Hintergrund

Konsumentenschützer blasen zum Halali auf die Banken

Der Konsumentenschutz und die Zeitschriften «K-Tipp» und «Beobachter» leisten jetzt Schützenhilfe für geprellte Anleger. Mit Musterbriefen können Bankkunden einbehaltene Kickbacks zurückfordern.

«Der einzelne Kunde kann sich gegen eine Bank kaum durchsetzen.» Sara Stalder von der Schweizerischen Stiftung Konsumentenschutz.

«Der einzelne Kunde kann sich gegen eine Bank kaum durchsetzen.» Sara Stalder von der Schweizerischen Stiftung Konsumentenschutz. Bild: Keystone

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Das Thema Retrozessionen beschäftigt die Konsumentenorganisationen schon seit Jahren. Der Kunde der UBS, der vor dem Bundesverwaltungsgericht letzte Woche einen wichtigen Sieg erstritt, wurde dabei von der Konsumentenzeitschrift «K-Tipp» unterstützt. Ohne die Rückendeckung der Konsumentenzeitschrift hätte er den fünfjährigen juristischen Kampf wohl schwerlich durchgestanden. Jetzt ist klar, dass Banken die Retrozessionen, Kickbacks oder Vertriebsentschädigungen, die sie zum Beispiel von Fondsverwaltern erhalten, an ihre Kunden weitergeben müssen.

Doch die Banken sehen sich nicht veranlasst, ihren Kunden das während der letzten zehn Jahre einbehaltene Geld zurückzuzahlen. «Das Urteil dürfte nur für eine beschränkte Zahl von gleichgelagerten Vermögensverwaltungsmandaten relevant sein. Die Anwendung des Urteils auf andere Fälle wird man im Einzelfall prüfen müssen», hiess es bei der Bankiervereinigung. Die UBS will «von Kunden geltend gemachte Ansprüche von Fall zu Fall beurteilen», erklärte die UBS. Auch die Credit Suisse will sich das Bundesgerichtsurteil erst mal «im Detail anschauen».

Musterbriefe online

Angesichts dieser Reaktionen wollen der Schweizerische Konsumentenschutz (SKS) und die beiden Konsumentenzeitschriften «K-Tipp» und «Beobachter» Vermögensverwaltungskunden weiter Schützenhilfe leisten. Der SKS hat auf seiner Homepage einen Musterbrief platziert, den jeder einfach herunterladen kann. «Als Kunde allein gegen eine Bank etwas zu erreichen, ist sehr schwierig», sagt Sara Stalder vom SKS. Der Brief ist so formuliert, dass Banken das Ansinnen ihrer Kunden nicht einfach abweisen können.

Bei der Ausarbeitung des Briefes hat der Konsumentenschutz mit dem Magazin «Beobachter» zusammengespannt. «Wir haben den Musterbrief heute online gestellt», erklärt der stellvertretende Chefredaktor des «Beobachter», Matthias Pflume. Darin werde die Bank aufgefordert, den Kunden über alle erhaltenen Kommissionen aufzuklären und ihm diese auf sein Konto gutzuschreiben. Abonnenten des Magazins könnten sich zudem telefonisch beraten lassen.

Der SKS hat im Sommer 2011 eine Umfrage unter den Banken durchgeführt. «Dabei zeigte sich, dass einzig die Alternative Bank transparent Auskunft über die erhaltenen Retrozessionen gibt.» Alle anderen Banken informieren allenfalls über Bandbreiten und in allgemeiner Weise und reklamieren die erhaltenen Kommissionen als «Vertriebsentschädigungen» für sich. Ihre Antworten kann man auf der Webseite des SKS nachlesen.

Zehntausende betroffen

Beim «K-Tipp», bei dem man ebenfalls einen Musterbrief herunterladen kann, erhalten Abonnenten auch rechtlichen Rat. Umstritten ist zum Beispiel, ob die Verzichtserklärungen, die die Banken von Kunden unterschreiben liessen, tatsächlich rechtsgültig sind. «Man kann nur auf etwas gültig verzichten, wenn man weiss, worum es sich dabei handelt», erklärt der publizistische Leiter von «K-Tipp» und «Saldo», René Schuhmacher.

Schuhmacher schätzt, dass von den einbehaltenen Retrozessionen Zehntausende von Bankkunden betroffen sind. «Viele Leute lassen ihr Vermögen von der Bank verwalten.» Das Bundesgerichtsurteil gelte dagegen nicht für Kunden, die lediglich Fondsanteile über ihre Bank kaufen, ohne dass damit ein Vermögensverwaltungs- oder Beratungsauftrag verbunden ist. «Hier handelt es sich um einen reinen Verkauf, für den die Bank Vertriebsentschädigungen beziehen darf», sagt Schuhmacher.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.11.2012, 14:08 Uhr

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