Kampf um Lieferfristen im Onlinehandel spitzt sich zu

Interdiscount setzt bei der Liefergeschwindigkeit eine neue Marke. Wo die Konkurrenz steht und weshalb das Tempo im Onlinehandel entscheidet.

Lager bei Digitec in Zürich: Im Onlinegeschäft tobt ein Wettkampf um den schnellsten Weg zum Kunden.

Lager bei Digitec in Zürich: Im Onlinegeschäft tobt ein Wettkampf um den schnellsten Weg zum Kunden. Bild: Keystone

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Um zwei Stunden legt Interdiscount bei der Liefergeschwindigkeit zu. Wer bis 20 Uhr etwas bestellt, hat das Paket am nächsten Tag im Briefkasten. Voraussetzung ist allerdings, dass das Produkt im Zentrallager von Interdiscount in Jegenstorf vorrätig ist. Und ausgenommen sind grosse Küchengeräte, aber auch TV-Schirme mit einer Diagonale über 50 Zoll (127 Zentimeter).

Bis anhin galt bei Interdiscount 18 Uhr als Deadline für den Bestellungseingang mit Lieferung am nächsten Tag. Bereits mit diesen Lieferkonditionen hielt Interdiscount den aktuellen Schweizer Rekord. Beim grossen Konkurrenten Digitec werden Bestellungen bis 17 Uhr am folgenden Tag ausgeliefert. Bei ARP muss der Kunde vor 16.45 Uhr bestellt haben, bei Brack.ch liegt die Schwelle bei 16 Uhr.

Ein limitierender Faktor für die Händler kann die Post sein, wie das Beispiel von Brack.ch zeigt. Dort fährt die Post bereits um 19 Uhr zum letzten Mal beim Zentrallager in Willisau vor, um die Pakete für die Zustellung bei den Kunden einzusammeln. Bei Interdiscount hingegen erst um 22 Uhr.

Ausreizung des Zeitfensters

Die Logistik ist zum Schlüssel im Onlinegeschäft geworden. Wer im Internet bestellt, will die Ware so schnell wie nur immer möglich auch physisch haben. Im europäischen Umland wird auch mit Bestellungen bis 22 Uhr für die Zustellung am nächsten Tag geworben.

«Die Verfügbarkeit ist nebst dem fehlenden Produktkontakt die Einschränkung des Onlinegeschäfts im Vergleich zum stationären Handel», sagt Thomas Lang vom Beratungsunternehmen Carpathia. Dass bei Interdiscount der Prozess zwischen Kaufabschluss und Zustellung um zwei Stunden beschleunigt wurde, bezeichnet er für die Kunden nicht als Meilenstein. «Das setzt aber sicher die Mitbewerber unter Druck», so Lang.

Die Onlineanbieter haben den Faktor Liefergeschwindigkeit längst als Verkaufsargument entdeckt. Seither findet ein ständiger Wettkampf der Konditionen statt. Ein Trend in diesem Zusammenhang sind auch die Pick-up-Möglichkeiten. Microspot.ch, ebenfalls zu Coop gehörend, verspricht je nach Artikel und Standort, dass die Ware ab 17 Uhr bereitsteht, wenn der Kunde vor 12 Uhr bestellt hat.

Aufholjagd im Onlinegeschäft

Interdiscount nutzt die Geschwindigkeit für die eigene Aufholjagd. Denn im Onlinegeschäft hat diese Coop-Tochter den Anschluss verpasst. Das Marktforschungsunternehmen iBusiness schätzt den Onlineumsatz von Interdiscount auf 28,6 Millionen Franken, jenen von Marktführer Digitec auf 508,5 Millionen Franken.

Von Interdiscount selbst sind keine genauen Umsatzzahlen für das Onlinegeschäft erhältlich. Insgesamt hat dieses Coop-Unternehmen letztes Jahr einen Nettoerlös von 922 Millionen Franken erzielt. Das Onlinegeschäft habe um 87 Prozent zugelegt. Wichtiger Treiber sei dabei die Expresslieferung gewesen, heisst es bei Interdiscount.

Kampf der Logistikzentren

Der eigentliche Ausbau des Onlinegeschäfts steht bei Interdiscount erst noch bevor. Geplant ist ein neues Logistikzentrum am Sitz in Jegenstorf. Es soll sowohl für das Onlinegeschäft von Interdiscount wie auch Microspot.ch zur Verfügung stehen. Das Gebäude wird 23'000 Quadratmeter Fläche bieten, 170 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Das Baugesuch ist eingereicht.

Der Wettbewerb der Onlinehändler ist auch ein Kampf der Logistikzentren. Bei der Kapazität und der Technologie. Digitec hat bereits 2009 ein neues Zentrallager in Wohlen eingerichtet. Es bietet eine Nutzfläche von 21'500 Quadratmeter, 120 Mitarbeitende sind dort in der Logistik tätig.

Brack.ch nahm 2012 ein neues Logistikzentrum mit einer Betriebsfläche von 55'000 Quadratmeter in Willisau in Betrieb. Ein Teil der Anlage bildet ein Kleinteilelager, in dem Roboter die Produkte automatisch für den Versand rüsten. Im letzten Jahr wurde die Kapazität aufgestockt – von 70 auf 90 Roboter.

Erstellt: 21.07.2014, 15:30 Uhr

Vorläufig der schnellste Händler: Interdiscount.

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