Krippengeld zurück, wenn das Kind krank ist

Die Zurich-Versicherung entschädigt Familien, wenn Kinder wegen Krankheit oder Unfall die Kinderkrippe nicht besuchen können. Ein hilfreiches Angebot oder ein Kundenfänger?

Wird wohl manchmal krankheitshalber nicht in die Krippe können: Ein Baby wird in einer Westschweizer Kindertagesstätte von einer Betreuerin gefüttert.

Wird wohl manchmal krankheitshalber nicht in die Krippe können: Ein Baby wird in einer Westschweizer Kindertagesstätte von einer Betreuerin gefüttert. Bild: Laurent Gilliéron/Keystone

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Eine Vulkanversicherung, wenn der Flug wegen Aschewolken annulliert wird: Dies bietet die Europäische Reiseversicherung an. Eine Regenversicherung, wenn die Ferien zu nass werden: Das gab es bei der Allianz Global Assistance, doch wegen ausbleibender Kunden wurde sie letztes Jahr aus dem Angebot genommen. Eine Hochzeitsversicherung für den Fall, dass der «schönste Tag im Leben» abgesagt werden muss: So etwas bietet die Zurich an.

Nun lanciert die Zurich ein weiteres Produkt: Die Kinderkrippenversicherung (siehe Infobox). Diese zahlt Familien, deren Kinder wegen Krankheit oder Unfall die Kinderkrippe oder den Hort nicht besuchen können, die Kosten für nicht genutzte Betreuungstage zurück. Denn normalerweise gilt: Nicht bezogene Krippentage müssen voll bezahlt werden; sie rückzuerstatten oder zu verschieben, geht nicht. Bei Tagespreisen von um die 120 Franken können einige Fehltage pro Jahr in die Hunderte gehen, bei mehreren Kindern pro Familie gar in die Tausende.

Erfinderische Versicherungsbranche

Regen-, Vulkan-, Hochzeits- und Kinderkrippenversicherungen: ein Trend? «In der Tat. Für immer mehr Dinge im Leben werden Versicherungen lanciert», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, auf Anfrage. «Die Branche ist sehr erfinderisch.» Meistens seien es Pseudoversicherungen mit wenig Kundennutzen, die vor allem als Lockvogelangebote dienen. So kämen die Versicherer an die Daten der Kunden und könnten diesen weitere Versicherungen verkaufen. Auch die Kinderkrippenversicherung sei ein solcher Kundenfänger, so Stalder.

Doch je nachdem, ob die Kinder einer Familie öfters mehrere Tage krank sind und nicht in die Kinderkrippe gehen können, könne die Versicherung durchaus nützlich sein. Grundsätzlich ist der Konsumentenschutz allerdings der Meinung: «Nur dort Versicherungen abschliessen, wo hohe Beträge im Schadensfall entstehen können, die man nicht selber bezahlen kann – etwa bei Haftpflichtansprüchen oder beim Hausrat.» Jede Familie müsse individuell abklären, ob für sie die Kinderkrippenversicherung sinnvoll sei. Anstatt viele Pseudoversicherungen abzuschliessen, sei es ratsamer, regelmässig Geld auf die Seite zu legen, um im Notfall ein finanzielles Polster zu haben.

Lieber auch für Kinder über fünf Jahren

Aus Sicht des Verbands Kinderbetreuung Schweiz (Kibesuisse) ist die Kinderkrippenversicherung zwar «nur» Symptombekämpfung, da das Problem der teuren familienergänzenden Kinderbetreuung so nicht gelöst werde, sagt Co-Geschäftsleiterin Talin Stoffel. «Doch immerhin entlastet die Versicherung das Familienbudget.» Die Preise für externe Kinderbetreuung seien in der Schweiz zwar nicht höher als in vergleichbaren Ländern, allerdings seien die Kosten, die die Eltern bezahlen müssen, sehr hoch. «Hierzulande tragen sie durchschnittlich zwei Drittel der Betreuungskosten selber, das ist der höchste Wert im Vergleich zu den Nachbarstaaten», so Stoffel. Zum Vergleich: In Frankfurt etwa betrage der selber bezahlte Anteil im Schnitt 14 Prozent. «Kibesuisse würde es begrüssen, wenn sich der Staat und die Arbeitgeber bei der Finanzierung von Kinderbetreuungsplätzen stärker engagieren würden.»

Ein Vorteil der Kinderkrippenversicherung ist laut Stoffel zudem, dass es damit zu weniger Diskussionen zwischen Eltern und Kindertagesstätten führt, wenn es ums Rückerstatten oder Verschieben nicht bezogener Betreuungstage geht.» Doch bei Kibesuisse würde man es begrüssen, wenn das Angebot nicht nur in anerkannten Kinderkrippen und Kinderhorten gelten würde, sondern auch in der institutionellen Tagesfamilienbetreuung – also Organisationen mit Tagesmüttern und -vätern in einem Anstellungsverhältnis. «Ebenso wäre es sinnvoll, wenn auch über fünfjährige Kinder, die einen Hort besuchen, in den Genuss der Versicherung kämen.»

Erstellt: 14.08.2015, 17:46 Uhr

Die Kinderkrippenversicherung der Zurich

Vor wenigen Wochen hat die Zurich eine Kinderkrippenversicherung lanciert – nach eigenen Angaben als erster Versicherer. Familien, deren Kinder wegen Krankheit oder Unfall die Kinderkrippe nicht besuchen können, erhalten die Kosten für nicht genutzte Betreuungstage zurückerstattet.
Für ein Jahr beträgt die Prämie für die Kinderkrippenversicherung 288 Franken pro Familie, es sind alle Kinder bis fünf Jahre darin eingeschlossen. Die Rückerstattung erfolgt ab dem dritten Krankheits- oder Unfalltag und beträgt maximal 150 Franken pro Tag respektive 5000 Franken pro Jahr. Bei subventionierten Krippenplätzen wird nur das Geld ausbezahlt, das man effektiv für den Platz zahlt. Ein Arztzeugnis ist erst bei Abwesenheiten von mehr als vier Tagen vorzulegen. Versichert sind auch Kinder, die einen Hort besuchen, sofern sie noch nicht fünfjährig geworden sind. Nicht versichert sind jedoch Beiträge an Nannys, Babysitter, Tagesfamilien usw. Die Kinderkrippen-Versicherung abgeschlossen haben bisher rund zwei Dutzend Familien, wie die Zurich mitteilt. (or)

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