Japanisches Kultlabel erobert die Welt

Die Modekette Uniqlo gilt als eine der wenigen Erfolgsgeschichten Nippons in den letzten Jahren. Nun sollen Konkurrenten wie H & M oder GAP überflügelt werden.

«Japans Benetton»: Mode des Labels Uniqlo.

«Japans Benetton»: Mode des Labels Uniqlo. Bild: Issei Kato/Reuters

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Nach London, Paris und Moskau will Uniqlo Berlin erobern. Im Frühjahr 2014 wird der japanische Bekleidungsriese an der Tauentzienstrasse schräg gegenüber vom KaDeWe einen ersten Laden in Deutschland eröffnen. Mit über 800 Filialen in Japan und 400 im Ausland, die meisten davon in Asien, ist Uniqlo bereits heute eine unübersehbare Grösse in der Textilbranche. Barcelona und Mailand sollen als nächste Stationen folgen. In den kommenden sechs Jahren will Uniqlo die Zahl seiner Läden verdoppeln und damit Konkurrenten wie H & M oder GAP überflügeln.

Die Marke Uniqlo ist eine der seltenen japanischen Erfolgsgeschichten dieser Jahre. Der Dachkonzern Fast Retailing wächst jährlich um etwa 20 Prozent und wirft hohe Profite ab: 660 Millionen Franken vor Steuern im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 8,7 Milliarden. Der heute 64-jährige Tadashi Yanai hatte 1984 in Hiroshima seinen ersten Laden gegründet. Mit einem Vermögen von über 6 Milliarden Franken ist er mittlerweile der reichste Mann Japans.

Regierungsstellen nennen Yanai als Beispiel dafür, wie dynamisch Japans Wirtschaft sei – im gleichen Atemzug mit Masayoshi Son, dem Besitzer des Telecomkonzerns Softbank, der kürzlich den US-Anbieter Sprint übernommen hat, und Hiroshi Mikitani, dem Gründer des Onlinemarkts Rakuten. Dabei vergessen die Beamten jeweils, dass diese drei Männer in der verkalkten japanischen Wirtschaft Aussenseiter geblieben sind, die vergeblich um Akzeptanz kämpfen. Yanai hat sich deshalb wie Mikitani aus dem Unternehmerverband Keidanren zurückgezogen.

Unverkennbarer Stil

Uniqlo wird zuweilen «Japans Benetton» genannt. Wie die Italiener, wie die Ketten H & M aus Schweden, Zara aus Spanien und die amerikanische GAP entwerfen eigene Designer oder Gäste wie etwa Jil Sander die Kollektionen. Diese werden in China, Bangladesh und Gerüchten zufolge auch in Nordkorea billig produziert. Dabei hat Uniqlo es nicht nur geschafft, einen zurückhaltenden, aber heiteren eigenen Stil zu kreieren, sondern auch seine Kollektionen fast konkurrenzlos billig zu verkaufen. Und sehr schnell abzusetzen: Der Konzern-Name «Fast Retailing» ist auch Konzept.

Einen unverkennbaren Stil hat Yanai auch für seine Läden gefunden: Sie sind grell ausgeleuchtet und für japanische Discounter ungewöhnlich grosszügig. Wie im Supermarkt gehen die Kunden mit einem Einkaufskorb durch die Regale, nehmen hier noch ein paar Socken, dort noch eine Bluse mit: Es ist ja alles so günstig. Vom leichten Herrenanzug bis zu den lila Strandsandaletten gibt es bei Uniqlo alles. Es ist nicht mehr übertrieben zu sagen, Yanai ziehe ganz Japan an und auch immer mehr junge Leute in Taiwan, Südkorea, China, Singapur, Malaysia und Indonesien.

Verzerrtes japanisches Selbstbild

Wenn Japaner sich gegen China abgrenzen wollen – und das ist heutzutage den meisten ein Bedürfnis–, dann sagen sie zum wirtschaftlichen Aufstieg der Chinesen, dass diese eben Händler seien, die Japaner dagegen sorgfältige, zuweilen bedächtige Handwerker. «Monotsukuri», das wörtlich übersetzt «Dinge machen» bedeutet, aber oft für stetige Innovation in einem Herstellungsprozess steht, wird als besondere Tugend der japanischen Industrie gepriesen. Darauf sind die Japaner stolz.

Nur entspricht dieses japanische Selbstbild nicht mehr der Realität. Viele der Firmen, die mit «Monotsukuri» zu Weltmarken geworden sind, Sony etwa, Panasonic und Sharp, hecheln heute hinter den innovativen Herstellern aus Korea, Taiwan, den USA und immer öfter auch aus China hinterher. Oft können sie ihnen gerade noch ausgeklügelt hergestellte Komponenten liefern. Derweil breitet sich japanisches Design und vor allem japanisches Marketing in Asien aus. Neben Uniqlo eröffnet auch Muji, eine Art Edel-Ikea, ständig neue Läden, dazu die Shoppingcenter-Kette Jusco. Und die sogenannten Konvinis dreier japanischer Marken, das sind Grosskioske oder Mini-Supermärkte, die rund um die Uhr geöffnet bleiben, expandieren rasant in Asien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2013, 07:26 Uhr

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