Island macht bei Lohngleichheit Ernst

Seit dem 1. Januar ist das Lohngefälle zwischen Mann und Frau illegal.

Regiert Island seit November: Premierministerin Katrín Jakobsdóttir. Bild: Birgir Thor Hardarson/Keystone

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Island hat eine Premierministerin und fast 50 Prozent des Parlaments sind weiblich. Das nordische Land nimmt allerdings nicht nur politisch eine Vorreiterrolle bei der Gleichstellung ein, sondern auch in der Wirtschaft. Seit dem 1. Januar ist es nun verboten, Männern und Frauen unterschiedliche Löhne für denselben Job zu bezahlen.

Damit ist Island das erste Land weltweit, das geschlechterbasierte Lohndiskriminierung gesetzlich verbietet und auch sanktioniert. Firmen und Regierungsbehörden mit mehr als 25 Mitarbeitern müssen sich fortan von der Regierung zertifizieren lassen, ob sie männlichen und weiblichen Angestellten gleiche Löhne zahlen. Wer keine Gleichstellung beweisen kann, dem drohen Strafen.

Lohnunterschiede bis 2020 beseitigen

Bereits jetzt schlägt sich Island bei der Gleichberechtigung gut: Das Land führt den «Global Gender Gap Report» des World Economic Forums (WEF) an. Dieser misst neben der politischen Beteiligung, Bildung und Gesundheit auch die Lohngleichheit. Demnach sind im Inselstaat bereits 87 Prozent des Lohngefälles zwischen Männern und Frauen geschlossen. Bis im Jahr 2020 will Island dieses komplett beseitigen.

Am meisten trage zur Lohngleichheit bei, dass in Island besonders viele Frauen arbeiteten, sagt Saadia Zahidi, Leiterin der WEF-Gleichstellungskampagne, dem US-Magazin «Quartz». «In einer kleinen Volkswirtschaft ist Talent und Humankapital sehr wichtig.» Man wolle in Island kein Talent verschwenden und sowohl Frauen als auch Männer sollen Familie und soziale Verpflichtungen mit der Arbeit verbinden können.

Schweiz mit Aufholbedarf

Anders sieht es in der Schweiz aus. Im Gender-Gap-Index des WEF liegt die Schweiz auf Platz 21 – hinter Ländern wie Namibia, Bolivien, Ruanda, Nicaragua oder Slowenien. Lohngleichheit ist zwar auch hierzulande in der Verfassung verankert. Dennoch besteht bis heute ein Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern.

Die «Schweizerische Lohnstrukturerhebung», die das Bundesamt für Statistik im März 2017 veröffentlichte, zeigte für das Jahr 2014 in der Privatwirtschaft eine Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern von 19,5 Prozent. Das ist zwar eine Verbesserung zum Jahr 2010, als diese noch 23,6 Prozent betrug. Dennoch ist die Differenz weiterhin erheblich.

Vorlage im Parlament

Der Bundesrat will aus diesem Grund gesetzlich weiter gegen Lohndiskriminierung vorgehen. Im Juli des abgelaufenen Jahres hat er die Botschaft zur Änderung des Gleichstellungsgesetzes verabschiedet. Diese sieht vor, dass Unternehmen mit 50 oder mehr Angestellten künftig alle vier Jahre betriebsintern eine Lohnanalyse durchführen müssen. Diese muss danach extern überprüft werden. Danach haben die Arbeitgeber die Angestellten über das Ergebnis der Kontrolle und das Ausmass einer allfälligen Lohndiskriminierung zu informieren.

Für Unternehmen soll ein Anreiz entstehen, selbstständig Ungleichheiten zu korrigieren. Zunächst war wie in Island geplant, grosse Ungleichheit auch in der Schweiz zu sanktionieren. Etwa in Form einer öffentlich zugänglichen schwarzen Liste oder einer Meldepflicht an eine staatliche Stelle. Nach harscher Kritik in der Vernehmlassung wurde auf diese Art Lohnpolizei aber verzichtet.

Ob die Vorlage im Parlament eine Mehrheit findet, ist nun offen. In der Vernehmlassung hatten die vorgeschlagenen Massnahmen stark polarisiert. Gegen die Regulierung stellten sich SVP, FDP, CVP und BDP sowie die Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände. Die CVP- und FDP-Frauen sprachen sich allerdings dafür aus.

Teilzeitproblem nicht gelöst

Auch an der isländischen Lösung gibt es Kritik: Bemängelt wird, dass nur Betriebe mit mehr als 25 Mitarbeitern ihre Löhne ausweisen müssen. Ausserdem werde durch die Lohntransparenz nicht das Problem behoben, dass Frauen sich auch in Island häufiger um die Kinderbetreuung kümmerten, in Teilzeit arbeiteten und dadurch weniger Aufstiegschancen hätten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.01.2018, 12:31 Uhr

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