Job-Chancen im Jahr 2009: Die Aufsteiger und die Absteiger

Welche Unternehmen stellen ein, welche bauen ab? Welche Berufe sind gesucht, für welche wird es eng? Die Umfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt, dass die Aussichten fürs 2009 gar nicht so übel sind.

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Noch scheint die Lage nicht so schlimm: Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat sich bei den wichtigsten Arbeitgebern der Schweiz über die Pläne für 2009 erkundigt. Deutlich wird dabei, dass die grosse Firmen immer noch tausende Stellen offen haben – und dass auch für 2009 keine Massenentlassungen in der Planung sind.

Ans Licht kommt aber auch, dass sich die Unternehmen in der Krise verstärkt aufs Wesentliche konzentrieren: Ob im Finanz-, im Infrastruktur- oder im Pharmabereich – gefragt bleibt vor allem Personal «im kundennahen Bereich», wie das in der Fachsprache heisst; andererseits geraten organisatorische Stellen eher auf die Streichliste. Personen mit Verkaufsflair und Verkaufserfahrung, Naturwissenschaftler, IT-Experten, Ingenieure, Finanzexperten – es gibt viele Qualifikationen, die auch 2009 gesucht bleiben.

Der Überblick:

ABB - Alle Mitarbeiter benötigt. Die Schweizer ABB hat immer noch einen hohen Auftragsbestand, alle Mitarbeiter werden benötigt, um die Aufträge abzuarbeiten. Die Frage ist, ob 2009 ähnlich viele neue Aufträge gewonnen werden können. Bei den Basisaufträgen ist ABB Schweiz optimistisch, bei den Grossaufträgen (mit Volumina über 15 Millionen Franken) spürt man die anrollende Krise; dies könnte sich gegen Ende 2009 bei den Stellen in der Schweiz auswirken. Hochqualifizierte Fachkräfte bleiben so oder so sehr gesucht: Bei Entwicklungs- und Verkaufsingenieuren ist ABB auf die internationale Suche angewiesen. Hier muss sich erweisen, ob die Lage auch Ende 2009 noch so angespannt ist.

Axa WinterthurMehr Aussendienstleute benötigt. Ein Stellenabbau fürs nächste Jahr ist derzeit nicht vorgesehen, auch einen Einstellungsstopp gibt es nicht. In gewissen Bereichen könnte Axa Winterthur sogar mehr Stellen schaffen – so im Aussendienst: Bis 2012 will der Versicherungskonzern in der Schweiz 450 Aussendienstleute zusätzlich einstellen.

BâloiseHundert neue Stellen. Die Bâloise führt in der Schweiz derzeit ein neues Betriebsmodell ein. Dazu gehört der Aufbau eines Service-Centers sowie eines Dokumentenmanagement-Centers. Dabei entstehen nächstes Jahr rund hundert neue Stellen, die teilweise durch interne Verschiebungen besetzt werden. Im Bereich Vertrieb sucht Bâloise 2009 zudem rund 80 neue Kundenberater. Der Backoffice-Bereich hingegen wird um rund 150 Stellen gestrafft.

CibaAbbauprogramm läuft. Die Lage ist beim Chemiekonzern sehr unklar: Neben den üblichen Unsicherheiten der Wirtschaftsentwicklung steht Ciba eine Übernahme durch BASF bevor. Noch gibt es keine Angaben darüber, wie und in welchem Ausmass dies die Schweizer Ciba-Stellen betrifft. Grundsätzlich aber baut Ciba mit einem 2006 lancierten Optimierungsprogramm weltweit 2500 Stellen ab. Das Programm wird Ende 2009 abgeschlossen und auch die Schweiz betreffen, wenn auch der grösste Teil hier schon durch ist. Naturwissenschaftler bleiben gefragt.

CoopCourant normal. Solange die Umsätze so bleiben, sieht Coop keinen Grund, Stellen nicht mehr zu besetzen. Insbesondere Verkaufsstellen, aber auch Stellen in der Informatik würden weiterhin besetzt, meldet der Detailhändler: Insgesamt sollte sich die Fluktuation 2009 leicht verringern und der Personalbestand in etwa gleich bleiben.

