Hintergrund

Kleine Airlines erobern den Schweizer Himmel

Persönlicher und überschaubarer: Zumeist abseits der grossen Schweizer Flughäfen tummeln sich kleine Airlines wie Skywork, Intersky oder Darwin. Wie sie sich in den Nischenmärkten behaupten.

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Mit Swiss ab Zürich-Kloten, Basel-Mulhouse oder Genf-Cointrin fliegen – ein Klassiker für viele Schweizer Flugreisende. Nun mischen aber zunehmend kleine Flughäfen im Markt mit (wir berichteten). Während sich die Swiss auf die drei grössten Schweizer Airports konzentriert, bieten kleinere Fluggesellschaften vermehrt Flüge ab diversen kleinen Flughäfen an. Sie füllen Nischen aus, die von grösseren Airlines nicht oder nicht mehr bedient werden, schrieb die «SonntagsZeitung» diesen Frühling. Die Kleinen setzten auf den Heimvorteil, persönlicheren Service und oftmals besseres Essen an Bord.

Eine der kleinen Airlines ist Intersky, die 2001 gegründete Bodensee-Airline. Zwar fliegt sie mit ihren drei Bombardier Q300 hauptsächlich ab Friedrichshafen, aber auch aus der Schweiz heraus werden Flüge angeboten: Ab Zürich das kroatische Zadar und das italienische Elba, und letztere Destination auch ab Genf. Ziele ab Friedrichshafen sind beispielsweise Berlin, Düsseldorf, Wien, Hamburg, Sardinien, Split und Menorca.

Persönlichere Stimmung an Bord

Warum sollte jemand lieber mit einer kleinen und regionalen Airline fliegen? «Die Vorteile sind sicherlich die persönliche Stimmung, die der Gast an Bord erfährt», sagt Verkaufs- und Marketingleiter Roger Hohl auf Anfrage. «Bei 50 Sitzen pro Maschine haben die Angestellten noch Zeit, sich um den Passagier zu kümmern.» Weiter seien die Check-in-Zeiten an den Flughäfen für sämtliche Kunden kurz, nicht nur für diejenigen mit Business-Class-Buchungen. Seit Mai seien auch wieder alle Getränke und Snacks an Bord inklusive. «Wir sind zudem die einzige deutschsprachige Airline, die das ‹Playboy›-Magazin an Bord hat», sagt Hohl augenzwinkernd.

Der Schweizer Anteil bei den Intersky-Passagieren ist in diesem Jahr um 35 Prozent auf 10,5 Prozent gestiegen. Hohl begründet dies mit dem Ausbau des Flugangebots ab der Schweiz. «Absolute Passagierzahlen kommunizieren wir unter dem Jahr aus Tradition keine.» 2011 betrug die gesamte Anzahl Fluggäste jedenfalls 189'000. Sie könnte kommendes Jahr ansteigen, wenn zwei neue Flugzeuge zur Intersky-Flotte stossen werden. Mit den zwei fabrikneuen ATR 72–600 aus dem Hause EADS verdoppelt sich das Sitzplatzangebot, und die Belegschaft soll von 100 auf 200 Personen aufgestockt werden.

Zwei Stunden nach Auftragseingang starten

Eine Nische gefunden hat auch Helvetic Airways. Die Airline, seit 2006 im Besitz von Bankier Martin Ebner und dessen Frau Rosmarie, fliegt ab Zürich und Bern unter anderem nach Catania, Brindisi oder die Insel Usedom. Sie bedient auch Destinationen, die sonst kein Schweizer Anbieter anfliegt, etwa Rostock, Bristol oder Cardiff. Rund die Hälfte aller Flüge sind Codeshares mit der Swiss. Laut «SonntagsZeitung» hat man neben den Freizeitreisenden die lukrativen Geschäftskunden im Visier. 2011 flogen mehr als 600'000 Passagiere mit der Fluggesellschaft, die über sechs Fokker-100-Jets verfügt.

Vor allem auf Charterflüge konzentriert sich die Basler Airline Hello, die vom ehemaligen Crossair- und Swissair-Chef Moritz Suter gegründet wurde. Reiseveranstalter für Badeferien, aber auch etwa Fussballteams, Orchester, Pilger oder andere Airlines nutzen die Dienste von Hello. Wenn Kapazitäten vorhanden sind, kann einer der vier Airbus A320 von Hello bereits zwei Stunden nach Auftragseingang starten.

Sich mit Service von der Konkurrenz abheben

Als «grösste Airline, die voll in Schweizer Hand ist» bezeichnet sich Skywork mit Homebase in Bern. «Wir operieren in der Nische», sagte Skywork-Mitinhaber Daniel Borer gegenüber der «SonntagsZeitung». Man könne sich einzig via Service von der Konkurrenz abheben, vor allem mit gutem Personal. Es komme immer wieder vor, dass die Flugbegleiter ihre Stammkunden wiedererkennen, so Borer weiter. Die Anonymität einer grossen Airline komme hier noch nicht auf.

Skywork, ursprünglich als Flugschule gegründet, bedient mit ihrer Flotte von sieben Maschinen (drei Bombardier Dash-8 Q400 und vier Fairchild Dornier 328-110) 25 Destinationen in Europa. Dazu gehören unter anderem Barcelona, London City, Berlin, Paris und Amsterdam. Die Airline beförderte 2011 via Flughafen Bern-Belp 87'000 Passagiere.

Gegründet, um Monopol anzugreifen

Der jüngste Zuwachs bei den Nischenairlines kommt aus der Ostschweiz. Die am Flughafen St. Gallen-Altenrhein stationierte People’s wurde 2011 kurzerhand vom Flughafenbesitzer Markus Kopf gegründet. Dies, weil das Monopol von Austrian Airlines auf der Strecke St. Gallen-Wien zu steigenden Preisen und sinkendem Service geführt hatte und die Passagiere nach Friedrichshafen abwanderten. Bereits nach einem Jahr beförderte People’s, die über genau eine Embraer-170-Maschine verfügt, mehr Passagiere auf dieser Strecke als die Konkurrenz.

Die Nische im Tessin hält Darwin Airline. Die Fluggesellschaft, deren Flotte aus sechs Saab 2000 und zwei Bombardier Dash Q400 besteht, fliegt mehrheitlich ab Lugano und Genf und hat vorwiegend Destinationen in Italien im Programm. Aber auch beispielsweise Luxemburg, Valencia oder Nizza sind Teil des Flugplans. Ab Zürich wird ein Direktflug nach Genua angeboten. Diese und andere Verbindungen finden im Codeshare mit Swiss statt. Im Gegensatz zu den anderen Nischenairlines hat Darwin jedoch zu kämpfen: Rund 30 Prozent der Mitarbeitenden wurde Kurzarbeit verordnet, und die Strecken Genua-Genf sowie Genf-Luxemburg wurden gestrichen.

Erstellt: 07.08.2012, 10:51 Uhr

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