Kleine Kantonalbanken, grosse Probleme

Die Erträge schmelzen, die Kosten steigen – den meisten Kantonalbanken droht eine ungewisse Zukunft.

Hauptsitz der Basler Kantonalbank in Basel (20. Februar 2014).

Hauptsitz der Basler Kantonalbank in Basel (20. Februar 2014). Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Die Kantonalbanken besitzen am ausstehenden Obligationsvolumen der Inlandschuldner einen Marktanteil von rund 10 Prozent. Das entspricht 29 Milliarden Franken. Spitzenreiter ist die Zürcher Kantonalbank mit einem Emissionsvolumen von 8,4 Milliarden.

Für Investoren hat dieses Stück Kuchen am Obligationenmarkt Gewicht – für die Kreditanalysten der Bank Vontobel Grund genug, die zehn wichtigsten Kantonalbanken dieses Marktes genauer unter die Lupe zu nehmen. Vor allem wollten sie wissen, wie es um die Kreditwürdigkeit dieser Banken unter Ausblendung ihrer Staatsgarantie bestellt ist. Ihr gutes Rating erhalten die Staatsbanken vor allem auch wegen der Absicherung durch die jeweiligen Kantone.

Staatsgarantie schönt das Bild

Ohne diese Sicherheitsgarantien stünde es um die Kreditwürdigkeit der zehn Kantonalbanken wesentlich schlechter. Vor allem die Ratings der Kantonalbanken von Basel Stadt, St. Gallen und Thurgau sähen ohne Staatsgarantie um einiges düsterer aus. Nicht viel besser stünde es unter Ausklammerung der Staatsgarantie um die Einstufungen der Kantonalbanken von Zug und Zürich. Im Vergleich zu anderen Banken stehen die Kantonalbanken allerdings auch so immer noch relativ gut da.

Die Vontobel-Forscher wollten es genauer wissen: Sie unterzogen die zehn Kantonalbanken einem Stresstest. Sie nahmen einen Einbruch der Immobilienpreise um 30 Prozent über alle Regionen hinweg an. Das hätte für die zehn Banken einen Kreditausfall von 2,9 Milliarden Franken zur Folge. Davon könnten die Banken 2,2 Milliarden Franken über ihre Rückstellungen für Kreditausfälle auffangen. Alle zehn Banken sind so gut kapitalisiert, dass sie den Preiszerfall verkraften könnten. Gemäss Vontobel-Studie würden alle auch im Stressszenario mit ihrer Kapitalisierung über der Limite bleiben, bei der die Finanzmarktaufsicht (Finma) intervenieren würde. Die Kantonalbanken von Zürich, Basel-Stadt und St. Gallen würden allerdings die über der Interventionsgrenze liegenden Anforderungen der Finma unterschreiten.

Dominik Meyer, Chef des Credit Re­search von Vontobel, warnt allerdings davor, zu sehr auf die Kapitalstärke zu fokussieren. Für das Überleben der Banken sei der Mix ihrer Geschäftsbereiche und die Grösse der Bank ebenso von Bedeutung. Vor allem im Zinsdifferenzgeschäft, das bei den untersuchten Banken zwischen 56 und 81 Prozent der Erträge ausmacht, verengen sich die Margen angesichts der Tiefzinssituation immer mehr. Im Handelsgeschäft brechen die Volumen ein. Kreditanalyst Rocco Schilling sieht auf der Ertragsseite «überall negative Effekte». Auf der Kostenseite ist es nicht besser: Vor allem die Informatik und regulatorische Vorgaben verteuern das Geschäft.

Zu viele Kantonalbanken?

Schilling räumt ein, dass es wenig Möglichkeiten gibt, dieser Situation zu begegnen. Sein Rezept lautet: «Um das Ergebnis stabil zu halten, braucht es mehr Kooperation unter den Kantonalbanken.» Meyer doppelt nach: «Um die Kosten zu senken, muss man eine gewisse Grösse erreichen.» Er ist überzeugt, dass die Diskussion über eine Konsolidierung unter den Kantonalbanken neu entfacht wird – «zumal kleinere Kantone nicht in der Lage wären, ihre Kantonalbank zu retten». Es fallen die Namen Appenzell und Obwalden.

Eine Umfrage von Vontobel unter Investoren und Vertretern der Kantonalbanken zeigt allerdings, dass die grosse Mehrheit nicht damit rechnet, dass die heutige Zahl von 24 Kantonalbanken ­wesentlich schrumpfen wird. Ein gutes Viertel der Befragten geht davon aus, dass es in zehn Jahren noch immer 24 Kantonalbanken geben wird. Die grosse Mehrheit – 60 Prozent – nimmt an, dass die Zahl auf unter zwanzig Institute fallen wird. Nur gerade 2 Prozent sehen dramatische Entwicklungen auf die Staatsinstitute zukommen. Sie tippen auf einen Konsolidierungsprozess, an dessen Ende weniger als zehn Kantonalbanken übrig bleiben werden.

Für Vontobel-Mann Dominik Meyer wäre das kein Unglück. Mit Blick auf die Kantone Solothurn und Appenzell Ausserrhoden, die keine eigene Kantonalbank mehr haben, sagt er: «Es ist ja nicht so, dass diesen Kantonen etwas fehlt.»

Erstellt: 23.09.2014, 19:43 Uhr

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