Kampf um die Lufthoheit bei der Gategroup

Der Airlines-Caterer will drei neue Verwaltungsräte wählen lassen. Die Opposition tritt mit vier Kandidaten an.

Wechsel in der Chefetage? Die Verwaltungsratssitze bei der Gategroup sind begehrt.

Wechsel in der Chefetage? Die Verwaltungsratssitze bei der Gategroup sind begehrt. Bild: Keystone

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Die Generalversammlung vom 16. April verspricht spannend zu werden. Gleich sieben Kandidaten buhlen um die Gunst der Aktionäre. Und nicht zu vergessen die vier bestehenden Verwaltungsräte, die sich zur Wiederwahl stellen. Platz auf dem Ticket haben allerdings nur sieben Personen.

Grund für die reichhaltige Auswahl ist die Belagerung der Gategroup durch die beiden Investmentfonds RBR Capital Advisores und Cologny, die 11,7 Prozent am Airline-Caterer besitzen und vier eigene Verwaltungsräte ins Rennen schicken (TA vom 3. März). Die Angreifer drängen auf Veränderungen, weil sie unzufrieden sind mit dem Geschäftsgang in den letzten Jahren. Seit 2011 ist der Kurs massiv gefallen. Akquisitionen haben sich bis jetzt nicht ausbezahlt, die Kapitalrendite ist dürftig. Auch das abgelaufene Geschäftsjahr kennzeichnet sich durch bescheidene Fortschritte, wie am Donnerstag an der Bilanzmedienkonferenz ersichtlich wurde. Der Umsatz verharrt bei rund 3 Milliarden Franken, auch der operative Gewinn bewegt sich mit 168,6 Millionen Franken lediglich einen Hauch über dem Vorjahreswert. Der Gewinn verdoppelte sich zwar wegen eines geringeren Finanzaufwands, ist mit 40,8 Millionen Franken immer noch sehr bescheiden. Trotzdem sollen die Aktionäre eine 50 Prozent höhere Dividende einstreichen können.

Es habe sich 2014 «eine positive Geschäftsdynamik bemerkbar gemacht», lobte Gategroup-Chef Andrew Gibson das Ergebnis. Was daraus in diesem Jahr wird, kümmert ihn nicht mehr, denn am 31. März kehrt er dem Unternehmen den Rücken. Laut Geschäftsbericht wurde ihm 2014 das Salär um 1 Million auf 2,8 Millionen Franken erhöht. Die Sache richten soll ab April der in der Schweiz lebende Spanier Xaver Rossinyol, der bis jetzt das Europa-, Mittelost- und Asien­geschäft von Dufry leitete. Das Unternehmen betreibt in Flughäfen, See­häfen und anderen touristischen Hot­spots Läden.

Flugkunden stehen im Fokus

Für die opponierenden Aktionäre um RBR-Chef Rudolf Bohli ist Rossinyol eine falsche Wahl. Es mangle ihm an Erfahrungen mit Airlines. Was VR-Präsident Andreas Schmid vehement zurückweist. Sein Neuer beschäftige sich mit nichts anderem als mit dem Flugkunden, der ja auch im Zentrum von Gategroup stehe, betonte er am Donnerstag.

Die Erfahrung mit Gategroup-Kunden war erstaunlicherweise auch sonst ein Thema. Auf die Frage, weshalb das Unternehmen jetzt drei Verwaltungsräte auswechseln wolle, erklärte Schmid, dass das von ihm präsidierte Gremium etwas den direkten Kontakt zur Airline-Industrie verloren habe.

Das sollen nun die drei von Schmid vorgeschlagenen Kandidaten bringen. Paolo Amato war früher Finanzchef bei der chronisch unter Verlusten leidenden Alitalia. Anfang Jahr holte ihn Viktor Vekselberg zu Renova, wo er nun Finanzchef ist. Der Amerikaner David Barger leitete ab 2007 die US-Billigfluggesellschaft JetBlue. Im Februar dieses Jahres schied er aus, nachdem laut Berichten Investoren und Verwaltungsrat mit seinen Leistungen nicht mehr ganz zufrieden waren. Die Britin Julie Southern war von 2000 bis 2013 Managerin bei der britischen Virgin Atlantic Airways.

Andreas Schmid ist überzeugt, dass er die Mehrheit der Aktionäre hinter sich hat. Ginge es nach Rudolf Bohli, müsste auch Schmid schleunigst aus dem Verwaltungsrat verschwinden. An seiner Stelle portiert Bohli den früheren Finanzchef von Kühne & Nagel, Gerard van Kesteren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2015, 20:10 Uhr

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