Hintergrund

In der Schweiz führend, in den USA gefürchtet

Trotz Warnungen aus den USA und Anzeigen wegen schlechter Arbeitsbedingungen: Die Geschäfte für den Netzwerkanbieter Huawei in der Schweiz laufen ausgesprochen gut.

Für tiefe Preise und guten Service bekannt: Huawei-Hostessen präsentieren Produkte des Konzerns. (Archivbild)

Für tiefe Preise und guten Service bekannt: Huawei-Hostessen präsentieren Produkte des Konzerns. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der Telekomausrüster Huawei Schweiz wurde vor Kurzem von den eigenen Mitarbeitern angezeigt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete): Die Firma beschäftige in Dübendorf chinesische Staatsangehörige mit Touristenvisa, die Fluktuation der Mitarbeiter sei extrem hoch. Die Arbeitsbedingungen seien zudem «prekär» – so gebe es beispielsweise nicht genügend Toiletten für alle Angestellten. Huawei wies die Vorwürfe von sich, das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (AWA) konnte bislang keine Anhaltspunkte für Gesetzesverstösse finden. Trotzdem wirft der Vorfall ein weiteres Mal ein Schlaglicht auf die Firma, die in jüngster Vergangenheit wiederholt Negativschlagzeilen machte.

Denn Huawei sei «nicht frei vom Einfluss ausländischer Regierungen», gab der US-Geheimdienstausschuss kürzlich bekannt. Will heissen: Man fürchtet sich vor den Verbindungen des weltweit zweitgrössten Netzwerkausrüsters zur chinesischen Regierung und zur chinesischen Armee. Huawei stelle eine Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten dar. Der Ausschuss richtet deshalb die dringende Bitte an die US-Telekombetreiber, nicht mit der Firma zusammenzuarbeiten.

«Den Ernst der Lage nicht erkannt»

Hintergrund der Warnung sind Berichte, dass Huawei eine Hacker-Einheit der chinesischen Armee beliefert habe. Diese hätte deshalb die Möglichkeit, ausländische Netzwerke zu sabotieren, befürchten die Amerikaner. Der Vorwurf, dass Huawei mit Chinas Militär gemeinsame Sache mache, stehe schon länger im Raum, berichtet die «Handelszeitung»: Konzernpräsident und Gründer Ren Zhenfei sei ein ehemaliges Mitglied der Volksbefreiungsarmee, er diente in einer Informatikeinheit.

Huawei warf den Amerikanern seinerseits Protektionismus vor: Sie wollten lediglich chinesische Anbieter vom US-Markt ausschliessen. Auch in anderen Ländern wie Kanada, Deutschland, Indien oder Australien wurde die Firma jedoch bereits auf die Liste unerwünschter Geschäftspartner gesetzt. Die Schweiz hat aus dem internationalen Misstrauen bis jetzt noch keine Konsequenzen gezogen. «Die Politik hat den Ernst der Lage nicht wirklich erkannt», meint dazu der Vertreter eines Sicherheitsspezialisten gegenüber der «Handelszeitung».

Von 5 auf 450 Mitarbeitern in drei Jahren

In der Schweiz gehört Huawei heute zu den führenden Netzwerkanbietern. Die erste Schweizer Niederlassung eröffneten die Chinesen 2009 in Köniz bei Bern, in direkter Nachbarschaft zum Swisscom Businesspark. Der Telecom-Riese ist denn auch massgeblich am Aufstieg des Konzerns beteiligt: Er liess Huawei 2011 ein internes Kommunikationsnetz aufbauen und verhalf dem Konzern so zum ersten Grossauftrag. Vor zwei Wochen gab Swisscom zudem bekannt, dass man auch beim Ausbau des Glasfasernetzes mit Huawei zusammen arbeiten wollen – vergeben wurde ein auf acht Jahre befristeter Auftrag mit einem Volumen von rund 300 Millionen Franken.

Im letzten Dezember wurde Huawei zudem mit der Bereitstellung der Infrastruktur für das Prestigeprojekt Rechenzentrum Menziken beauftragt. Am Projekt beteiligt sind auch die SBB. Seit 2012 betreibt Huawei ausserdem das Sunrise-Netz und dessen Ausbau. Die Niederlassung in Dübendorf wurde eigens zur Erfüllung dieses Auftrags eröffnet. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs innert dreier Jahre von 5 auf 450 an.

«Der Rest interessiert nicht»

Wie schaffte es Huawei, innert so kurzer Zeit eine so gewichtige Marktstellung einzunehmen? Der Konzern wisse genau, wie man den Kunden für sich gewinne, schreibt dazu die «Handelszeitung». Er überzeuge einerseits mit deutlich tieferen Preisen als die Konkurrenz und scheue andererseits keinen Aufwand, um eine persönliche Beziehung zum Kunden herzustellen. Ein ehemaliger Mitarbeiter berichtet von hohem Arbeitswille und Tempo, fast unbegrenzt vorhandenen Ressourcen und einem extrem harten Rekrutierungsverfahren. Dass die Orientierung am Kunden bei Huawei besonders ausgeprägt ist, bestätigt Schweiz-Chef Felix Kamer in einem Interview mit dem IT-Portal Computerworld.ch: «Wenn der Kunde ein Problem hat, setzen wir alles daran, dieses so schnell wie möglich zu lösen, der Rest interessiert nicht.»

Die chinesische Firmenkultur sei in der Firma erhalten geblieben, berichtet der Ex-Mitarbeiter weiter – auch in den Schweizer Niederlassungen sei die Hierarchie sehr streng, der Spielraum eng, die Entscheidungswege verschlungen. Weil Huawei seine chinesischen Angestellten zudem mit billigen Wohnungen, Essen und Flugtickets in die Heimat versorge, seien sie in der Schweiz kaum integriert.

Erstellt: 26.02.2013, 22:32 Uhr

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