diesen direkter mit den Kunden kommunizieren. Insgesamt ist es aber sowohl für die Medien als auch die Kommunikation nicht einfacher geworden.

Sie gehen mit 60 Jahren in Pension. Weshalb?
Es gab eine Änderung im Pensionskassenreglement der Migros. So ergab sich für meinen Jahrgang die Situation, dass ich bei einer früheren Pensionierung fast dieselben Leistungen erhalte, wie wenn ich mit 64 Jahren in Rente ginge. Zudem bin ich nach über 20 Jahren an der Front etwas müde geworden. Nicht, dass ich die Nase voll hätte, aber ich hatte zunehmend den Wunsch, ein wenig kürzer zu treten, etwas anderes zu machen.

Und welche Pläne haben Sie nach der Pensionierung?
Um im Liegestuhl zu hängen, bin ich noch zu jung. Aber nach der Pflicht kommt nun die Kür. Einerseits möchte ich gerne meinen Erfahrungsrucksack in irgendeiner Form weitergeben, zum Beispiel als Mentor oder Coach für jüngere Leute oder als Berater. Ob das auch für die Migros sein wird, diskutieren wir im Moment, aber es ist noch nichts konkret fixiert. Vorstellen kann ich es mir jedoch gut. Andererseits möchte ich mich mehr meiner Familie widmen, auch meiner Enkelin, und mehr Zeit auf dem Wasser verbringen. Wir haben einen Weidling auf einem der schönsten Abschnitte des Rheins.

Sind auch grössere Reisen geplant?
Nicht grössere Reisen als während meiner beruflichen Laufbahn. Weil ich in jener Zeit immer wieder welche unternommen habe, hat sich kein Nachholbedarf an längeren Reisen angestaut. Ich konnte stets abschalten von der Arbeit und konnte das Telefon problemlos mal zwei Wochen stumm geschaltet lassen. Nun freue ich mich auf den nächsten Schritt in meinem Leben – es kommt sicherlich eine spannende Zeit auf mich zu.

Erstellt: 11.04.2014, 14:43 Uhr

Die Karriere von Urs Peter Naef

Urs Peter Naef, Mediensprecher und Leiter der Externen Kommunikation des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB), geht per 1. Dezember 2014 in Pension. Der 60-Jährige, der gerne «Mister Migros» genannt wurde, leitete während 13 Jahren die Migros-Medienstelle in der Direktion Corporate Communications MGB. Bevor er in die Unternehmenskommunikation von Jelmoli und später Swissair wechselte, war Naef Journalist für den Ringier-Verlag. Er gilt als einer der besten und bekanntesten Mediensprecher der Schweiz. In manch heikler Situation – man denke etwa an die in Migros-Jacken gefundenen Gifte – bewahrte er einen kühlen Kopf und meisterte die Kommunikationsarbeit souverän.

Urs Peter Naefs Nachfolger wird der 43-jährige Luzi Weber, bisher Leiter der Internen Kommunikation im MGB. Er arbeitet seit sieben Jahren in der Direktion Corporate Communications des MGB. Zuvor war Weber Redaktor bei der Wirtschaftszeitung «Cash». (or/sda)

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