Kommentar

Internetgeld ist beständig wie Tulpen

Welcher Mensch bei klarem Verstand würde schon sein gesamtes Erspartes in eine Blumenknolle investieren? Die erste Spekulationsblase der Geschichte ähnelt dem Fall Bitcoin. Ein Kommentar.

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Stellen Sie sich vor, ein Freund empfiehlt Ihnen eine Investition. Es handelt sich um ein knappes Gut, das sich stark wachsender Beliebtheit erfreut. Es signalisiert Status und Vermögen und war gestern so viel wert wie ein Scheffel Weizen – aber schon morgen könnte jemand vier fette Ochsen dafür bieten. In diesem Fall leben Sie um das Jahr 1635 irgendwo in den Niederlanden – und werden gerade Opfer der damals grassierenden Tulpenmanie.

Der Boom und anschliessende Crash der Tulpenzwiebeln ist eine der ersten dokumentierten Spekulationsblasen der Geschichte. Und er zeigt, wie irrational wir funktionieren. Welcher Mensch bei klarem Verstand würde schon sein gesamtes Erspartes in eine Blumenknolle investieren? Sie könnte nicht nur gestohlen und zerstört werden, sondern auch von Fäulnis oder Schädlingen befallen.

Bitcoin muss nicht wie die Tulpenzwiebeln enden

Ähnlich sieht es bei der digitalen Währung Bitcoin aus. Sie besteht im Wesentlichen aus einem Computerprogramm, das kaum jemand versteht und für das niemand verantwortlich ist. Es ist Geld, für dessen Wert niemand bürgt, das ausserhalb des Internets nicht existiert und nur auf einem basiert: Vertrauen. Und wie vergänglich das ist, zeigt der gestrige Kollaps der Handelsplattform Mt. Gox. Kein Wunder, warnen viele Staaten Kleinanleger davor, in Bitcoins zu investieren. Es ist genauso wenig eine sichere Anlage, wie es die holländischen Tulpenzwiebeln waren. Und zwar unabhängig davon, ob man die Vision der Befürworter teilt und ihre libertäre Ideologie unterstützt.

Die Frage, ob eine Währung wie Bitcoin überleben kann, lässt sich heute nicht beantworten. Bitcoin muss nicht wie die Tulpenzwiebel enden – es könnte als moderne Methode, Geld zu verschieben, das gesamte Zahlungssystem revolutionieren und sich als neues Erdöl entpuppen. Auch die Ölindustrie durchlebte anfangs eine grosse Krise. 1864, kurz nachdem die Förderung angelaufen war, kostete ein Fass inflationsbereinigt bis zu 125 Dollar. Mit der Erfindung der Glühbirne sackte der Preis auf 30 Dollar ab.

Das Öl wurde damals fast ausschliesslich für Lampen eingesetzt. Dass man es auch für Autos, Kunststoff oder Kosmetika würde nutzen können, konnte sich damals noch niemand vorstellen.

Erstellt: 25.02.2014, 23:03 Uhr

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