Keinen Stich mehr für Victorinox

An der Weltausstellung in Shanghai muss die 126 Jahre alte Traditionsfirma auf den Verkauf ihrer Offiziersmesser verzichten. Aus Angst vor Amokläufern.

Zogen in China schon mal die Massen an: Victorinox-Messer im «House of Switzerland» während der Olympiade 2008 in Peking.

Zogen in China schon mal die Massen an: Victorinox-Messer im «House of Switzerland» während der Olympiade 2008 in Peking.

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Pech für die Schwyzer Messerschmiede Victorinox, deren Sackhegel beziehungsweise Original Swiss Army Knives weltweit Kultstatus geniessen: Ihre Sackmesser dürfen an der Expo in Shanghai nicht mehr verkauft werden.

Betroffen sind auch die drei Schweizer Bergbahnen aus St. Moritz, Engelberg und Zermatt, die in Shanghai als Publikumsrenner eine 365 Meter lange Sesselbahn betreiben. Sie wollten mit knapp 6 Zentimeter langen Souvenirmesserchen für die Alpen werben. 7000 der Messer mit Klinge, Scherchen, Nagelfeile, Zahnstocher und Pinzette wurden im Mai auf dem Flughafen Zürich blockiert.

Schwyzer sind Global Player

Der Grund: Bei einer ganzen Reihe von Amokläufen in chinesischen Kindergärten kamen seit März zahlreiche Kinder durch Messerstiche ums Leben. Wie die «Handelszeitung» berichtet, haben die Behörden Einfuhr, Verkauf und Gratisabgabe von Messern deshalb verboten.

Einen weit schlimmeren Rückschlag hatte Victorinox problemlos weggesteckt: Nach den terroristischen Anschlägen mit Flugzeugen auf die Twin Towers in New York 2001 wurde der Verkauf von Sackmessern in den Dutyfree-Zonen der Flughäfen verboten. Die Schwyzer Vorzeigefirma ist aber längst zum Global Player geworden und bietet neben innovativen Sackmessern auch Uhren, Kleider, Reiseutensilien und Parfüms an – auch dies nicht ohne Zwischenfälle: Der Produktebus der Firma, der zurzeit mit Uhren durch ganz Europa tourt, wurde in München das Opfer eines 59-jährigen Stadtstreichers. Er hat gemäss der «Abendzeitung» mit einem Kollegen den ganzen Bus leer geräumt.

Erstellt: 17.07.2010, 17:00 Uhr

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