In den Steueroasen ist die Party vorbei

Weil die Cayman Islands und die Bahamas in finanziellen Schwierigkeiten stecken, erwägen sie, die Steuern und Abgaben zu erhöhen.

Ein Paradies wird von Geldsorgen geplagt: Spaziergängerin am Strand von George Town, Cayman Islands. (Archivbild)

Ein Paradies wird von Geldsorgen geplagt: Spaziergängerin am Strand von George Town, Cayman Islands. (Archivbild) Bild: Reuters

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Mehr als 500 Millionen Dollar gross war das Defizit, das die Bahamas im Haushalt 2011/12 verzeichnen mussten. Man müsse deshalb die Steuerpolitik überdenken, um die Einnahmen zu steigern, verkündete der Ministerpräsident Perry Gladstone Christie im Haushaltsentwurf für 2013. Dies berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg (Artikel online nicht verfügbar). Namentlich werde die Regierung bald über eine Steuerreform debattieren, die erstmals auch eine Einkommenssteuer für Ausländer und eine Mehrwertsteuer umfassen könnte.

Die Bahamas sind laut dem Bericht nicht die einzige Steueroase in der Karibik, die mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Weil die Defizite sich immer mehr ausweiten und die Schuldenberge anwachsen, erwägen offenbar mehrere Regierungen, ihre Steuerpolitik zu ändern.

«Sie stecken in der Zwickmühle»

Auch die Cayman Islands fuhren im ersten Quartal 2012 ein Haushaltsdefizit ein. Die Regierung erwäge deshalb, für Hedgefonds die Abgaben für Registrierung und Arbeitserlaubnisse zu erhöhen. Pläne für eine Besteuerung der Einkommen ausländischer Arbeitnehmer musste Ministerpräsident McKeeva Bush nach Protesten fallen lassen. Das Finanzministerium von Antigua und Barbuda erklärte, es sei «höchste Zeit», die Steuerhinterziehung von Selbstständigen zu verfolgen.

Das Problem an der Strategie: Erhöhen die Karibikstaaten Steuern und Abgaben für Ausländer, werden sie für diese als Standort weniger attraktiv. «Sie stecken in der Zwickmühle», sagt ein Analyst der Investmentbank Oppenheimer & Co. gegenüber Bloomberg. Doch viele Steuerparadiese haben gar keine andere Wahl: Laut einer Studie von Standard & Poor's ist ihre Sparquote im Vergleich zu anderen Schwellenländern tiefer, während die Abhängigkeit von externer Finanzierung nach der Finanzkrise 2008 noch gestiegen ist. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für die Karibik aktuell mit einem Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent im Jahr 2012, nachdem ursprünglich noch eine Zunahme von 3,2 Prozent prognostiziert worden war. Letztes Jahr war das Wachstum auf 0,1 Prozent gefallen.

Mit Widerstand gegen die geplanten Anpassungen in der Steuerpolitik muss gerechnet werden. Wegen der Debatte in der Karibik und der strengeren Vorschriften in den USA hätten sich bereits mehrere Hedgefonds über einen Umzug erkundigt, berichtet Bloomberg. (fko)

Erstellt: 01.11.2012, 10:11 Uhr

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