Im Netz wird Geld für UBS-Betrüger Adoboli gesammelt

Ex-Händler Kweku Adoboli brachte der UBS einen Milliardenverlust. Nun soll der verurteilte Betrüger ausgeschafft werden. Dagegen wehrt sich ein Komitee. Es sammelt Geld per Crowdfunding.

«In Ihnen steckt eine grosse Prise Spieler»: Kweku Adoboli.

«In Ihnen steckt eine grosse Prise Spieler»: Kweku Adoboli. Bild: Stefan Wermuth/Reuters

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Skrupelloser Verbrecher oder Heiliger? Für die Geschworenen und Richter war der Fall klar. Im November 2012 verurteilten sie Kweku Adoboli zu sieben Jahren Gefängnis. Sie sprachen den ehemaligen Börsenhändler der UBS des zweifachen Betrugs schuldig. «Es war einer der grössten Betrugsfälle in der Geschichte des Vereinigten Königreichs – begangen von einem der cleversten Betrüger, der uns je unterkam», erklärte Scotland Yard nach dem Urteil. Und weiter: «Regeln zum Schutze der Bank wurden umgangen – von einem jungen Mann, der alles wollte und nicht warten konnte.»

Der gebürtige Ghanaer hatte ein Jahr zuvor mit nicht autorisierten Spekulationen auf Indexprodukte bei der UBS für einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar gesorgt. Als Folge des Betrugsskandals war der Aktienkurs der Grossbank abgestürzt. Später war deswegen auch der damalige Konzernchef Oswald Grübel zurückgetreten.

«Übergeordnetes Interesse der Öffentlichkeit»

Seit Juni 2015 ist Adoboli wegen guter Führung wieder auf freiem Fuss. Er hat die Hälfte seiner Strafe abgesessen. Doch nun droht dem inzwischen 36-Jährigen die Ausschaffung aus dem Vereinigten Königreich. Er soll zurück nach Ghana – in das Land, dessen Pass er besitzt, in dem er aber nur bis zu seinem vierten Lebensjahr gelebt hatte. Er wohnt nach Aufenthalten mit seiner Familie im Libanon, im Irak und in Israel seit 24 Jahren in Grossbritannien.

Das britische Aussenministerium begründet die Massnahme mit dem übergeordneten Interesse der Öffentlichkeit. Adoboli versuchte letztes Jahr vor einem Verwaltungsgericht, die Ausschaffung zu verhindern. Er unterlag mit seinem Antrag, weil das britische Recht bei jedem Ausländer, der zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt wird, die Rückführung vorsieht.

«Das ist Teil meiner Rehabilitierung»

Doch der ehemalige UBS-Mann gibt noch nicht auf. Bei seinen Bemühungen ist er nicht allein. Eine Unterstützergruppe sammelt derzeit per Crowdfunding Geld für ihn, damit er sich einen Anwalt leisten kann. Die Kosten der weiteren Anfechtung der Ausschaffung werden auf 75'000 Pfund geschätzt. Bislang kamen etwas mehr als 10'000 Pfund zusammen.

Das Unterstützungskomitee für Adoboli beschreibt den verurteilten Betrüger als Opfer der Umstände. Er sei ein «ehrlicher und loyaler Mensch», steht da etwa zu lesen. Er habe die Handelsgeschäfte aus Treue zur UBS und zu seinem Team gemacht, um eingefahrene Verluste wieder wettzumachen. Es sei ihm nie um persönliche Bereicherung gegangen. Das alles wird garniert mit Bildern von Adoboli, der mit einem Kind spielt.

Richter: «Sie waren arrogant»

Gemäss der «Financial Times» sagt Adoboli selbst, er wolle in Britannien bleiben, um seine Arbeit fortzuführen – Vorträge über die Gefahr der Kultur in der Bankbranche zu halten. «Das ist Teil meiner Rehabilitierung», so Adoboli zum Wirtschaftsblatt.

Der Richter sah es bei seiner Urteilsbegründung freilich ziemlich anders. Adoboli sei «zutiefst uneinsichtig», erklärte er. «In Ihnen steckt eine grosse Prise Spieler. Sie waren arrogant zu denken, dass die Regeln der Bank für Sie nicht gälten.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.07.2016, 11:09 Uhr

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