Credit SuisseAbbau, aber auch offene Stellen. Die Grossbank gab jüngst den Abbau von weltweit 5500 Stellen bekannt, davon 650 in der Schweiz. Betroffen ist vor allem das Investmentbanking, während die Credit Suisse beim Private Banking weiter auf Ausbau setzt. Die Stellen sollen in der Schweiz weitestgehend durch interne Umschichtungen und natürliche Bewegung verschwinden. Derzeit hat die Grossbank in der Schweiz rund 90 Stellen ausgeschrieben.

ManorVerkaufspersonal immer gesucht. Der Personalbestand dürfte nächstes Jahr stabil bleiben, da keine weitere Expansion vorgesehen ist – also auch keine Eröffnung neuer Warenhäuser. Bei der im Verkauf üblichen Fluktuation von 15 bis 20 Prozent ist Manor immer auf der Suche nach Verkaufsmitarbeitern, «insbesondere wenn sie eine entsprechende Qualifizierung und Erfahrung mitbringen», so Manor-Sprecherin Elle Steinbrecher. Auch Spezialisten im Einkauf oder Visual Merchandiser würden gezielt gesucht.

MigrosSpezialisten gefragt. Angesichts der Wirtschaftslage sei 2009 kaum mit einem Stellenausbau zu rechnen, meldet die Migros. Wenn es offene Stellen gibt, dann würden mehrheitlich Leute im Marketing sowie im Verkauf gesucht; hier seien am ehesten Spezialisten gefragt, beispielsweise Bankmetzger, Fachverkäufer im Bau- und Heimwerkermarkt sowie im Sportbereich. Bedarf habe man auch an Experten im IT- und im Finanz-Bereich.

Novartis - Moderates Wachstum. Novartis hat derzeit alleine in der Schweiz über 400 Stellen ausgeschrieben. Namentlich in den Novartis Bereichen Forschung und Biologics sei für nächstes Jahr ein moderates Wachstum zu erwarten. Hier werden in der Regel Experten mit international erlangter Berufserfahrung gesucht.

PostWeniger klassische Post-, mehr Postfinance-Stellen. Insgesamt hat die Post in den letzten Jahren regelmässig Stellen geschaffen, letztes Jahr waren es 1269 Vollstellen. Es ist absehbar, dass es nächstes Jahr im Stammhaus eher weniger Stellen gibt, während die Mitarbeiterzahl im Ausland steigt. In der klassischen Schweizer Post – Logistik, Poststellenverkauf – ist die Tendenz leicht abnehmend. Neue Stellen dürften bei Postfinance geschaffen werden, ferner bei der (international ausgerichteten) Abteilung Strategische Kunden und Lösungen. Gesucht seien Finanzspezialisten für Postfinance, IT-Experten, aber auch Fahrpersonal für Postautos

RocheÜber 350 offene Stellen. Der Schweizer Stellenbestand erhöhte im laufenden Jahr um 400 bis 450 Mitarbeitende, derzeit hat Roche über rund 360 offene Stellen in der Schweiz. Roche wolle weiter aufbauen, meldet das Unternehmen. Das Schwergewicht bei der Einstellung von Personal liegt naturgemäss bei den Naturwissenschaften: «Damit erwarten wir auch im nächsten Jahr die grösste Bewegung im Bereich der Forschung und der Entwicklung», so die Antwort aus Basel.

SBBZurückhaltung bei Neubesetzungen. Wegen des wirtschaftlichen Abschwungs hat die SBB zwar keinen generellen, jedoch einen differenzierten Einstellungsstopp beschlossen: 2009 werden Stellen nur selektiv besetzt, es gibt ein strengeres Überprüfungs- und Bewilligungsverfahren. Wie sich dies auf den Stellenbestand auswirken wird, hängt wesentlich von der natürlichen Fluktuation ab. Derzeit haben die SBB gut 50 Stellen offen. Gefragt sind vor allem qualifizierte Fachleute aus den Bereichen IT, Finanzwesen und Ingenieure.

