Jetzt rollen die Polen an

Bombardier und Siemens sind weltweit bekannt für ihre Züge, auch die SBB sind Kunden. Ausgerechnet die Deutsche Bahn weicht nun aber nach Polen aus. Wie wirkt sich das auf Stadler Rail und die SBB aus?

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Erstmals kauft die Deutsche Bahn (DB) Züge aus Polen. Wie die «Financial Times Deutschland» (FTD) am Dienstag berichtete, steht der Konzern kurz vor der Unterzeichnung seines ersten Vertrags mit dem Zughersteller Pesa. Das Geschäft hat einen Gesamtwert von 1,2 Milliarden Euro und umfasst bis zu 470 Dieseltriebzüge für den Regionalverkehr in den kommenden sechs Jahren. Auch mit Herstellern ausserhalb Europas, insbesondere in Asien, sei die DB im Gespräch. Die DB reagiert auf die Probleme mit ihren Stammlieferanten Siemens und Bombardier wegen verzögerter Lieferungen.

Ein etablierter Anbieter, mit dessen Zügen auch die DB und die SBB fahren, ist Stadler Rail aus dem Thurgau. Ein Grund zur Sorge, dass die polnische Pesa nun einen Grossauftrag von der DB erhalten hat? Stadler-Chef und SVP-Nationalrat Peter Spuhler winkt ab: «Auch wenn Pesa ein neuer wichtiger Player in Deutschland ist: Konkurrenz gibt es für uns immer.» Wichtig sei, dass Stadler gute Qualität biete, schnell sei und die Kosten im Griff habe. «Bisher sind wir gut aufgestellt und können uns nicht beklagen», so Spuhler gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Er betont, dass die Deutsche Bahn ein sehr guter Kunde von Stadler Rail sei. Letztes Jahr etwa erhielt das Unternehmen aus Bussnang einen Auftrag über 400 Elektrotriebzüge. Ob das Abwenden der DB von Bombardier und Siemens nun Stadler nütze, möchte Spuhler nicht kommentieren.

Hohe Schweizer Anforderungen an Züge

Ein bedeutender Kunde von Bombardier sind die SBB – haben sie beim kanadischen Zugsfabrikanten doch Fernverkehrszüge im Wert von rund 1,9 Milliarden Franken bestellt. Die Auslieferung verzögert sich allerdings stark: Statt Ende 2013 erhalten die SBB nach heutigen Angaben erst 2015 ihre neuen Züge. Auch Siemens ist ein wichtiger Lieferant für die SBB – etwa bei der zweiten Generation der Zürcher S-Bahn-Züge. Welchen Einfluss hat nun der Entscheid der DB auf die SBB? Keinen, sagt SBB-Sprecher Reto Kormann auf Anfrage. Wenn die SBB neue Züge benötigen, werde der Auftrag gemäss den rechtlichen Grundlagen ausgeschrieben. «Ob ein Hersteller den Vergabekriterien entspricht, beurteilen wir von Fall zu Fall.»

Könnten nach der DB auch die SBB künftig auf osteuropäische Anbieter setzen? Daran glaubt Michaela Stöckli, Direktorin des Industrieverbands Swissrail, vorerst nicht. «Zurzeit hat etwa die polnische Pesa kaum eine Bedeutung in der Schweiz.» Die Schweizer Anforderungen an die Züge seien jeweils sehr spezifisch. So hätten Hersteller aus Osteuropa sie bisher nicht in dem Masse erfüllen können wie die bereits etablierten. Stöckli schliesst zudem nicht aus, dass Stadler Rail davon profitieren könnte, dass Bombardier und Siemens diesmal nicht von der DB berücksichtigt wurden. Einer der Vorteile sei sicherlich, dass Stadler ein Werk in Berlin besitzt.

Erstellt: 19.09.2012, 17:37 Uhr

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