Kritik an Kühne + Nagels Lohnpolitik

Verwaltungsratspräsident Karl Gernandt verdiente 4,3 Millionen Franken für 2014 – 19-mal mehr als seine Kollegen im Aufsichtsgremium des Logistikkonzerns. Das ist nicht die einzige Auffälligkeit.

Grossaktionär Klaus-Michael Kühne verdiente als Ehrenpräsident 800'000 Franken für 2014. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Grossaktionär Klaus-Michael Kühne verdiente als Ehrenpräsident 800'000 Franken für 2014. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

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Karl Gernandt darf sich glücklich schätzen. Der Verwaltungsratspräsident von Kühne + Nagel erhält mehr Lohn als Konzernchef Detlef Trefzger. In der Schweiz ist eine solche Konstellation die ganz grosse Ausnahme. Normalerweise verdient der Chef deutlich besser als der Präsident, schliesslich arbeitet Letzterer in den meisten Fällen auch nicht vollamtlich für das Unternehmen.

Weshalb dies beim Logistikkonzern mit Sitz in Schindellegi SZ anders ist, geht weder aus dem Geschäftsbericht hervor, noch wird der Umstand vom Unternehmen begründet. Kurz vor der Generalversammlung, die am Dienstag stattfindet, wolle man zu einzelnen Traktanden keine Stellung nehmen, so eine Sprecherin.

Der einzige Umstand, der einen Erklärungsansatz bietet, ist der Zusatz «exekutiv», der dem Titel Gernandts anhaftet. Allerdings ist auch hier nicht in Erfahrung zu bringen, in welcher Form der 54-jährige Deutsche exekutiv tätig ist. Klar ist, dass Gernandt als Vertrauensmann des Mehrheitsaktionärs Klaus-Michael Kühne fungiert.

«Exzessive Summe»

Gernandt ist Delegierter des Verwaltungsrats der Kühne Holding, über welche die Mehrheitsbeteiligung von Klaus-Michael Kühne gebündelt ist. Zudem ist Gernandt Stiftungsrat der Kühne-Stiftung, die weitere 4,4 Prozent am Unternehmen hält. Schliesslich sitzt er im Aufsichtsrat des deutschen Fussballclubs HSV. Kühne ist an der Aktiengesellschaft der Hamburger mit 7,5 Prozent beteiligt.

Bei Kühne + Nagel hat Gernandt für 2014 knapp 4,3 Millionen Franken erhalten. Dies ist das 19-Fache der durchschnittlichen Vergütung der übrigen Verwaltungsräte. Diese Summe sei exzessiv, sagt Vincent Kaufmann, stellvertretender Direktor des Genfer Stimmrechtsberaters Ethos. Wenig Verständnis hat er auch für das Honorar von Klaus-Michael Kühne, der als Ehren­präsident nach wie vor im Verwaltungsrat sitzt. Er erhielt für 2014 knapp 800'000 Franken – das ist mehr als doppelt so hoch wie das Honorar der beiden Vizepräsidenten.

Eine weitere Kuriosität findet sich in der Person von Thomas Staehelin. Der Basler Profi-Verwaltungsrat sitzt bereits ganze 37 Jahre im Aufsichtsgremium von Kühne + Nagel. Da es aus der Sicht von Ethos bereits genügend Vertreter des Mehrheitsaktionärs Klaus-Michael Kühne im Verwaltungsrat gibt, ist der Stimmrechtsberater gegen Staehelins Wiederwahl. Dieser sitzt zusammen mit Kühne, Gernandt und Vizepräsident Jörg Wolle auch im Verwaltungsrat der Kühne Holding.

Mangelnde Transparenz

Ethos moniert zudem die beantragten Maximalbeträge für die künftige Vergütung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung. Für Letztere fordert das Unternehmen an der Generalversammlung vom Dienstag eine Summe von 22,4 Millionen Franken, über 70 Prozent mehr als das, was die Geschäftsleitung für 2014 bezog. Für den Verwaltungsrat beträgt der Aufschlag knapp 44 Prozent. «Dies ist ein exemplarisches Beispiel eines Blankochecks, den wir bei prospektiven Abstimmungen kritisieren», sagt Kaufmann von Ethos.

Die beantragten Summen würden nicht näher definiert, etwa welcher Teil als fixe oder als variable Vergütung ausbezahlt werde. «So kann der Verwaltungsrat mit diesen Beträgen machen, was er will.» Kaufmann bemängelt insgesamt die ungenügende Transparenz und bezeichnet das Vergütungssystem von Kühne + Nagel als unbefriedigend.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.05.2015, 20:47 Uhr

Karl Gernandt, VR-Präsident.

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