Keine Feststimmung bei Tiffany

Die Entschädigung, die Tiffany an die Swatch Group zahlen muss, ist gemessen an der Ertragskraft des weltberühmten Schmuckhauses beträchtlich. Auch an der Börse wurde das Unternehmen abgestraft.

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Beim US-Schmuckhersteller Tiffany ist vorerst der Glanz weg, und es herrscht schwere Katerstimmung. Das zeigt sich auch am Aktienkurs. Die auch in Frankfurt (neben New York) gehandelten Titel lagen am Vormittag mit 3,9 Prozent im Minus. Grund ist das Urteil eines niederländischen Schiedsgerichtes, das Tiffany eine Schadenersatzzahlung im Umfang von 402 Millionen Franken an den Schweizer Uhrenhersteller Swatch Group aufgebrummt hat. Das entspricht rund 450 Millionen Dollar. Dazu kommen noch Zins- und Rechtskosten im Umfang von rund 9 Millionen Dollar.

Das Verfahren vor dem Schiedsgericht ist der Endpunkt einer Auseinandersetzung, die im Dezember 2007 als hoffnungsvolle Zusammenarbeit begonnen hatte. Die Swatch Group wollte Schmuckuhren für Damen unter dem renommierten Namen Tiffany herstellen, die das Schmuckhaus dann vertreiben sollte. Die Zusammenarbeit kam allerdings nicht wunschgemäss zustande. Im September 2011 verkündete die Swatch Group schliesslich ihr Ende mit der Begründung, Tiffany habe sich nicht an die getroffenen Vereinbarungen gehalten.

Viel Geld für die Ertragskraft von Tiffany...

Im Dezember 2011 folgte der Gang ans niederländische Schiedsgericht, wo die Schweizer Uhrenherstellerin einen Betrag zwischen 73 Millionen und 3,8 Milliarden Franken als Entschädigung für die Behinderung und Verzögerung der Vereinbarungen durch Tiffany geltend machte. Im März 2012 reagierte Tiffany mit einer Gegenklage am gleichen Schiedsgericht und verlangte seinerseits Schadenersatz in einer Bandbreite zwischen 120 und 540 Millionen Franken, weil Swatch die Zusammenarbeit auf ungerechtfertigte Weise abgebrochen habe.

Der Erfolg von Swatch ist für Tiffany nicht nur ein Gesichtsverlust. Er fällt für die Ertragskraft des Unternehmens dramatisch hoch aus: So ist die verlangte Zahlung nicht nur höher als der Gewinn des Schmuckhauses – mit seinen weltweit 275 Filialen – im letzten Jahr von 416 Millionen, sondern auch höher als jeder andere Jahresgewinn seit der Finanzkrise.

Eine Rückstellung für die Auseinandersetzung hat das Schmuckhaus nicht gebildet. Im Quartalsbericht vom 31. Oktober begründet das Tiffany mit der geringen Wahrscheinlichkeit eines Schiedsgerichtsurteils zugunsten von Swatch. Diese Einschätzung ist allerdings nicht unbedingt Resultat einer gewaltigen Fehleinschätzung, sie erfolgte wohl auch aus strategischen Gründen – um in der Auseinandersetzung mit der Swatch Group Entschiedenheit zu demonstrieren.

...aber keine existenzielle Gefahr

Laut dem «Wall Street Journal» will Tiffany das Ergebnis des letzten Quartals des laufenden Geschäftsjahres wegen der Zahlung an Swatch mit einem Betrag von 295 bis 305 Millionen Dollar belasten. In den ersten drei Quartalen hat Tiffany einen Gewinn von 285 Millionen Dollar erzielt. Gemessen an den Gewinnerwartungen für das gesamte Jahr wird diese Belastung zu einem Gewinneinbruch von rund 60 Prozent führen.

Kein Wunder, ist Tiffany-CEO Michael Kowalksi, wie er verlauten liess, «schockiert und extrem enttäuscht über das Urteil des Schiedsgerichts». Immerhin liess das Unternehmen auch verlauten, die nötigen Ressourcen für die Zahlung seien vorhanden. Ein Blick in die Bilanz bestätigt das: Tiffany hatte Ende Oktober 521 Millionen Dollar an Cash oder rasch liquidierbaren Mitteln verfügbar. Und im schlimmsten Fall verfügt das Haus über ein Schmucklager im Wert von 2,4 Milliarden Dollar, das allein ausreichen würde, das gesamte Fremdkapital mitsamt der Zahlung an die Swatch Group zu begleichen.

Für Letztere dagegen gleicht die Entscheidung des Schiedsgerichts einem Weihnachtsgeschenk, wie die Analysten der Bank Vontobel festhalten. Immerhin gehen sie davon aus, dass es weitere rechtliche Schritte geben wird, sodass in diesem Streit, der einst als hoffnungsfrohes Zusammenkommen begonnen hatte, das letzte Kapitel noch nicht geschrieben ist. Aber ein Happy End nach einer schwierigen Vorgeschichte, wie im berühmten Film «Breakfast at Tiffany's» mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle, ist weiterhin nicht abzusehen.

Erstellt: 23.12.2013, 14:18 Uhr

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