Siemens SchweizLeute gesucht, Stellen gekürzt. Bei der Stellensituation zeigt sich ein geteiltes Bild. Einerseits hat Siemens Schweiz viele offene Stellen zu besetzen (aktuell rund 100), gesucht werden besonders Elektroingenieure, aber auch Berufsfachleute im Bereich Gebäudetechnik oder Verkehrstechnik. Neue Stellen werden dort geschaffen, wo das Geschäft dies verlangt (z.B. im Bereich «Service»). Auf der anderen Seite sollen im Rahmen des weltweiten Restrukturierungsprogramms von Siemens in verwaltungsnahen Bereichen und bei zentralen Diensten (wie bereits im Sommer angekündigt) mehr als 12'500 Stellen wegfallen. Das weltweite Programm muss aber erst bis Ende 2010 umgesetzt sein. Bei Siemens Schweiz geht man davon aus, dass die Reduktion um 100 Stellen via Fluktuation umgesetzt werden kann.

SRGPlafonierung. Die Stellenzahl wird bei der SRG auf dem Niveau des Budgets 2008 plafoniert. Denn trotz tieferer Werbeeinnahmen stiegen die Personalkosten stärker als geplant. Zusätzlich zu den bereits laufenden Sparprogrammen über 100 Millionen Franken jährlich hat der SRG-Verwaltungsrat deshalb ein weiteres Paket geschnürt: Es umfasst Kürzungen in der Höhe von rund 20 Millionen – jeweils in den Jahren 2009 und 2010.

SwisscomMehrere hundert Stellen offen. Im laufenden Jahr verzeichnete Swisscom netto eher mehr Stellen als im Vorjahr, sei entstanden in kundennahen Bereichen: Callcenter, Shops (durch den Erwerb von Phone House), Servicetechniker, Home Service. Für 2009 ist es noch nicht klar, welcher Effekt grösser sein wird: Auf- oder Abbau? Grundsätzlich aber will die Swisscom auch im neuen Jahr weitere Arbeitsstellen in kundennahen Bereichen schaffen. Derzeit hat die Telecom-Firma mehrere hundert Stellen offen (das ist auch längerfristig für Swisscom ein üblicher Wert).

Swiss LifeGrösserer Stellenabbau. Der Lebensversicherer plant einen grösseren Stellenabbau, insbesondere am Schweizer Hauptsitz. Bis 2012 sollen rund 200 der 900 Jobs in der Zürcher Zentrale verschwinden, rund 50 weitere Stellen werden in andere Schweizer Geschäftseinheiten verschoben. Der Abbau soll weitestmöglich über die normale Fluktuation erfolgen. Immer noch hat Swiss Life viele Verkaufs- und IT-Stellen ausgeschrieben.

UBSWeitere Kürzungen? Die Grossbank ist daran, weltweit rund 5500 Stellen abzubauen, 1500 davon in der Schweiz; bis Mitte kommenden Jahres soll das Kürzungsprogramm abgeschlossen sein. In der Branche tauchen allerdings regelmässig Gerüchte auf, wonach die UBS demnächst eine weitere Stellenabbau-Runde einläuten werde. Derzeit hat die UBS aber auch über hundert Stellen in der Schweiz ausgeschrieben; gesucht werden zum Beispiel Berater und Informatiker, aber auch Backoffice-Leute und Juristen.

ValoraKein klarer Trend. Die Stellenzahl bleibe «grundsätzlich stabil», meldet das Unternehmen, wobei es in der Retail-Division (Kioske, Caffè Spettacolo) eher zu einem Aufbau kommen könnte. Ein allgemeiner Trend sei nicht sichtbar und folglich schwer bezifferbar. Grundsätzlich bestehe eher Bedarf bei qualifiziertem Personal.

Zurich Financial ServicesMassiv mehr Berater. Der Finanzkonzern plant derzeit keinen Stellenabbau. Vielmehr dürften die meisten Massnahmen darin bestehen, dass deutlich mehr Aufgaben und Prozesse länderübergreifend – und nicht mehr in jedem Land identisch – getätigt werden. Weiterhin gesucht bleiben Agenten: Zurich Schweiz legt im personellen Vertrieb einen stärkeren Fokus auf Lebensversicherungs- und Vorsorgelösungen und plant folglich, die Anzahl der Lebensversicherungs- und Vorsorgeberater bis 2010 massiv zu erhöhen. Zurich sucht derzeit in unterschiedlichen Bereichen und Funktionen neues Personal, beispielsweise im Aussendienst, in der Informatik, im Underwriting, im Aktuariat, im Bereich Schaden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.12.2008, 19:02 Uhr

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