Kanadisches Trend-Label gerät zwischen die Fronten

Die Festnahme der Huawei-Finanzchefin führt zu Boykotten in China. Besonders betroffen: Canada Goose.

Boykottaufrufe in China: Jacken von Canada Goose.

Boykottaufrufe in China: Jacken von Canada Goose. Bild: AP The Canadian Press

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Die Spannungen zwischen China und Kanada steigen. Wegen der Affäre um die Finanzchefin des chinesischen Telecomriesen Huawei, Meng Wanzhou, sind Berichten zufolge mittlerweile in China zwei Kanadier festgenommen worden: nach einem Ex-Diplomaten nun der Korea-Experte Michael Spavor. Das Vorgehen wird von Beobachtern als mögliche chinesische Vergeltung für die Festnahme der Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei angesehen.

Doch auch auf ein kanadisches Unternehmen hat der Konflikt mittlerweile Auswirkungen: Chinesische Konsumenten rufen auf sozialen Netzwerken wie Weibo zum Boykott kanadischer Marken und spezifisch des Luxusjackenherstellers Canada Goose auf. Die Marke stehe wie kaum sonst etwas für Kanada, sagte Bruce Winder vom Retail Advisors Network dem britischen «Guardian». Es sei deshalb sehr einfach, sie mit dem Konflikt zu verbinden.

Dämpfer für Expansionspläne?

Die Aktie von Canada Goose ist seit der Festnahme von Meng Wanzhou in Vancouver um 20 Prozent eingebrochen. Derweil sind die Titel der chinesischen Konkurrenzmarke Bosideng um 13 Prozent auf ein Fünfjahreshoch gestiegen. Bosideng stellt wie Canada Goose ebenfalls Daunenjacken her.

Canada Goose will in den nächsten Tagen seinen ersten Laden in Peking eröffnen. Ein regionaler Hauptsitz in Shanghai soll folgen. Chef Dani Reiss war letzten Monat in der chinesischen Hauptstadt und sagte noch einen Tag vor Meng Wanzhous Festnahme der kanadischen Zeitung «Globe and Mail»: «Unsere Marke ist hier sehr bekannt, das ist grossartig.»

Diesen Plänen könnte der aktuelle Streit zwischen Kanada und China über die Huawei-Finanzchefin einen Dämpfer verpassen. Analysten hatten davor gewarnt, dass kanadische Unternehmen einem erhöhten Druck ausgesetzt sein könnten, wenn China Strafmassnahmen gegen die Inhaftierung von Meng Wanzhou ergreife.

Schweizer kaufen weniger Canada-Goose-Parkas

Canada Goose ist derweil nicht nur wegen des Konflikts mit China in der Kritik, sondern auch wegen der verwendeten Felle und Daunen. Auch hierzulande lässt die Nachfrage nach den Parkas nach. Im Vergleich zum letzten Jahr sei der Verkauf der Jacken und Mäntel der Marke stark eingebrochen, sagte ein Galaxus-Sprecher dem Newsportal Watson. Das bestätigt ein grosser Player, der anonym bleiben wollte, dem Portal.

Hierzulande dreht der Wind bei Echtpelz. Lag dieser zwar in den letzten Saisons im Trend, wird der Umgang bewusster. Zuletzt hatte Jelmoli bekannt gegeben, bald keinen Echtpelz mehr zu verkaufen. Der Zürcher Club Hiltl hatte vor zwei Jahren ein Echtpelzverbot für seine Gäste erlassen.

Die Tierschutzorganisation Peta hatte bereits seit längerem Kampagnen gegen Canada Goose gefahren. Sie kritisiert Tierquälerei von Gänsen bei der Gewinnung der Daunen sowie die Behandlung der Kojoten, die für den Pelzbesatz angeblich in Stahlfallen gefangen, erschossen oder erschlagen werden.

In China dürfte derweil auch der Preis der Jacken ein Kriterium für den Boykott sein. Die Parkas von Canada Goose können über 1000 Franken kosten. «Ich werde Canada Goose boykottieren, weil ich es mir sowieso nicht leisten kann», schrieb denn auch ein Nutzer auf Weibo. «Die Aktien sind gefallen, aber die Preise nicht», ein anderer.

Gegen Kaution freigelassen

Im Fall Meng Wanzhou hatte ein Richter am Dienstag entschieden, sie bis zu einer Entscheidung über ihre Auslieferung an die USA gegen Zahlung einer Millionenkaution von der Haft zu verschonen. Die 46-Jährige muss allerdings unter strengen Auflagen und unter Bewachung in Vancouver bleiben.

Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump angedeutet, er könnte sich in den Fall einschalten, um die Handelsgespräche seines Landes mit China zu erleichtern. Kanadas Aussenministerin Freeland kritisierte dies: «Unsere Auslieferungspartner sollten nicht versuchen, den Auslieferungsprozess zu politisieren.»

Erstellt: 13.12.2018, 16:41 Uhr

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