Kurswechsel bei der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank trennt sich sieben Jahre nach ihrem Einstieg bei der Postbank von der Mehrheit des Geldhauses.

Keine Zukunft mit der Deutschen Bank: Das Logo der Postbank ausserhalb des Hauptsitzes in Bonn. (Archivbild)

Keine Zukunft mit der Deutschen Bank: Das Logo der Postbank ausserhalb des Hauptsitzes in Bonn. (Archivbild) Bild: Reuters

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Der Aufsichtsrat beschloss den Kurswechsel in einer mehrstündigen Sondersitzung, wie die Bank am Abend in Frankfurt mitteilte. Die Postbank werde «entkonsolidiert», hiess es in der Mitteilung der Bank. Damit hält sich das Institut die Art der Trennung offen. Möglich ist ein Komplettverkauf oder auch die Platzierung grösserer Aktienpakete an der Börse. Die Bank wolle ihren Anteil «mindestens unter 50 Prozent verringern», erklärte ein Sprecher.

Auch das schwankungsanfällige Investmentbanking muss Federn lassen und seine Geschäfte reduzieren. Der Konzern kündigte zudem an, seine Auslandsaktivitäten stärker zu konzentrieren. Wie viele Stellen im Konzern wegfallen, blieb zunächst offen. Details will Deutschlands grösstes Geldhaus am Montag bekannt geben.

Gewerkschaft wird aktiv

Die Gewerkschaft Verdi, die mit etlichen Vertretern im Kontrollgremium vertreten ist, kündigte an, in den weiteren Verhandlungen den Kündigungsschutz durchsetzen zu wollen, für den Hunderte Postbanker seit Wochen auf die Strasse gehen. «Der nächste anstehende Schritt für Verdi ist jetzt, Beschäftigungssicherheit für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Konzern zu schaffen und den Verzicht auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen durchzusetzen», erklärte Gewerkschaftsboss Frank Bsirske.

Die Deutsche Bank reagiert mit ihrer neuen Strategie auf die immer strengeren Anforderungen der Aufseher zum Beispiel in Sachen Kapitalausstattung. Zudem hofft das Management, dass eine geschrumpfte Universalbank wieder dauerhaft profitabler sein kann.

Nicht auf Reiche konzentrieren

Über Wochen und Monate hatten Aufsichtsrat und Vorstand um den künftigen Kurs gerungen. Auf dem Tisch lag auch eine noch radikalere Variante: Eine Abtrennung des kompletten Privatkundengeschäfts inklusive der Filialen unter der Kernmarke Deutsche Bank. Der Konzern hätte sich in diesem Modell wie erfolgreiche US-Konkurrenten auf Kapitalmarktgeschäft, Zahlungsverkehr und Vermögensverwaltung für Reiche konzentriert.

Vor diesem Schritt scheute das Institut aber doch zurück. Stattdessen kündigte die Bank nun an, in das Privatkundengeschäft unter der Marke Deutsche Bank zu investieren. Weiter ausgebaut werden soll das erfolgreiche Transaktionsgeschäft für grosse Kunden.

Bei der Postbank war die Deutsche Bank mitten in der Finanzkrise im September 2008 mit knapp 30 Prozent als grösster Einzelaktionär eingestiegen. Gut zwei Jahre später sicherte sich Deutschlands grösstes Geldhaus die Mehrheit an dem Bonner Institut. Zuletzt kontrollierte die Deutsche Bank 94,1 Prozent der Postbank-Anteile.

Ackermanns Strategie

Mit der Übernahme der auf Privatkunden spezialisierten einstigen Post-Tochter wollte der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann den Deutsche-Bank-Konzern unabhängiger vom schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft machen. Gut 6 Milliarden Euro kostete der Deal, die hohen Erwartungen erfüllten sich jedoch nie.

Angestrebt war, den Vorsteuergewinn der um 14 Millionen Kunden erweiterten Privatkundensparte mittelfristig auf 3 Milliarden Euro zu steigern. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 1,3 Milliarden.

Ziele nicht erreicht

Auch die Ziele der seit Juni 2012 amtierenden Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen wurden nicht erreicht: Der Konzern wirtschaftet bei weitem nicht so profitabel wie erhofft. Ursprünglich wollte die Bank mit eingesetztem Kapital 12 Prozent nach Steuern verdienen, im vergangenen Jahr lag die Rendite bei 2,7 Prozent.

Die Kosten für Rechtsstreitigkeiten sind grösser als angenommen und zwingen die Deutsche Bank zu immer neuen Milliardenrückstellungen. Erst am Donnerstag hatten britische und amerikanische Behörden die Bank wegen ihrer Verwicklung in den Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze zu einer Strafe von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert. Auch die extrem niedrigen Zinsen und der harte Wettbewerb im Privatkundengeschäft in Deutschland gehen am heimischen Branchenprimus nicht spurlos vorüber. (rar/sda)

Erstellt: 24.04.2015, 23:51 Uhr

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