Ikea liess in der DDR politische Häftlinge schuften

Unter Zwang mussten in der ehemaligen DDR politische Häftlinge und Strafgefangene Möbel für den Konzern herstellen. Das Kontrollsystem habe versagt, begründet Ikea und entschuldigt sich.

Dunkle Vergangenheit: Das Ikea-Logo im Einkaufszentrum in Berlin. (16. November 2012)

Dunkle Vergangenheit: Das Ikea-Logo im Einkaufszentrum in Berlin. (16. November 2012) Bild: Keystone

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Der schwedische Möbelbauer Ikea hat eingeräumt, dass in der DDR politische Häftlinge und Strafgefangene unter Zwang Möbel für den Konzern fertigen mussten. Einige Mitarbeiter des Unternehmens hätten zwar vom möglichen Einsatz von Zwangsarbeitern gewusst, dieser sei aber «nie und zu keiner Zeit akzeptabel» gewesen, sagte Peter Betzel, Geschäftsführer von Ikea Deutschland, gestern. Er sprach den Opfern sein «tiefstes Bedauern» aus.

Vor etlichen Zeitzeugen und Opfern der DDR-Gewaltherrschaft stellte Ikea in Berlin die Ergebnisse einer Untersuchung zu den Produktionsbedingungen in der ehemaligen DDR vor. Demnach hatte Ikea möglicherweise schon ab 1978, spätestens aber ab 1981, Kenntnisse über einen möglichen Einsatz von politischen Gefangenen in Produktionsstandorten und Zulieferbetrieben der DDR. Ikea habe dies «missbilligt» und Schritte eingeleitet, um ihren Einsatz auszuschliessen.

Mutmassungen in den Medien

Ikea-Geschäftsführer Betzel verwies darauf, dass bei den Geschäftsbeziehungen in die DDR die Aussenhandelsbetriebe der alleinige Ansprech- und Vertragspartner gewesen seien, die Möbel aber in den Volkseigenen Betrieben (VEB) gebaut worden seien. Zu den VEB habe der Konzern nur unter strengen Auflagen Kontakt gehabt, Besuche und Qualitätskontrollen hätten stets angemeldet und genehmigt werden müssen. Nur ausgewählte Betriebe hätten besichtigt werden können.

«Zu jener Zeit hatten wir noch nicht das heutige, gut ausgearbeitete Kontrollsystem und haben offensichtlich nicht genug getan, um derartige Produktionsweisen zu verhindern», erklärte die schwedische Ikea-Managerin Jeanette Skjelmose. Ikea hatte die Untersuchung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in Auftrag gegeben, nachdem im vergangenen Jahr Medien von einem mutmasslichen Einsatz von Zwangsarbeitern in der Produktion von Ikea-Möbeln in der DDR berichtet hatten.

Ikea als Vorreiter

Für die Untersuchung wurden laut Ikea Archive ausgewertet und Gespräche mit aktiven und früheren Mitarbeitern sowie mit Betroffenen, Beteiligten und Zeitzeugen geführt. Demnach gab unter anderem ein ehemaliger politischer Gefangener an, während seiner Inhaftierung in der VEB Metallwaren Naumburg eingesetzt gewesen zu sein und dort Ikea-Kisten gesehen zu haben. Auch im VEB Sitzmöbelwerk Waldheim wurden demnach politische Gefangene und Strafgefangene eingesetzt.

Im Vorfeld der Veröffentlichung war kritisiert worden, dass Ikea eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragte. Angesichts der Bemühungen des Konzerns um eine Aufklärung bezeichnete der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Rainer Wagner, Ikea dennoch als einen «Vorreiter». Das Unternehmen erklärte sich nach eigenen Angaben bereit, ein wissenschaftliches Forschungsprojekt der UOKG zur Zwangsarbeit finanziell zu unterstützen.

Die Ikea-Untersuchung müsse der «Anfang für eine systematische, dann auch wissenschaftliche Aufarbeitung der Problematik» sein, die auch andere Unternehmen einbeziehe, sagte Wagner. Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, forderte mit Blick auf das Thema Zwangsarbeit, dieses «dunkle Kapitel der DDR-Diktatur» müsse aufgeklärt werden. (rbi/AFP)

Erstellt: 16.11.2012, 21:40 Uhr

Eine Untersuchung schaffte Gewissheit: In der ehemaligen DDR versagten die Kontrollmechanismen des Konzerns.

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