In Singapur steht nicht nur die UBS am Pranger

Die Bank habe den Rückhalt der Aktionäre, liess VR-Präsident Kaspar Villiger heute verlauten. Doch Grossaktionär GIC gerät selber unter Druck.

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In diesen Stunden berät die UBS-Spitze in Singapur über die Zukunft der Bank – Verwaltungsrat und Geschäftsleitung haben sich zu Beratungen zurückgezogen. VR-Präsident Kaspar Villiger markierte vor dem Treffen Gelassenheit: «Es ist eine ganz normale Sitzung», sagte er vor einem Hotel in Singapur zu Reportern des Westschweizer Fernsehens TSR. «Die UBS spürt noch nicht den Druck der Aktionäre.»

Doch in Singapur selber sieht das anders aus. Dort gerät der Staatsfonds GIC, mit seinem Anteil von 6,4 Prozent der grösste UBS-Aktionär, unter Rechtfertigungszwang. Der Fonds investierte 2008 11 Milliarden Dollar in die UBS – davon sind mittlerweile drei Viertel weggeschmolzen. «Die Menschen wollen wissen, warum GIC in UBS investiert hat, warum zu jenem Zeitpunkt und wie sie für die Zukunft rechnen», sagt ein Journalist in Singapur gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. GIC investiert die Devisenreserven des Staates. «Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, wie das Geld verwaltet wird», sagt der Mann. Seinen Namen will er nicht nennen, «GIC ist in Singapur ein sehr sensibles Thema».

Welche Rolle wird GIC spielen?

Der 100-Milliarden-Staatsfonds hat enge Bande zur Singapurer Politelite – Tony Tan, bis Juni 2011 Direktor von GIC, wurde Ende August zum neuen Präsidenten des für Medienzensur bekannten Landes gewählt. Umso erstaunlicher ist es, dass Kritik am UBS-Investment jetzt öffentlich laut wird. «Die Resultate von GIC betreffen alle Singapurer», schreibt heute die regierungskritische Zeitung «Online Citizen». Es sei darum nichts als angemessen, wenn GIC jetzt öffentlich Bericht erstatte über die Investition in die Schweizer Bank – und über «die detaillierten Schritte, die GIC jetzt unternimmt, um die Verluste zurückzugewinnen».

«Bislang ging es vor allem um Transparenz», sagt der Journalist. «Doch die Leute wollen zunehmend wissen, welche Rolle GIC bei der UBS spielen will.» Der Fonds hat bislang nie Anspruch auf einen Sitz im Verwaltungsrat erhoben. Er trat in der Vergangenheit bei seinen Engagements als langfristiger, zurückhaltender Investor auf.

«Der Mann auf der Strasse ist daran nicht interessiert»

Auf Druck der Öffentlichkeit hat GIC gestern eine Stellungnahme zu dem Handelsbetrug in London veröffentlicht – eine ausserordentlich seltene Massnahme. Man sei «enttäuscht und beunruhigt» wegen des Vorfalls und erwarte «entschlossene Massnahmen», damit das Vertrauen in die Bank wiederhergestellt werde. Doch das Votum reicht den Bürgern offenbar nicht.

Ein Kommentator mit dem Namen Steven Kho rechtfertigt die Investition und das Verhalten von GIC heute auf «Online Citizen». «GIC muss seine Positionen nicht offenlegen, das würde seinen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Staatsfonds schmälern», schreibt Kho. «Der Mann auf der Strasse ist daran nicht interessiert, und er ist auch nicht kompetent genug, das zu verstehen.» Ausserdem behauptet Kho, über die künftige Strategie der UBS Bescheid zu wissen: «Die UBS wird sich vom Investmentbanking lösen und mehr auf die Vermögensverwaltung setzen, wo sie Marktführerin ist.» Ob das stimmt – und ob Oswald Grübel die Restrukturierung durchführen wird –, dürfte der Rest der Wirtschaftswelt in den nächsten Tagen erfahren.

Erstellt: 21.09.2011, 15:51 Uhr

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