Khans Abgang war schon im letzten Winter beschlossene Sache

Der Manager soll etwas gegen CS-Chef Thiam in der Hand gehabt haben. Doch die Erklärung für seinen unüblich schnellen Wechsel ist eine andere.

Sein Jobwechsel führte zu wilden Spekulationen: Iqbal KhanFoto: G. Bolzern

Sein Jobwechsel führte zu wilden Spekulationen: Iqbal KhanFoto: G. Bolzern

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Warum konnte Iqbal Khan nach nur knapp drei Monaten von der Credit Suisse (CS) zur UBS wechseln? Lange wurde über die Gründe für den Blitzwechsel gerätselt. Unter normalen Umständen betragen die Kündigungsfristen von Topmanagern mindestens sechs, meist zehn oder zwölf Monate. Weil Khan zu seinem aussergewöhnlichen Wechsel schweigt, schossen die Spekulationen ins Kraut.

Eine These war, dass Khan «etwas in der Hand» gehabt haben soll gegen Tidjane Thiam, seinen ehemaligen Vorgesetzten und Konzernchef der Grossbank. Es sei etwas «ganz Schlimmes» zwischen Khan und seinem Ex-Chef vorgefallen. Dies hätte er in die Waagschale geworfen, um ohne Auflagen und nach nur drei Monaten zur UBS wechseln zu können.

Gentlemen’s Agreement ­ermöglichte Khans Jobsuche

Doch in Wahrheit war alles etwas anders. Wie aus internen Kreisen der CS zu hören ist, wurde die Trennung bereits im Winter beschlossen. Eine informelle Trennungsvereinbarung soll nach dem ominösen Neujahrsempfang im Hause Thiam getroffen worden sein. Tage nach dem lautstarken Streit sollen Khan und CS-Präsident Urs Rohner im Rahmen eines Gentlemen’s Agreement beschlossen haben, dass Khan die Bank verlassen wird.

Die Vereinbarung erlaubte es Khan, in einem pro forma ungekündigten Verhältnis einen neuen Job zu suchen. Rohner, Thiam und Khan einigten sich darauf, dass man bis zu seinem Ausscheiden weiterhin professionell zusammenarbeiten und dass Khan das zweite Quartal noch ordnungsgemäss abschliessen werde.

Das deckt sich auch mit Aussagen von CS-Präsident Rohner, die er in einem Interview mit der Redaktion Tamedia im Oktober machte: «Beide (Thiam und Khan) haben mir Anfang Jahr versichert, dass sie weiterhin vernünftig zusammenarbeiten werden. Das hat sich auch bestätigt, denn beide haben in den vergangenen Monaten gute Ergebnisse geliefert. Auch waren mit der Austrittsvereinbarung von Khan alle zufrieden. Damit war für uns ein einvernehmlicher Schlusspunkt gesetzt.»

CS will sich dazu nicht äussern

Nimmt man den Zeitpunkt der informellen Trennung im Januar als Ausgangspunkt der Auflösung des Arbeitsverhältnisses, ergibt sich eine Kündigungsfrist von neun Monaten – was wiederum dem normalen Rahmen entspricht. Die CS will sich dazu nicht äussern. Auch die UBS lehnte eine Stellungnahme ab. Aus dem Khan-Umfeld heisst es, dass es kein Gentlemen’s Agreement gegeben habe.

Offiziell aus dem Unternehmen ausgeschieden ist Khan per 1. Juli. Da er schon am 1. Oktober bei der UBS eine neue Stelle annahm, ­kamen Gerüchte auf, dass Khan irgendwelche Informationen oder andere Druckmittel anwandte. Man dachte: Weil es keine befriedigende Erklärung gebe, wieso die CS Khan so ungewöhnlich schnell abspringen liess, müsse doch etwas dahinterstecken.

Thiam: «Schlimmste Form der Verleumdung»

Was in Medien- und Bankkreisen kein Geheimnis ist: Khans Umfeld half mit bei der Verbreitung dieser Legende. Ein Khan-Vertrauter sagte es im Oktober so: «Was vorgefallen ist, ist so gravierend, dass ich es gar nicht sagen kann.» Dieses Narrativ wurde bis in höchste Chargen der UBS hinauf übernommen. Eine Bank-Sprecherin sagt: «Die UBS hat eine gründliche Sorgfaltsprüfung durchgeführt, basierend auf Fakten und nicht auf irgendwelchen Narrativen. Die Ergebnisse haben uns zufriedengestellt.» Es sei nicht an der Bank, Meinungen oder Spekulationen zu kommentieren.

Selbstverständlich hörte auch Thiam von den diffusen Anschuldigungen gegen seine Person. Doch er konnte sich nicht wehren, weil ja nie ein konkreter Vorwurf genannt wurde. Das Khan-Lager machte es sich einfach: Man sagte, er hätte etwas Schlimmes gemacht, sagt aber nicht, was es ist. Im privaten Kreis soll Thiam das als die «schlimmste Form der Verleumdung» bezeichnet haben.

«Draussen wie unter Männern regeln»

Nachdem sich der Staub jetzt gelegt hat, bleiben als Auslöser für das Karriereende von Khan bei der CS die Vorkommnisse an der Cocktailparty in Herrliberg ZH übrig. Vor bald einem Jahr lud der CS-Chef seine Geschäftsleitungskollegen mit Partnerinnen in seine Villa. Iqbal Khan und seine Frau, die nebenan wohnen, sollen sich bereits beim Eintreffen über die frisch gepflanzten Bäume beschwert haben.

Thiam, der zunächst in einem anderen Zimmer war, schaltete sich daraufhin ein und machte deutlich, dass dies nicht der Moment sei, nachbarschaftliche Probleme zu diskutieren. Doch Khan und seine Frau liessen nicht locker, sodass Thiam energischer wurde und zu Kahn sagte, dass er mit ihm die Angelegenheit auch «draussen wie unter Männern regeln» könne. Der mehr als einen Kopf kleinere Khan wertete dies als eine Bedrohung.

Khan eskalierte den Vorfall und wandte sich an Präsident Rohner. Dessen Schlichtungsversuche führten jedoch zu nichts. Für Thiam, den Chef, war klar: Er konnte und wollte mit dem aufmüpfigen Kollegen nicht mehr zusammenarbeiten. Mit diesem Eklat war das bereits zuvor stark belastete Arbeitsverhältnis zwischen den beiden nicht mehr zu retten.



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Erstellt: 15.12.2019, 13:52 Uhr

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